| 11.54 Uhr

Ein Samstag in Gladbach
Von wegen nichts los!

Diskothek "Prada" eröffnet mit Gina Lisa Lohfink
Diskothek "Prada" eröffnet mit Gina Lisa Lohfink FOTO: Ludwig Krause
Mönchengladbach. Was schauen Gladbacher manchmal neidisch auf die Veranstaltungskalender der großen Städte im Umfeld. Wir beweisen, dass wir so etwas gar nicht nötig haben – und sich Mönchengladbach nicht zu verstecken braucht. RP-Reporter Ludwig Krause hat einen Tag lang so viele Veranstaltungen wie möglich besucht. Vom Family Festival zu den Schützen, von der Astrologin bis Gina Lisa Lohfink. Ein Samstag in unserer Stadt eben. Von Ludwig Krause

10 Uhr:
Frühstück auf dem Markt

Nun könnten Sie denken: "Na toll. Er geht auf den Markt. Der findet ja jede Woche statt." Stimmt, aber darum geht's ja. Nicht zu Hause frühstücken und so früh wie möglich hingehen. Frühstück gibt's dann in einem der Cafés am Rande des Marktes oder auf die Hand an den Ständen, wo die Auswahl von Croissants über Frikadellen bis zu Fischbrötchen reicht, und der letzte Tratsch zu den höchsten Kursen gehandelt wird.

Unser Reporter Ludwig Krause war einen Tag lang in Gladbach unterwegs. FOTO: Jörg Knappe

11 Uhr:
Ein bisschen Kunst hat noch keinem geschadet

An einem Samstag mit Schützen- und Oktoberfest, Freibad und Fahrradtour kann man den Besuch im Museum Abteiberg als kleine Pause verstehen. Obwohl mitten in der Stadt gelegen, ist es hier angenehm ruhig und kühl. Die Augen schließen sollte man hier aber nicht – und keine Angst, wenn Sie mal etwas doof finden. Das geht jedem so. Aber wenn ich mich für etwas begeistern kann, schaffen andere das auch. Versprochen. Und wenn man nur mit dem Personal über Gina-Lisa Lohfink spricht, die sich am Abend in Mönchengladbach angesagt hat.

13.12 Uhr:
Was mir die Sterne in der Buchhandlung gesagt haben

Bis 2002 war Maria Schlicker System-Analytikerin für EDV-Großprojekte. Jetzt sitzt die 57-Jährige, an einem Donnerstag um 21.25 Uhr geboren, an einem kleinen viereckigen Tisch in der Mayerschen Buchhandlung und lächelt freundlich. Ihr Flyer verspricht "seriöse Horoskopberatung abseits von Astro-TV und Glaskugel". Normalerweise, erklärt sie, dauere ein Erstgespräch mit einem Kunden eineinhalb Stunden und benötige das doppelte an Vorbereitung. Daher könne sie nun eigentlich nur mal einen Blick auf meine Sterne werfen.

Das lasse ich mir nicht zweimal sagen, ich weiß trotzdem noch nicht so richtig, was mich erwartet. Als Maria Schlicker einmal flach die Hände auf den Tisch legt, mache ich das natürlich sofort nach. Wird sie mir halt gleich aus den Händen lesen, denke ich mir. "Sowas mache ich aber genauso wenig wie Kartenlegen", sagt sie. Ich ziehe meine Hände vom Tisch zurück. Ist ja aber auch mein erstes Live-Horoskop.

Anhand meiner Geburtsdaten zeigt der Computer, wie die Sterne für mich stehen. Und siehe da – eine regelrechte Planetenballung in meinem Sternzeichen. "Ihnen ist es wichtig, beruflich erfolgreich zu sein", sagt die 57-Jährige. Links rennt eine Mutter durch die Kinderbuchabteilung, hinter uns stöbert jemand zwischen den Mangas. Ein bisschen ungewohnt ist sie dann schon, die Location in der Buchhandlung. Schlicker erzählt etwas von Fleiß,
Hartnäckigkeit, Zielstrebigkeit. "Als Mitarbeiter würde ich Sie sofort einstellen", sagt sie und lacht. Als Mann bin ich übrigens in der drückenden Unterzahl, was die Zahl der Beratungen des Tages angeht. "Männer fragen nicht nach dem Weg. Frauen fragen schon eher nach Hilfe." In der Regel, erzählt Schlicker, gehen ihre Kunden dann positiver aus dem Gespräch, als sie hereingekommen sind. Ging mir tatsächlich schon schlechter.

