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Mönchengladbach
Eine Ausstellung wächst und gedeiht

Mönchengladbach: Eine Ausstellung wächst und gedeiht
Baum und Wurzel stammen von Martin Schwenk. Sie bestehen aus Bau- und Dämmstoffen. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Wuchernde Mikroorganismen, schwimmende Wasserlinsen, Pflanzenabrieb und von der Natur gezeichnete Blätter: Die Ausstellung "Florale Transformation" im Rudolf Boetzelen Silo lebt von der Veränderung. Das ist Absicht. Von Inge Schnettler

Diese Ausstellung wird nicht bleiben, wie sie ist. Objekte werden über sich hinauswachsen, womöglich werden Blüten sprießen, Gemaltes wird seine Farbe verändern. Diese Prozesse sind vorgegeben in der neuen Präsentation im Silo der Rudolf Boetzelen Höfe an der Künkelstraße. "Florale Transformation" heißt sie, kuratiert hat sie ein Student der Kunstgeschichte, Wilko Austermann aus Düsseldorf. Er wählte das Thema Pflanzen und fand sieben Künstler, die sich dessen annahmen. "Es sind sehr unterschiedliche Arbeiten entstanden, die auf diesem besonderen Raum reagieren, seinen Reiz auskosten", sagt Austermann.

Martin Schwenks Beiträge dominieren durch ihre massive Präsenz den unteren Raum des Silos. Zu sehen sind ein Baum und eine Wurzel. Beide sind allerdings alles andere als natürlich. Sie bestehen aus Polyurethanschaum und Polyester, Materialien, die auf dem Bau und im Handwerk Verwendung finden. Aus Edelstahl und Acrylglas sind der Stamm und die Äste des Baums gestaltet. Womöglich assoziiert er deshalb menschliche oder tierische innere Organe, die mittels Infusion am Leben erhalten werden.

Der Kurator Wilko Austermann neben den Passionsblumen von David Hahlbrock. Man kann den Pflanzen beim Wachsen zusehen. FOTO: Raupold Isabella

Im Entstehen begriffen ist die Wandarbeit von Andreas Greiner. Er hat ein großes Stück Baumwollnessel mit Mikroorganismen versehen, die seitdem ein Eigenleben entwickeln. Das Ganze ist in Folie verschweißt. Mal sehen, was daraus wird. David Sempers stille Arbeit ist ebenfalls eine, die sich erst entwickelt. Mit Pflanzenabrieb hat er eine waagerechte Reißnadellinie bearbeitet, der Saft von Efeublättern sorgt für farbliche Veränderungen. Gleich um die Ecke zeigen acht Fotografien des Künstlers Marthin Rozo aus Kolumbien, wie die Natur von der Natur gezeichnet wird. Die Blätter unterschiedlichster Bäume tragen bizarre Zeichnungen, die Insekten auf ihnen hinterlassen haben.

Ein Kunstwerk in der unteren Etage des Silos könnte übersehen werden. Sollte es aber nicht. David Hahlbrock hat Äste, die er bei seinen ausgedehnten Spaziergängen gefunden hat, zu einem meterlangen Stock zusammenfügt. Dieser schwebt ein paar Zentimeter über dem Boden, geht durch die Decke in den ersten Stock und verschwindet dort auch wieder in der Deckenkonstruktion. Das leichte Hin und Her des "Stockstapels", wie er die Arbeit nennt, macht auf ihn aufmerksam.

Von David Hahlbrock stammt auch eine der aufsehenerregendsten Arbeiten der Ausstellung. Sechs Passionsblumen in schwarzen Kübeln hat er mittels Aluminiumstangen zusammengeführt. Im offenen Kreis dazwischen liegen zwei Pflanzenleuchten, die das Wachstum beschleunigen sollen. "Wir hoffen, dass die Arbeit bis zum Ende der Ausstellung komplett zugewachsen ist", sagt Wilko Austermann.

Auf drei großformatigen Chinapapierbögen, die von der Decke herabhängen, hat Thimo Franke florale Formen aus grünem Algenfarbstoff gemalt. "Auch diese Ornamente sind in ständiger Veränderung begriffen, weil es sich um ein organisches Material handelt", sagt der Kurator. Sehr fein, sehr anmutig ist die Arbeit der chinesischen Künstlerin Ke Li: In einem flachen quadratischen Becken aus Polyesterharz, das auf einem Spiegel platziert und mit Wasser gefüllt ist, schwimmen Wasserlinsen auf der Oberfläche. Sie werden während der Ausstellung wachsen und ihre Positionen ständig verändern. Spannend.

"Florale Transformation" des Kunstvereins MMIII wird morgen, 10. Juni, um 19.30 Uhr im Rudolf Boetzelen Silo an der Künkelstraße 125 mit einer Einführung von Wilko Austermann eröffnet. Die Ausstellung gehört zu einem dreiteiligen Projekt in Kooperation mit dem Krefelder Kunstverein im Buschhüterhaus am Westwall 124 und dem Antichambre Hotel Friends an der Worringerstraße 94-96 in Düsseldorf.

Ermöglicht wurde das Projekt durch die finanzielle Unterstützung des städtischen Kulturamts, des Kulturamts Düsseldorf und des Fachministeriums des Landes.

Quelle: RP
 
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