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Mönchengladbach
Ein Tag nur für die Selbsthilfe

Mönchengladbach. Die Kontaktstelle des Paritätischen feiert ihr 30-jähriges Bestehen mit einem Fest und Fachvorträgen. Von Angela Rietdorf

Georg Meurer kennt das. "Jeder, der ein bestimmtes Problem hat oder an einer bestimmten Krankheit leidet, hat das Gefühl, damit allein zu sein. Obwohl er genau weiß, dass es noch andere Betroffene gibt." Meurer arbeitet seit mehr als 15 Jahren bei der Selbsthilfe-Kontaktstelle des Paritätischen und deshalb kennt er auch die Lösung für dieses Gefühl des Alleinseins und Alleingelassenseins - Selbsthilfe. "In Selbsthilfegruppen trifft man auf Menschen, denen man nichts erklären muss", sagt er. "Weil sie die gleichen Erfahrungen haben und vor den gleichen Herausforderungen stehen."

Es gibt mehr als 130 Selbsthilfegruppen in Mönchengladbach, rund vierzig davon treffen sich im Haus des Paritätischen an der Friedhofstraße in Rheydt. Der Bogen, den die Gruppen spannen, ist weit und reicht von somatischen über psychische bis hin zu sozialen Problemen. Darin spiegelt sich auch immer eine gesellschaftliche Entwicklung. In den 1990er Jahren beispielsweise gab es noch eine Selbsthilfegruppe Eltern homosexueller Kinder, bei denen "Verzweiflung, Angst, Wut, Ratlosigkeit" als Reaktion auf das Coming-out ihres Kindes vermutet wurde.

Eine solche Gruppe existiert heute nicht mehr. Und auch den Gesprächskreis für Männer, in dem über das anerzogene Rollenbild diskutiert wurde, gibt es nicht mehr. Manche Themen verschwinden einfach wieder. Andere bleiben: Die ILCO-Gruppe für Stoma-Träger gibt es schon seit den Anfängen der Selbsthilfe-Kontaktstelle. Auch die Parkinson-Gruppe ist sehr dauerhaft. Dagegen läuft die Diabetes-Gruppe aus. "Für den Austausch von Informationen gibt es heute im Internet entsprechende Foren", sagt Meurer. "Die Selbsthilfegruppen helfen dagegen bei der Alltagsbewältigung. Hier treffen sich Leute, die die Probleme des anderen verstehen, weil sie sie selbst haben."

Die Anonymen Alkoholiker sind wahrscheinlich das älteste und bekannteste Beispiel für eine Selbsthilfegruppe, aber es gibt in Gladbach noch viele andere Menschen, die sich in Eigenregie gegenseitig unterstützen und helfen: zum Beispiel den Verein für die Angehörigen psychisch Kranker, den Zusammenschluss pflegender Angehöriger oder ein Forum für Menschen mit und ohne Sehbehinderung.

Die Selbsthilfe-Kontaktstelle, die in allen Fragen von Selbsthilfe informiert, berät und unterstützt, feiert in diesem Monat ihr 30-jähriges Bestehen. Und das in zweifacher Weise. Zum einen gibt es eine Jubiläumsfeier am Dienstag, 15. November, im Paritätischen Zentrum mit einem Vortrag zur Zukunft der Selbsthilfe und mit viel Möglichkeit zum Austausch mit Förderern, Kooperationspartnern und Unterstützern der Selbsthilfe. Am darauf folgenden Samstag, 19. November, präsentieren sich Selbsthilfegruppen zwischen 11 und 16 Uhr im Paritätischen Zentrum. Sie stellen ihre Arbeit vor und stehen für Fragen zur Verfügung.

In Fachvorträgen werden unterschiedliche Themen der Mönchengladbacher Selbsthilfearbeit aufgegriffen. Es wird um psychische Krankheiten gehen, um Patientenrechte und -pflichten oder um suchtfreies Leben. Filmvorführungen zu Selbsthilfe-Themen runden das Bild ab. Weitere Informationen zum Jubiläum und zum Selbsthilfe-Tag finden sich unter www.selbsthilfe-mg.de.

Quelle: RP
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