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Mönchengladbach
Eine einfache Idee - mit großer Wirkung

Mönchengladbach: Eine einfache Idee - mit großer Wirkung
Ein bunter Vormittag mit vielen Eindrücken und interessanten Begegnungen: Die Tischgesellschaft "Viele Sprachen eine Stimme" beim gemeinsamen Verweilen im Pavillon auf dem Rheydter Marktplatz. Die Rheydter Bürger wünschen sich eine Wiederholung der Aktion. FOTO: Isabela Raupold.
Mönchengladbach. Die Tischgemeinschaft "Viele Sprachen - eine Stimme" versammelte sich am Samstagvormittag auf dem Rheydter Marktplatz. Die Aktion von Studentinnen der Hochschule und Deutschschülern der Awo fand sehr positive Resonanz. Von Sebastian Eußem

Manchmal kommt es vor, dass Bäume schneller wachsen und gedeihen, als es die Natur vorsieht: So geschehen am Samstagvormittag auf dem Rheydter Marktplatz, wo neben den üblichen Obst- und Gemüse-Ständen eine ganz besondere Begegnungsstätte eingerichtet wurde: die Tischgesellschaft "Viele Sprachen - eine Stimme" lud zum interkulturellen Dialog ein. Um diesen herzustellen, brauchte es nicht viel - einen Pavillion, ein paar Stühle, Kaffee, kleine Speisen und natürlich aufgeschlossene Menschen. Eine von der Tischgemeinschaft vorbereitete Collage entwickelte sich neben den persönlichen Gesprächen zum Herzstück der Aktion. Unter der Überschrift "Viele Sprachen - eine Stimme" konnten die Besucher einen aufgemalten Baum mit Sprüchen, Gedanken und Bildern schmücken. Stichworte wie "Respekt", "Netzwerk", "Danke für eure Offenheit" und "wahrgenommen werden" zierten den Baum, der im Laufe des Vormittags ein immer dichteres "Blätterwerk" bekommen sollte.

Die Tischgesellschaft setzt sich aus Teilnehmern eines Deutschkurses der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und Studentinnen der Hochschule Niederrhein zusammen. Die Gemeinschaft möchte den interkulturellen Austausch in der Stadt fördern. Die Themen Integration und Toleranz, sowie der Aufbau von Netzwerken standen bei den Begegnungen im Vordergrund. Die Mitglieder der Tischgemeinschaft kommen aus Syrien, Russland, Nigeria und Brasilien. Die Gruppe hatte sich im November zusammengefunden und sich in vier Workshops in Kooperation mit Kulturpädagogik-Studentinnen Maria Jackschitz und Anna Papoulias auf die Präsentation auf dem Rheydter Marktplatz vorbereitet.

Die Aktion wurde ein voller Erfolg, der Studentin Maria Jackschitz fast sprachlos machte: "Ich kann noch nicht richtig wirklich begreifen, was hier passiert. Die Reaktionen sind überwältigend." Denn der kleine Pavilion entwickelte sich zu dem Treffpunkt des Vormittags. Bürgerinnen und Bürger suchten und fanden das Gespräch mit den vorzugsweise weiblichen Mitgliedern der Tischgesellschaft. "Hier sind keine Gespräche über das Wetter entstanden, sondern über wichtige Themen. Die Resonanz ist super. Ganz viele Menschen haben uns gebeten, die Aktion zu wiederholen", sagt Maria Jackschitz begeistert.

Die Rheydter Marktbesucher lernten nicht nur kennen, wie man die syrische Teigtasche "Fatayer" oder russische Süßigkeiten zubereitet, es wurden Lebensgeschichten erzählt. Zum Beispiel die der Syrerin Ranya Soudah (45), die im April 2014 mit ihrer Familie aus Aleppo flüchtete und in Mönchengladbach eine neue Heimat fand. Die einstige Dozentin für Informatik und Mathematik ist Teil der Awo-Gruppe. Sie erklärt: "Wir möchten auf die Leute zugehen und hoffen, dass wir etwas erreichen können." Seit acht Jahren lebt Yulia Tissen in Deutschland. Die gebürtige Russin erklärt: "Ich möchte mich in Deutschland genauso intensiv mit meinen Nachbarn austauschen wie in Russland. Die Menschen brauchen keine Angst vor uns Ausländern zu haben. Denn dieses Deutschland ist auch unser Land. Wir Menschen sind alle gleich. Dass wir als Dazugezogene die deutsche Kultur annehmen müssen, ist dabei selbstverständlich."

Auch deshalb bildet sich die Gruppe nicht nur in der deutschen Sprache, sondern erfährt in gesonderten Vorlesungen etwas über deutsche Geschichte. "Damit wir die Menschen verstehen", sagt Yulia Tissen. Der Ghanaer Efe Efehosa sieht in der Aktion "ein tolles Konzept, um Menschen zusammen zu bringen. Flüchtlinge sollen sich nicht ständig in der Opferrolle sehen. Sie müssen erkennen, dass sie eine Stimme haben und mit den Bürgern in Kontakt treten."

Nach der gelungenen Aktion mit vielen Gesprächen und einem großen bunten Collagen-Baum hoffen nicht wenige Rheydter auf eine Rückkehr der Tischgemeinschaft. Die zarten Baumwurzeln sind dabei nur der Anfang.

Quelle: RP
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