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Mönchengladbach
Eine Initiative fordert gelbe Tonnen

Mönchengladbach: Eine Initiative fordert gelbe Tonnen
Alexander Feron mit Tochter Emma und mehreren gelben Säcken: Er fordert die Einführung von gelben Tonnen. FOTO: Detlef Ilgner/Dieter Weber
Mönchengladbach. Erst 2019 endet der Vertrag, der die Entsorgung des Grüne-Punkt-Mülls regelt. Bis dahin wird es vermutlich gelbe Säcke geben. Die stehen in der Kritik, weil sie oft reißen und der Abfall sich verstreut. Politiker hoffen auf die Wertstofftonne. Von Dieter Weber

Vor einigen Wochen war Alexander Feron (47) mit seiner Geduld am Ende. Da hatte der Polizist gerade wieder mehrere gelbe Säcke mit Plastikmüll zum Sammeltermin vor das Haus gelegt, das er mit Partnerin, vier Kindern und zwei Hunden bewohnt. Und als er wenig später zum Rheydter Bahnhof ging, um zur Dienststelle nach Düsseldorf zu fahren, sah er an den Straßenrändern massenweise gelbe Säcke liegen. So, als ob die Mitarbeiter des Entsorgers EGN in einen Streik getreten wären. "Das ist eine Katastrophe, was sich hier in der Stadt seit Jahren abspielt. Überall türmen sich die Säcke. Und wenn dann auch noch Wind aufkommt, fliegen sie durch die Gegend, reißen oft, und der Verpackungsabfall sammelt sich dann irgendwo in Straßenrinnen, Hauseingängen und Grünanlagen."

Alexander Feron wollte nicht länger tatenlos zusehen und startete eine Online-Petition, die es sich zum Ziel gemacht hat, gelbe Säcke durch gelbe Tonnen in der Stadt zu ersetzen. Die Resonanz ist beeindruckend. Mehr als 700 Bürger unterstützen sein Ansinnen bisher. Auch OB Hans Wilhelm Reiners (CDU) hat die Petition im Internet geteilt.

Mehr als ein Stimmungstest ist sie aber nicht: Denn vor 2019 wird sich am jetzigen Gelbe-Säcke-System kaum etwas ändern. Es sei denn, das Kreislaufwirtschaftsgesetz verlangt die Einführung einer Wertstofftonne. Diese war mehrfach im Gespräch und über sie wurde verhandelt. Doch verbindlich wurde sie bisher nicht. Darauf hatten CDU, SPD und Stadt gehofft, als sie mit der Firma BellandVision, einem Unternehmen aus Oberfranken, den Vertrag über den Plastikmüll 2015 um vier Jahre verlängerten.

Denn nicht die städtische Müllabfuhr ist für die Entsorgung des Grüne-Punkt-Abfalls zuständig. Das Duale System mit gelben Säcken und Tonnen wird von den Herstellern von Konsumgütern betrieben, die gesetzlich verpflichtet sind, für die Wiederverwertung ihres Mülls zu sorgen. Und das tut die Oberfrankener Firma.

Das Unternehmen war 2015 für die Gladbacher auch der Verhandlungspartner. Und an dem biss sich damals die Verwaltung die Zähne aus. Die Einführung der gelben Tonne zum bisherigen Entsorgungspreis koppelte die Firma an die Bedingung, dass der Abfuhrrhythmus von bisher zwei Wochen auf monatlich verlängert wird. Das wollten weder Verwaltung noch Politik. Ein Versuch, die Ausschreibung um ein Jahr zu verschieben, damit die Stadt Zeit gewinnen und über ein neues System verhandeln konnte, lehnte BellandVision ab.

Schließlich bot die Stadt an, gelbe Tonnen selbst zu beschaffen und zu bezahlen - aber das wollte BellandVision nicht. Weil die Stadt unter Zeitdruck handelte, musste sie den ungeliebten Vertrag unterzeichnen. Und hoffte vergeblich auf die Einführung der Wertstofftonne, in die dann nicht nur der Grüne-Punkt-Müll, sondern alle recycelbare Produkte aus Metall und Kunststoff kommen.

Nachbarstädte wie Köln haben diese Art Tonne eingeführt. Gladbach kann, wenn der Gesetzgeber keine Zäsur macht und sie verlangt, erst 2019 einen neuen Vertrag abschließen. Insofern ist das Ergebnis der Online-Petition kein schlechtes Signal: Denn das ist ein Gradmesser, ob die Bürger sich mit großen Rolltonnen anfreunden können. Und dagegen gibt's auch kritische Stimmen. Viele Gladbacher, die in Mietwohnungen leben, wissen nicht, wo sie die gelben Tonnen unterbringen können. Für Feron ist das kein Argument: "Die Bewohner anderer Großstädte können das doch auch."

Quelle: RP
 
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