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Mönchengladbach
Ein Wohnmodell am "Hovener Ei"

Mönchengladbach: Ein Wohnmodell am "Hovener Ei"
FOTO: Jakobs Architekten
Mönchengladbach. Architekt Norbert Jakobs baut in Bettrath ein Gebäude, in dem 2018 zehn Menschen mit Handicap eigene Wohnungen beziehen werden. Die Stiftung Hephata übernimmt deren Betreuung. Jakobs hat Erfahrungen mit solchen Projekten. Von Dieter Weber

Das Einsatzgebiet von Hans-Willi Pastors geht weit über Mönchengladbach hinaus. Der Wohnungsexperte der Evangelischen Stiftung Hephata richtet in ganz Nordrhein-Westfalen Wohngruppen ein: Menschen mit Handicap, die im Erwachsenenalter sind, streben oft eine eigene Bleibe an, wollen raus aus der beschützenden Umgebung der Eltern. Das ist für beide Seiten gut: Die Behinderten wagen den Schritt in die Selbstständigkeit, und die älter werdenden Eltern wissen, dass sie die Betreuung nicht auf ewig leisten müssen. Fachmann Pastors sucht nach Alternativen: Meist sind es Wohngruppen, die sorgsam und mit Bedacht aufgebaut werden müssen. Wesentliche Voraussetzung dabei: Auf dem Wohnungsmarkt muss es auch die entsprechenden Angebote geben.

Norbert Jakobs von "Jakobs Architekten" ist für Pastors dabei ein Glücksfall. Und außer ihm ein unbekannter Investor, der 2,5 Millionen Euro in ein Bauprojekt an der Hovener Straße in Bettrath steckt: Am "Hovener Ei" - so heißt der Kreisverkehr im Volksmund - entsteht ein Komplex mit zehn Wohnungen, die Jakobs für Menschen mit körperlichen Einschränkungen konzipiert. Sie werden hier in zwei Wohngruppen zusammenleben. Es gibt für sie Single-Appartements, einen Aufzug, Nebenräume im Keller, außerdem noch mehrere Gemeinschaftsräume. Weitere vier Wohnungen im Staffelgeschoss richten sich an Menschen ohne Handicap. "Wir sind sehr froh, dass es diese Bauprojekte gibt, damit wir hier Wohngruppen unterbringen können", sagt Pastors.

2012 gab es ein vergleichbares Projekt an der Dammer Straße in Neuwerk. Seinerzeit war das Team Jakobs/Hephata bereits im Einsatz. Der Architekt entwarf das Haus, Pastors sorgte für das Netzwerk. In Bezirksvorsteher Hermann-Josef Krichel-Mäurer fand das Duo einen Mitstreiter, der die Kreisbau als Bauherr ins Boot holte. Auch dieses Mal hat sich Krichel-Mäurer um das Projekt gekümmert und Kontakte hergestellt. "Dieses Vorhaben ist für mich eine Herzensangelegenheit", sagt Krichel-Mäurer.

Mit seiner geschwungenen Form nimmt der Bau den Kreisverkehr am Hovener Ei auf. Jetzt steht auf dem Grundstück noch ein Haus, das demnächst abgerissen wird. Auch der unbefestigte Parkplatz rechts daneben wird dann verschwinden. FOTO: Jakobs/Weber

Im Vergleich zum Bauvorhaben Dammer Straße ist architektonisch an der Hovener Straße einiges anders. Der Investor wollte deutlich größere Wohneinheiten, die jede eine eigene kleine Küche mit Wohnraum, ein separates Schlafzimmer und ein behindertengerechtes Bad haben. Im Gemeinschaftsteil hat Architekt Jakobs die zentrale Küche und einen Aufenthalts- und Essbereich auf zwei Ebenen eingeplant. Damit die Bewohner sich gegenseitig besuchen können, hat Jakobs eine Balustrade im rückwärtigen Teil zum Garten hin vorgesehen. "Das gestalten wir ziemlich aufwändig", sagt Jakobs.

Derzeit stellt Hephata-Wohnungsexperte Pastors die beiden Gruppen zusammen, die in den Gebäudekomplex einziehen sollen. Es ist nicht damit getan, nur die Wünsche der potenziellen Mieter zusammenzutragen. Da sie als Gemeinschaft agieren, müssen sie auch zusammenpassen. Außerdem muss abgefragt werden, welche Hilfen sie benötigen, damit am Ende auch das notwendige Personal zur Verfügung gestellt werden kann: Denn auch wenn die Menschen mit Behinderungen in eigenen Wohnungen leben, werden sie nicht ohne Betreuung bleiben können. Eine erste Mieterversammlung mit möglichen Kandidaten gab es bereits. In den nächsten Monaten erfolgt die Feinabstimmung. "So ein Prozess kann bis zu zwei Jahre dauern, bis die Wohngruppen feststehen", sagt Pastors. Bis zum Einzug bleibt noch etwas Zeit. Norbert Jakobs: "Wir rechnen mit einer Fertigstellung im dritten Quartal 2018."

Quelle: RP
 
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