14.30 Uhr:
Auf ein Alt mit dem Bezirksbundesmeister, oder: Warum bin ich eigentlich nicht Schütze geworden?

"Das Schützenwesen ist vielerorts ein wichtiger, historisch gewachsener und lebendiger Teil der regionalen bzw. lokalen Identität", sagt die Unesco-Kommission und hat es im vergangenen Jahr zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Weil das wohl stimmen mag, aber nicht wirklich spritzig ist, fügte Bezirksbundesmeister Horst Thoren beim Fassanstich auf dem Kapuzinerplatz gleich mit an: "Was wäre ein Fest ohne Freibier?"

Eben. Mit sieben Schlägen übernahm OB Hans Wilhelm Reiners den Fassanstich des Stadtschützenfestes. Weil dann aber vor allem Schaum kam, gab es gleich einen Zapfkurs vom Fachpersonal hinterher. Damit im kommenden Jahr auch die B-Noten stimmen. Weil sich offenbar vor allem die lokalen Sorten hervorragend als Zielwasser eignen, hat es beim Schießen um die Ehrenscheibe direkt einen Gleichstand gegeben. Christoph Dohmen und Franz Josef Ungerechts schossen beide so nahe an den Punkt zum Glück, dass es eigentlich ein Stechen hätte geben müssen. Aber da Ungerechts schon einmal in diesem Jahr seine Treffsicherheit bewiesen hat und designierter König der St.- Michaels-Bruderschaft Hehn ist, überließ er Dohmen großzügig das Feld. Der sicherte prompt zu, die Scheibe ins Wohnzimmer zu hängen. Bleibt nur die Frage: Warum bin ich eigentlich nicht Schütze geworden? Das mit der lokalen Identität passt, über meinem Sofa ist noch Platz, den Abzug finde ich sicherlich auch – und gegen Freibier hatte ich noch nie Einwände.

15.30 Uhr:
So spannend ist es, wenn Familien um den Sieg kämpfen (und ich dabei zuschauen darf...)

Wie genau sie es geschafft haben, pünktlich zum Family Festival am Monte Clamotte so ein Wetter hinzubekommen, das dürfte Markus Dannhauer (53) und Thomas Sablotny (42) vermutlich immer noch ein Rätsel sein. Aber sei es drum: Als ich am Nachmittag auf der Rheydter Höhe ankomme, ist es einer der entspanntesten Orte der Stadt. Es wirkt zumindest so.

"Wir wollen jungen Familien die Möglichkeit geben, in einen Wettstreit zu treten", sagt Dannhauer. Sportlich, gedanklich, vor allem aber mit Spaß. "Weil wir der Meinung waren, dass genau so etwas noch in der Stadt fehlt." Zwei Erwachsene und zwei Kinder bildeten dabei als Familie ein Team.

Das Wort Familie ist dabei bewusst etwas weiter gefasst. "Es können auch Tanten, Patenonkel oder Großeltern mit den Kindern antreten", sagt Dannhauer. Und so ging es im Kanu aufs Wasser, zum Bogenschießen, Getränke-Kästen-Turm-Bauen oder zum Knobeln, bevor am Ende des Tages alles mit dem Konzert der Band Böck'em sein Finale fand. Die gute Nachricht: Das Family Festival soll im kommenden Jahr wiederkehren. Die zweite gute Nachricht: Dann sollen auch die Teams erweitert werden. Etwa alleinerziehende Elternteile mit Kind oder Teams mit Jugendlichen. Hauptsache, das Wetter spielt mit, wie bei der Premiere.

16 Uhr:
Der letzte Samstag im Freibad

Noch einmal die Chance genutzt, und am letzten offenen Wochenende des Jahres im Freibad gewesen – das durfte auf meiner Liste nicht fehlen. Allerdings hatten das wohl nicht viele Leute auf der ihren. Trotz sonniger Temperaturen konnte man relativ ungestört seine Bahnen im Wasser ziehen oder an den Sprungfiguren arbeiten. "Am Morgen war es bedeckt, dann kommen die Leute nicht", sagt Schwimmmeister und Badleiter Dieter Aßing. Dabei ist das Becken dauerhaft auf 25 Grad gewärmt – zum Vergleich: Das Mittelmeer vor Mallorca ist derzeit nur einen Grad wärmer. Das wissen auch viele der Frühschwimmer, die morgens um zehn schon abtauchen. "Meistens Rentner oder Schichtarbeiter", sagt Aßing. Aber auch die müssen jetzt erst einmal eine Pause machen. Bis Donnerstag noch hat das Freibad geöffnet, dann ist erst einmal Feierabend. Bis zum nächsten Sommer.

