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Mönchengladbach
Ein süß-sehnsuchtsvoller Frühlingsabend in Paris

Mönchengladbach. Der Theaterball war diesmal eine einzige Hommage an den Pariser Frühling. Die Zuschauer genossen die vielfältigen Darbietungen - auch wenn die Wirkung im Konzertsaal in weiten Teilen verpuffte. Von Garnet Manecke

Mitten in Rheydt erhebt sich der Eiffelturm in den Himmel, das Theater ist in den Farben der französischen Tricolore in blau, weiß und rot geschmückt, der rote Teppich ausgerollt: Kein Zweifel, der Theaterball lädt zum Tanz. Paris, die Stadt der Liebe, ist Thema des Abends. Mit Chansons, Walzer und einem humorvollen Ausflug in die Schlagerwelt der 1970er Jahre feiert das Ensemble mit seinen Gästen den "Frühling in Paris".

Und was da nicht ins Motto passt, wird einfach passend gemacht. "Die Rocky Horror Show hat nichts mit Frankreich und nichts mit Paris zu tun", sagt Generalintendant Michael Grosse in seiner Moderation zur Eröffnung des Abends. "Sie ist aber trotzdem schön." Und irgendwie zählt ja auch der europäische Gedanke. So laufen die Auszüge der aus der Feder des Briten Richard O'Brien stammenden "Rocky Horror Show" unter dem Motto "Je t'aime Rocky" (Ich liebe Dich, Rocky). "Das ist Kreativität", sagt Grosse dazu. Und der vollständig besetzte große Saal zeigt ihm, dass das Publikum diese Kreativität liebt. Aber auch ein voller Saal zu Mitternacht täuscht nicht darüber hinweg, dass der Theaterball noch einige Besucher mehr hätte vertragen können.

Im Konzertsaal liegt zwischen Schauspiel-Ensemble auf der Bühne und dem ersten erreichbaren Gast eine große, leere Tanzfläche. Dieser Abstand und Probleme mit der Tontechnik sorgen dafür, dass die musikalische Liebeserklärung "I love Paris" in weiten Teilen verpufft. Die Reaktion der Zuschauer ist entsprechend verhalten. Dabei hätte die humorvolle Darbietung von Henrike Hahn, Cornelius Gebert, Christopher Wintgens und Bruno Winzen weit mehr Applaus und Begeisterung verdient. Wie das Quartett mit seiner Parodie auf Mireille Mathieu aus dem "Spatz von Avignon" stimmlich eine "Krähe aus Paris" macht, dürfte selbst bei großen Fans der französischen Sängerin zu einem Schmunzeln führen.

Ganz anders die Stimmung im Café Linol, in dem Manon Blanc-Delsalle, Susanne Seefing und Andrew Nolen mit "Chansons de Paris" aufwarten. Begleitet von Heinz Hox am Akkordeon kommt hier die süße-sehnsuchtsvolle Stimmung der französischen Lieder auf. Einiges wird im Publikum mitgesummt, vielfach aber wird einfach nur mitgeträumt. Das romantische Klischee der Metropole wird von den Sängern mit jedem Ton zelebriert und vom Publikum genossen.

Ein Genuss ist auch die "Offenbachiade", mit der der Ballabend eröffnet wird. Dirigiert von Alexander Steinitz stimmen die Niederrheinischen Sinfoniker mit der Ouvertüre aus "Pariser Leben" auf den Abend ein. Nicht nur Elvis, sondern auch Jacques Offenbach lebt und schaut kurz im großen Theatersaal rein. In dieser Rolle tanzt Paolo Franco den Komponisten als eine konfuse Mischung aus Charlie Chaplin und Albert Einstein. Das Publikum amüsiert sich darüber und kommt spätestens beim Fliegenduett (aus Orpheus in der Unterwelt) mit Amelie Müller und Markus Heinrich richtig in Stimmung für den Abend.

Mit dem Ballsirenen-Walzer bittet Steinitz schließlich zum Tanz. Die Damen und Herren lassen sich nicht lange bitten: Ausreichend Platz zum Tanzen ist da, und der wird ausgiebig genutzt.

Quelle: RP
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