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Mönchengladbach
Ein Plädoyer für die Wespen

Fünf Hausmittel gegen Wespen
Fünf Hausmittel gegen Wespen
Mönchengladbach. Viele fürchten sich vor den Insekten. Ruth Seidel vom Naturschutzbund erklärt, warum das nicht gerechtfertigt ist, welche Folgen das im Moment zu beobachtende Insektensterben hat und was Menschen dagegen tun können. Von Fee Grupe

In der kommenden Woche wird Ruth Seidel vom Naturschutzbund (Nabu) eine Auszeichnung für ihren schmetterlingsfreundlichen Garten erhalten. "Ich freue mich über jedes Insekt, das ich sehe", sagt sie - denn davon gebe es immer weniger. In diesem Jahr sei es besonders schlimm. Im kalten Frühjahr sei es den Insekten oft nicht möglich gewesen, ihre Nester fertigzubauen und ihre Brut zu versorgen. "Schuld ist aber nicht nur das Wetter, sondern auch wir Menschen", sagt Seidel. "Das Problem ist die Panik."

Wespen mögen's süß: Deshalb rät der Naturschutzbund Nabu, im Freien Essensreste zügig wegzuräumen und Nahrungsmittel abzudecken. Auch solle man nicht direkt aus der Flasche, sondern mit dem Strohhalm trinken. FOTO: Horstmann

Damit bezieht sie sich in erster Linie auf Wespen. Obwohl nur zwei von vielen Arten den Menschen Probleme bereiteten, werde oft massiv gegen Wespen vorgegangen. "Dabei brauchen wir sie unbedingt", sagt Seidel, "Sie waren schon immer Teil unserer Kultur." Dass Wespen ein wichtiger Bestandteil unseres Ökosystems sind, werde oft vergessen. Sie seien wichtige Schädlingsbekämpfer und jagten große Mengen an anderen Insekten. Außerdem bestäuben sie Pflanzen und dienen als Nahrung für Vögel. Nur haben sie keine Lobby wie mittlerweile die Bienen, deren Zahl aber ebenfalls stark rückläufig zu sein scheint.

"Wespen sind im Grunde harmlose Tiere", sagt auch der Mönchengladbacher Ludger Horstmann. "Sie stechen nur, wenn sie sich ernsthaft bedroht fühlen. Sobald man danach schlägt, um sie zu vertreiben, wehren sie sich auch." Deshalb ist es laut Ruth Seidel in den meisten Fällen auch nicht notwendig, Wespennester zu zerstören: "Meistens reicht es, einen Bogen um sie zu machen."

Weitere Verhaltensregeln im Umgang mit Wespen finden sich auf der Internetseite des Nabu. Neben heftigen Bewegungen sei auch das Wegpusten der Tiere nicht ratsam, da das im Atem enthaltene Kohlendioxid im Wespennest als Alarmsignal gelte. Zum Schutz vor der Deutschen Wespe und der Heimischen Wespe, die von Süßspeisen und Fleisch angelockt werden, sei es ratsam, im Freien Essensreste zügig wegzuräumen und Nahrungsmittel abzudecken. Auch solle man nicht direkt aus der Flasche, sondern am besten mit dem Strohhalm trinken. Wenn man doch einmal gestochen würde, helfe es, eine halbierte Zwiebel auf die Stichstelle zu drücken. Laut Seidel ist die Angst vor Wespenstichen übertrieben, solange man nicht allergisch ist.

Auch wenn der Mensch nicht aktiv gegen Wespen vorgeht, leiden sie unter den von ihm verursachten Lebensumständen. "Das beginnt beim Laubbläser und geht weiter über kahle Rasenflächen", sagt Seidel. Wenn man Insekten helfen wolle, solle man "insektenfreundliche Pflanzen" in seinen Garten setzen. Damit meint Seidel: "Nichts Ausländisches und keine gefüllten Blüten." Sonst kämen die Insekten nicht an den für sie lebenswichtigen Nektar. Dass es Menschen gibt, die immer wieder von einer "Wespenplage" sprechen, kann Seidel nicht verstehen. "Vielleicht mag es einem so vorkommen, wenn man sich in der Nähe eines Nestes aufhält", sagt sie, "Dort sind natürlich mehr Tiere unterwegs." Doch wenn man durch die Stadt laufe, dürfte auffallen, dass es in diesem Sommer nur wenige Wespen gibt. Dankbar könne man dafür nicht sein, denn "wenn man den Zusammenhang sieht, ist man froh für jedes Tier". Ihr Garten sei zwar ein Anfang, aber wirklich geholfen sei den Insekten nur, wenn andere dem Beispiel folgen.

Quelle: RP
 
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