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Mönchengladbach
Eine Fränkin auf Erkundungstour durch Mönchengladbach

Mönchengladbach: Eine Fränkin auf Erkundungstour durch Mönchengladbach
Die "Frau" von Georg Ettl ist etwas größer als unsere Autorin Lena Köhnlein. Sie kommt aus Franken und begibt sich auf die Suche nach Gladbacher Sehenswürdigkeiten. Dazu gehört natürlich auch das Münster St. Vitus auf dem Abteiberg. Das Rathaus dahinter gefällt der RP-Mitarbeiterin übrigens auch sehr gut. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Ich komme aus einem kleinen Dorf in Mittelfranken, Schützen, Karneval und natürlich Fußball - viel mehr weiß ich leider nicht von Mönchengladbach, als ich an einem sonnigen Vormittag am Bahnhof ankomme. Doch das will ich heute ändern. Erster Halt meiner Station ist das Einkaufszentrum, denn bereits am Bahnhof sehe ich ein Schild mit der Aufschrift Minto. Spurensuche leicht gemacht. Von Lena Köhnlein

Zwischen den Modeketten, die ich selbst gut kenne, suche ich ein für Gladbach typisches Geschäft im Shopping-Center. Und bleibe vor einem Eingang stehen, aus dem es grün-weiß schimmert: der Borussia-Fanshop. Ich überlege kurz. Als mein Vater mir als kleines Mädchen mein erstes Bayern-Trikot schenkte, hätte er wohl nicht gedacht, dass ich Jahre später einmal einen Borussia-Fanshop betrete. Ich auch nicht. Aber heute wage ich mich hinein. Ein bisschen beobachtet fühle ich mich schon. "Wissen die, dass ich keiner von ihnen bin?", frage ich mich. Vermutlich liegt es auch nur an meinem Block in der Hand. Ein kleiner Junge bleibt vor mir stehen, wir blicken uns von Angesicht zu Angesicht an. "Guck mal, das Buch hab ich zuhause", sagt er.

Als ich aus dem Minto komme, fällt mir ein glitzernder Platz auf, darauf stehen sieben Esel. Ich setze mich auf eine der bunten Bänke. Einige Menschen gehen vorbei. Andere betrachten die Esel ganz genau, zwei Kinder setzen sich drauf. "Aber warum Esel?", frage ich mich und gehe weiter. "Ich dachte, Borussia hat ein Fohlen als Maskottchen."

Das Schaufenster zum Laden von Eva Brachten. FOTO: Reichartz

Als ich einem Mann erzähle, dass ich aus Süddeutschland komme, sagt er: "Berge haben wir hier nicht, aber die Hindenburgstraße ist schon ein ganz schöner Aufstieg." Also gut, die Herausforderung nehme ich ja wohl locker an. Oben komme ich an einer Kirche an. Als ich die Rathausstraße hinuntergehe, erinnert mich das ein bisschen an mein Zuhause, das kleine Städtchen in Mittelfranken: das gepflasterte Kopfsteinpflaster, die Verzierung an den Häusern... Hier gefällt es mir gut. So ein schönes Rathaus habe ich bislang selten gesehen. Ich gehe in den Innenhof, in dem kein Mensch zu sehen ist, und genieße die Stille. Leider wird die Ruhe durch Baustellenlärm zerstört. Doch keine Dorfidylle wie zuhause.

"Die Leute in der Stadt sind nett und offen", sagt Karla Franken, die ich beim Weg zurück auf der Hindenburgstraße treffe. Wichtig sei auch, dass Rheydt und Mönchengladbach einst eigenständige Städte waren. "Wir sind die einzige Stadt in Deutschland mit zwei Hauptbahnhöfen", sagt sie. Auf meinem Weg gibt sie mir noch einen Tipp: "Sie müssen die ,Gladbacher Knööp' versuchen!" "Wo gibt es die denn?", frage ich unsicher. "Na, wo wohl! Bei Heinemann!" Dort angekommen, holt die Verkäuferin die "Knöpfe" zielsicher aus dem Regal. Und zu meiner Überraschung sind sie nicht aus Holz, sondern aus Schokolade. Glück gehabt!

Ulrike Ohler bietet neben Kaffee auch Olivenöl an. FOTO: Raupold

Langsam wird mir kalt, also mache ich an einem Teegeschäft halt. "Ganz schön usselig, was?", begrüßt mich die Verkäuferin. "Bitte, was? Usselig?" Ich frage: "Gibt es etwas Typisches für Mönchengladbach hier?" Sofort holt Verkäuferin Dinah Lindges eine Dose hervor. "Das ist die Mönchengladbacher Mischung." Ich vermute geheimnisvolle Zutaten, wie Altbier. Aber drin sind tatsächlich Grüner und Schwarzer Tee, Orangenblüten und Vanille- sowie Birnenstücke. Nicht aus Mönchengladbach, doch die Hausmischung des Tee Gschwendner in der Stadt. Verziert ist der verpackte Tee mit dem Münster.

Gut gewärmt geht es weiter. Etwas abseits vom Trubel der Hindenburgstraße entdecke ich das Feinkostgeschäft Arista. Drinnen ist ein lautes Geräusch zu hören. "Das ist die Röstmaschine", sagt Ulrike Ohler, die dort Kaffee und Espresso mahlt, der Duft verteilt sich im Laden. Auch Weine, Olivenöl und Gebäck entdecke ich in de Regalen. Auch regionale Produkte, wie die Marmelade von Brigitte Bengner. Ihr Chutney wird sogar auf Sylt verkauft. Gladbacher Qualität also. In den Laden kommt nur, was die Besitzerin auch selbst gerne mag und wovon sie den Ursprung kennt. "Schließlich möchte ich meinen Kunden auch zu jedem Produkt etwas sagen können."

Ich treffe eine junge Frau im Laden: "Du musst mal nach Eicken." Gut, ich mache das Navi an, auf gehts in die Eickener Straße. Dort fällt mir ein Laden mit bunten Kleidern im Schaufenster auf. Ich trete ein und werde von Eva Brachten begrüßt. Läuft so ein Laden in Mönchengladbach? Klar! "Frauen aus jeder Altersklasse, die sich modisch abheben möchten, kaufen bei mir ein", sagt die junge Mutter, die jedes Kleidungsstück individuell gestaltet. Alles ist handgemacht. Von ihr erfahre ich, dass die Stadt schon immer mit Textilien in Verbindung gebracht wurde. "Viele Stoffe wurden hier produziert." Auch heute haben noch viele Designer in Gladbach ihren Sitz. Brachten fühlt sich hier wohl: "Es gibt viele kreative Menschen hier in der Gegend."

Zufrieden verlasse ich den Laden, setze mich ins Café Vreigeist nebenan, esse ein veganes Stück Kuchen und denke, so ein Ausflug nach Gladbach, den könnte ich doch ruhig öfter machen - aber dann ohne Halt im Fanshop!

Quelle: RP
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