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Mönchengladbach
Ein Schaltjahrs-Kind spricht Klartext

Mönchengladbach: Ein Schaltjahrs-Kind spricht Klartext
Dialogredakteur Holger Hintzen ist gebürtiger Jüchener. FOTO: Andreas Krebs
Mönchengladbach. 2016 gibt es wieder einen 29. Februar - wer an dem Tag geboren ist, hat es nicht leicht. Doch nicht das Phänomen Schaltjahr nervt, sondern die Mitmenschen tun es, findet Holger Hintzen, in Mönchengladbach lebender RP-Redakteur. Von Holger Hintzen

Nein, über mein Geburtsdatum rede ich nicht gerne. Das hat nichts mit meinem Alter zu tun. Sondern mit den immer gleichen Reaktionen meiner Mitmenschen auf die Tatsache, dass ich an einem 29. Februar geboren wurde. Dank der Bemühungen des Papstes Gregor XIII. um einen schnittigeren Kalender ist dieser Tag zwar seit mehr als 400 Jahren weithin geübte Praxis. Dennoch haut das Datum die meisten Menschen immer noch aus den Pantinen. Typisches Party-Geplauder: "Waaaas? Du hast am 29. Februar Geburtstag? Ahh, wie ist das denn so, nur alle vier Jahre Geburtstag zu haben? Los, sag doch mal ..." Und schon soll ich wieder erklären. Seufz.

Dabei ist die Wahrheit höchst simpel: Das einzig Besondere an diesem Geburtsdatum ist, immer wieder diese Fragen beantworten zu müssen. "Ja, aber ..." Nein, nix aber! Das gelegentliche Vorhandensein eines 29. Februars ist nicht aufregender als die Tatsache, dass ein 31. Dezember im Kalender zu finden ist, ein 31. November aber nicht. Oder hat bisher jemand den 31. November ernsthaft vermisst? Ich jedenfalls nicht. Merke: Jeder Tag im Leben zählt. Aber wie er heißt, ist völlig schnurz.

Jahrzehntelange Erfahrung hat mich jedoch gelehrt: Es wird weiter gefragt - oder auch feinsinnig kommentiert: "Hey, wenn Du nur alle vier Jahre Geburtstag hast, kannst du ja erst mit 260 Jahren in Rente gehen, hihi!" Das ist natürlich Blödsinn. Denn dank Rentenreform soll ich als 1964er Spätlese erst mit 268 Jahren vollumfänglich des Gnadenbrotes teilhaftig werden. Aber das ist kein Knallerthema, mit dem man auf einer Party eine unbekannte Schöne in ein anregendes Gespräch verwickeln könnte. Glauben Sie mir, Tests haben zu unbefriedigenden Ergebnissen geführt.

Das Schlimme ist halt: Altersweiser Gleichmut bezüglich des Schaltjahr-Phänomens stachelt den inquisitorischen Eifer der Mitmenschen erst richtig an. "Ja, aber wann feierst Du denn Geburtstag, wenn der Februar 28 Tage hat? Das muss doch blöd sein. Oder ist doch auch ganz praktisch, weil Du Dir aussuchen kannst, wann Du feierst. Oder?" In Jünglingsjahren antwortete ich an dieser Stelle wahrheitsgemäß: "Ich feiere halt, wann es am besten passt."

Heute, im fortgeschrittenen Stadium meines Erdenwandels, ist das anders. Zu feiern, dass man älter wird, erscheint mir nicht mehr als ein stimmiges Konzept. Also pflege ich zur Zeit meines Wiegenfestes einer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen und auf Reisen zu sein. So will ich es auch 2016 halten. Wenn wieder mal ein 29. Februar im Kalender erscheint, möchte ich ihn irgendwo auf Sri Lanka ignorieren. Da unten ist es lecker warm - und die haben da ein entspanntes Verhältnis zu Kalenderfragen. Nehmen wir zum Beispiel Diwali, ein großes Fest, das immer am 15. Tag des Hindumonats Kartik beginnt. Der Clou: Weil der Termin nach dem Mond berechnet wird, schunkelt der Diwali-Termin über die Jahre lässig zwischen Mitte Oktober und Mitte November.

Interessant, nicht wahr? Im Februar muss ich unbedingt ein paar Sri Lanker fragen, wie das eigentlich ist, wenn man Diwali jedes Jahr an anderen Tagen feiert. Das ist doch jeck, oder? Los, sagt doch mal ...

Quelle: RP
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