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Mönchengladbach
Einblicke in die Arbeitswelt 2050

Mönchengladbach. Die Metall- und Elektrounternehmer ließen sich Zukunftsszenarien vorstellen. Von Angela Rietdorf

Cornelia Daheim beginnt mit Fragen: Wer von den bei der Mitgliederversammlung der Unternehmerschaft der Metall- und Elektroindustrie Anwesenden arbeitet mehr, als es sein Vertrag vorschreibt? Wer engagiert sich ehrenamtlich? Wem gibt die Tätigkeit ein Gefühl des Sinns? Immer hoben sich viele Hände im vollbesetzten Kaisersaal des Hauses Erholung. "Etwa neunzig Prozent" schätzt Zukunftsforscherin Cornelia Daheim. "Sie sind Teil einer Bewegung." Was sie damit meint, wird später deutlich, als sie zu den Szenarien kommt, die die Arbeitswelt im Jahr 2050 beschreiben könnten.

Die Expertin zeigt aktuelle Trends und Szenarien auf, die zusammen mit weltweit führenden Experten entwickelt wurden. Zum einen, darin sind sich alle einig, werden durch Automatisierung eine Vielzahl von Arbeitsplätzen wegfallen. Die Tätigkeit einer Kassiererin ist heute schon zu hundert Prozent automatisierbar, die eines Controllers zu 63 Prozent, die eines Elektrotechnikers zu 78 Prozent. "Die Automatisierung erfasst auch qualifizierte Berufe", stellt Daheim fest.

Zur Automatisierung und ihrem Einfluss auf die Zahl der Arbeitsplätze wurden im Rahmen der Delphi-Studie internationale Experten befragt. Das Ergebnis: Im Durchschnitt gehen sie von einer weltweiten Arbeitslosigkeit von rund 25 Prozent im Jahr 2050 aus. Heute sind es sechs Prozent. Die Antwort auf die Frage, wie darauf zu reagieren sei, hat auch Cornelia Daheim überrascht: "Rund achtzig Prozent der Experten haben, zum Teil mit zusammengebissenen Zähnen, das bedingungslose Grundeinkommen befürwortet." Das hängt sicher mit dem negativen der beiden Szenarien, die sich aus der verstärkten Automatisierung ergeben, zusammen. Bei dieser Zukunftsprognose wird davon ausgegangen, dass die Automatisierung zu wachsender Arbeitslosigkeit führt, die Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich verstärkt, in Unruhen und Gewalt und schließlich in sehr instabile Verhältnisse mündet.

Aber es gibt auch ein positives Szenario: Bei diesem wird nach der Automatisierung ein Bildungsschub in vielen Ländern angenommen. Robotersteuern und CO2-Steuern werden eingeführt, der Trend zu Selbstständigkeit, freier Zeiteinteilung und kooperativen Arbeiten führt zu anderen Arbeitsmodellen. Das Grundeinkommen ermöglicht ehrenamtliche Tätigkeit als sinn- und strukturstiftende Arbeit. Jetzt wird auch die Bedeutung der anfänglichen Fragen klar: Dahinter steckt ein Menschenbild, das davon ausgeht, dass der Mensch nicht nur arbeitet, weil er muss, sondern weil er will. Die Automatisierung eröffne Chancen, aber sie müsse gestaltet werden.

Quelle: RP
 
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