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Mönchengladbach
Eine inklusive Ausstellung zeigt außergewöhnliche Perspektiven

Mönchengladbach. Als Marzena Lewicka-Imam, genannt Menia, die Ausstellung im Foyer der NEW für eröffnet erklärt, ist deutlich spürbar, wie sehr ihr das Projekt am Herzen liegt. Mehrere Monate hat sie zusammen mit Ko-Kurator Bernhard Jansen an dem Konzept der inklusiven Ausstellung "akku c/o Linie Kunst" gearbeitet, die Werke von Künstlern mit und ohne Autismus zusammenführt und im Kontext der Neurodiversität präsentiert - neurologische Störungen wie Autismus als Resultat normaler genetischer Variation. Von Marei Vittinghoff

Jetzt steht Menia inmitten des Foyers, in dem es an allen Wänden, Säulen und Türen nur so von Kunst wimmelt. Ob Fotografien, groß- und kleinformatige Leinwände oder Skulpturen: Jede Kunstform findet ihren eigenen Platz im Gesamtsystem der 54 Kunstwerke. Denn eines ist klar: Wenn sich 29 Künstler zusammentun, dann treffen 29 Charaktere, Weltbilder und Arten der Gestaltung aufeinander. Wie viele der teilnehmenden Künstler die Diagnose Autismus erhalten haben, weiß Menia selbst nicht genau. Es ist ihr aber auch nicht wichtig: Die Kunst als solche soll im Mittelpunkt stehen - völlig losgelöst von Kategorien. Um diesen Anspruch in die Praxis umzusetzen, sind alle Werke namenlos ausgestellt. Lediglich eine Liste, die anhand von Nummerierungen Aufschluss über die Namen der Künstler gibt, liegt aus. An die Besucher der Ausstellung hat Menia eine Bitte: "Erst die Werke auf sich wirken lassen, und dann zur Liste greifen!"

Wer sich auf diese Art des Erlebens einlässt, findet schnell andere Wegweiser, die durch die Ausstellung führen. So ist es, neben inhaltlichen Verbindungen wie den Themen Licht und Testament, die Farbe Rot, die sich im wahrsten Sinne des Wortes als "roter Faden" durch die Gänge zieht. Ein Roller aus Holz, von der Künstlerin Ulle Krass mit Pusteblumen geschmückt, weckt Assoziationen aus der Kindheit - ebenso wie das Werk "Muttersau" von Menia, das eine Frau zeigt, die sich voller Urvertrauen an ein Schwein schmiegt. Spielerische Masken sowie mal melancholische, mal provokante Porträts werfen Fragen zum Thema Selbstdarstellung auf, während eine unglaublich detailreiche, visionäre Planetenlandschaft des Künstlers Stefan Wepil zur Entspannung in Traumwelten einlädt. Es sind außergewöhnliche Perspektiven, die der Betrachter gleichzeitig erhält und einnehmen muss.

Auf ihren Flyern warf die Ausstellung, die noch bis zur Finissage am 9. Juni zu sehen ist, im Vorfeld die Frage auf, ob eine Zuordnung der Werke zu Künstlern mit und ohne Autismus überhaupt möglich, geschweige denn notwendig ist. Wer sich die Ausstellung anschaut, wird diese Frage mit einem klaren "Nein" beantworten können. Denn sie ist in erster Linie eines: eine besondere Wertschätzung der Vielfalt des Wahrnehmens und Gestaltens.

Quelle: RP
 
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