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Kolumne "Mensch Gladbach"
Ein Plädoyer fürs Querdenken

Kolumne "Mensch Gladbach": Ein Plädoyer fürs Querdenken
Das Prinzenpaar fährt Rosenmontag in einem Tuk-Tuk im Minibus-Format vor. Ein Transportmittel für die Hindenburgstraße? FOTO: Denisa Richters
Meinung | Mönchengladbach. Autonom fahrende Tuk-Tuks für die Hindenburgstraße. Der Hauptbahnhof in seiner Schäbigkeit als Installation. Oder - ganz verrückt - Autofahrer, die gelassen bleiben, wenn sie hinter einem Radfahrer herzuckeln müssen. Warum eigentlich nicht? Von Denisa Richters

Neulich kursierte in einem der sozialen Netzwerke ein interessantes Video. Es zeigte eine Straßenszene, offenbar in einem südamerikanischen Land. Autos fuhren, im Straßenbelag waren tiefe Schlaglöcher. Das hätte also ähnlich auch in Mönchengladbach gedreht werden können. Dann tauchte jemand auf, schüttete Erde in das Loch und setzte blühende Pflanzen rein. Der Effekt war verblüffend: Die Autos fuhren vorsichtig vorbei, den Pflanzen wurde kein Stengel gekrümmt.

Wir staunten und überlegten kurz, ob das eine Lösung für unsere Stadt sein könnte. Bloß nicht!, schlug es in uns Alarm. Wir nahmen gedanklich schon Säcke voller Wutbriefe autofahrender Mönchengladbacher entgegen. Andererseits: Schlaglöcher gibt es hier viele, hoch sind auch die Schulden der Stadt. Und so ein bisschen Umsicht und Gelassenheit würde doch im Autoverkehr auch nicht schaden. Keine Sorge, liebe Leser. Uns ist klar, dass das nicht wirklich realisierbar ist. Aber einen Gedanken ist das mal wert. Nur wer auch mal das Undenkbare denkt, kommt womöglich auf eine richtig gute Lösung.

Das wäre an mehreren Stellen der Stadt dringend erforderlich. Ein Beispiel war hier schon Thema: ein Transportmittel zur Bewältigung des Bergs auf der Hindenburgstraße. Zurzeit fahren dort Linienbusse aufwärts, abwärts wurden sie auf die Steinmetzstraße verlegt. Weniger Busse gleich mehr Aufenthaltsqualität, so die Rechnung im Rathaus. Deshalb soll der Test zur Dauerlösung werden. Es gibt zwar viel Kritik, weil Fahrgäste und einige Einzelhändler an dem alten Linienweg hängen. Jedoch ist es unbestritten angenehmer geworden, über die Einkaufsstraße zu flanieren. Konsequent wäre deshalb, die Busse komplett rauszunehmen und ein alternatives Transportmittel zur Bewältigung der Steigung einzuführen. Im Gespräch waren schon "Cable Cars" wie in San Francisco, Eselfuhrwerke, auch über ein Rollband wie auf Flughäfen wurde bereits nachgedacht. Gut so! Denn normal kann jeder. Über Schräges wird gesprochen. Ein Mitglied der Grünen, Jürgen Mülders, macht sich für besondere Elektrofahrzeuge stark: Sie sehen aus wie moderne Straßenbahnen, fahren aber auf Rädern, nicht auf Schienen. Es gibt auch Elektro-Busse in kleiner und größer. Mit 60.000 bis 250.000 Euro sind die allerdings keine Schnäppchen.

Uns fiel Rosenmontag beim Rathaussturm ein anderes Fahrzeug auf, in dem das Prinzenpaar samt Gefolge auf den Rheydter Marktplatz rollte: ein Tuk-Tuk (so heißen vor allem in Asien verbreitete Kleinfahrzeuge, die wenig kosten) als Mini-Bus. Niedlich sah der aus, ein echter Hingucker. Zwei bis drei davon mit Elektroantrieb am besten autonom auf der Hindenburgstraße fahren lassen - Mönchengladbach hätte eine Attraktion.

Und weil es gerade so fließt, spinnen wir mal weiter: Da die Bahn AG die seit 2006 immer wieder angekündigte und genauso oft verschobene Sanierung des Gladbacher Hauptbahnhofs offenbar nicht in Angriff nehmen will, nehmen wir es einfach gelassen und erklären das gesamte Gebäude zur künstlerischen Installation. Beuys' Fettecke war nichts dagegen. Zum Finale noch etwas ganz Verwegenes: Autofahrer auf der Fahrradstraße bleiben gelassen, wenn sie ein paar Dutzend Meter langsam hinter einem Radler herfahren. Nein, das ist jetzt wirklich zu abgedreht. Ab ins Wochenende!

Quelle: RP
 
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