18.30 Uhr:
Die Bayern kommen! Wiesn am Nordpark

Sieben Schläge braucht Bundestagsabgeordneter Günter Krings zum Fassanstich, als hätte er sich mit OB Reiners abgesprochen. Allerdings saut Krings deutlich mehr – er zapft aber auch Wiesnbier. Am Samstagabend läuft so viel bayerische Tracht an der Raute des Borussia-Parks vorbei, dass einem schon komisch werden kann – in die eine wie andere Richtung, je nachdem mit welchem Verein man es gerade hält. Die gute Nachricht für alle Borussia-Fans: Die Invasion der Arena wird vorerst verschoben, die ganzen Trachten wollten lediglich ins Oktoberfestzelt. "Das ist der bayerische Karneval am Niederrhein", sagt Mitveranstalter Rolf Müller. Alleine 1500 Besucher am Samstagabend. "Hier trifft sich das ,who is who' Mönchengladbachs", sagt er. Wie viel Kühles und Herzhaftes an die Gäste serviert wird, kann Müller nicht sagen. Der Selbstversuch zeigt aber: Geht ordentlich in die Arme.

20.15 Uhr:
Auf dem pinken Blitz durch die Nacht radeln

Weil es mir eh keiner glauben würde: Nein, das Fahrrad gehört nicht mir. Ich könnte den pinken Blitz auch nie so stilecht dekorieren (man achte auf die brennenden Wunderkerzen am Lenker). Das hat Sarah Link übernommen. Die 28-Jährige ist nicht nur Besitzerin des Rades, sie nahm damit auch am Nachtradeln teil. Zehn Kilometer ging es vom Schillerplatz über die Hauptstraßen der Stadt, der ADFC übernahm die Organisation, die Polizei sorgte für freie Straßen. "Die Aktion soll einfach Spaß machen und Gladbach wieder mehr aufs Fahrrad bringen", sagt Dirk Rheydt vom ADFC. Der zweiten Ausgabe soll auf jeden Fall eine dritte Folgen. Erst muss Rheydt aber noch woanders hin. Am Sonntag ist er mit dem Rad nach München aufgebrochen. Vier Tage plant er ein. "Mein Ziel ist eine Maß Bier im Englischen Garten."

21.27 Uhr:
Links, zwo, drei – Schwof, zwo drei: Schunkeln beim Ball der Majestäten

Der Ball der Majestäten dürfte eine der wenigen Tanzveranstaltungen in Mönchengladbach (außerhalb des Karnevals und Oktoberfestzeltes) sein, bei dem die Männer mindestens genauso bunt daherkommen wie ihre Damen. Der Höhepunkt des Abends ist dann aber ein rührender voll Zwischentöne: Seit Jahrzehnten ist Heinz-Josef Esser bei den Schützen aktiv, eine Krankheit zwingt ihn mittlerweile in den Rollstuhl. Trotz allem hat er es sich nicht nehmen lassen, noch einmal mit seiner Frau zu kommen. Und wird ganz überraschend mit dem Goldenen Stern zum St.-Sebastianus-Ehrenkreuz ausgezeichnet – schon lange ein Wunsch des Schützen. Bei den stehenden Ovationen wischt sich der ein oder andere eine Träne aus dem Gesicht. Und das nicht nur bei Menschen in Kleidern. Es hätte der Schlusspunkt dieses einen Tages in Mönchengladbach sein können. War es aber nicht: Eine Station stand noch auf dem Zettel.   

23 Uhr - und später:
Diskothek "Prada" mit Gina-Lisa Lohfink

Wie beendet man so einen Tag standesgemäß? Richtig: feiern gehen. Wie passend, dass am Samstag die Diskothek "Prada" in Rheydt eröffnet hat. Zum Auftakt hatten die Besitzer die "Bodybangers feat. Victoria Kern" eingeladen, die Musik machen, die Menschen eben hören, wenn sie in Diskotheken wie "Prada" feiern gehen. Zum Feiern gab es reichlich Platz, gegen die Roboter-Laser-Show komme nicht mal ich auf der Tanzfläche an. Und um 1 Uhr schaute dann auch noch ein Stargast vorbei.

Gina-Lisa Lohfik hatte zuletzt vor allem Schlagzeilen mit einem Gerichtsprozess gemacht. Eigentlich kennt man sie aber als Zwölftplatzierte aus der dritten Staffel von "Germanys Next Topmodel" aus dem Jahr 2008. Nun trifft man sie eben auf Partys wie jenen, die im "Prada" stattfand. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden mit dem Abend. Und haben schon den nächsten Gast angekündigt: Eine "JJ" aus einer Sendung namens "Berlin - Tag und Nacht".

Quelle: RP
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