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Mönchengladbach
Eine Junkers auf Jungfernflug

Mönchengladbach. Der Nachbau der legendären F 13 feierte in der Schweiz Premiere. Mit dabei waren auch Hugo Junkers' Enkel Bernd - und ein Astronaut. Von Jan Schnettler

Ulf Merbold hat Weltraumgeschichte geschrieben: Er war der zweite Deutsche im All, nach DDR-Kosmonaut Sigmund Jähn der erste aus der Bundesrepublik. Und er war der einzige Deutsche, der dreimal im Weltraum war. Aber in einer Junkers F 13, darin hat er noch nie gesessen. "Das sind ja Ikonen des Fliegens, und die Raumfahrt kam dann sehr viel später. Das ist aufgesetzt auf das, was die Pioniere wie Junkers vollbracht haben. Natürlich würde ich mich auch gerne da reinsetzen", sagte Merbold am Donnerstag auf dem schweizerischen Flugplatz Dübendorf nahe Zürich.

Dort wurde nämlich Luftfahrtgeschichte geschrieben: Zum allerersten Mal schwang sich, bejubelt von zahlreichen eingeladenen Gästen, eine nagelneue Junkers F 13 in die Lüfte und drehte bei bestem Spätsommerwette eine Runde unter anderem über den Greifensee. Das Take-off verlief schulbuchmäßig: Das Flugzeug rollte sachte an und hob nach 200 Metern vom Boden ab. Im Cockpit: Testpilot und Flugtestingenieur Oliver Bachmann sowie Dieter Morszeck, Chef des Kölner Kofferherstellers Rimowa. Dessen Leidenschaft für die Fliegerei ist es ganz maßgeblich zu verdanken, dass es 97 Jahre nach dem Erstflug des Originals 1919 erstmals seit Jahrzehnten wieder eine flugfähige F 13 gibt. Sie heißt "Annelise 2" - in Anlehnung an die Tatsache, dass der Rheydter Luftfahrtpionier Hugo Junkers seine ersten Flugzeuge nach seinen Töchtern benannt hatte. Die ursprüngliche "Annelise" hatte im September 1919 mit 6750 Metern Höhe einen Weltrekord aufgestellt. Da passte es natürlich bestens, dass auch Hugo Junkers' Enkel Bernd Junkers am Donnerstag beim Jungfernflug zugegen war. "Mir sind fast die Tränen gekommen, als ich das Flugzeug hier fliegen sah", sagte er anschließend. "Es war seit langer Zeit mein größter Traum, die F 13 am Himmel zu sehen. Heute ist es wahrgeworden. Es ist toll. Ein fantastischer Tag." Ähnlich ging es Hans-Walter Bender. Der 93-Jährige hatte 1929, mit sechs Jahren, einen für ihn unvergesslichen Rundflug mit einer F 13 absolviert und dürfte einer der letzten Zeitzeugen sein, die das von sich behaupten können. Jetzt konnte er den Nachbau aus nächster Nähe inspizieren.

"Das ist reine Fliegerei", sagte Pilot Bachmann. "Das ist eine andere Fliegerei, und das macht auch sehr viel Spaß." Keine Computer, kein Autopilot, nur analoge Anzeigen, ein offenes Cockpit - die neue F 13 wird genauso manuell geflogen wie die alte, auch wenn sie technisch natürlich etwas mehr unter der Haube hat. Damals, in den 1920ern, hatte sich das erste Ganzmetallflugzeug der zivilen Luftfahrt zur "Urmutter" der Verkehrsflugzeuge aufgeschwungen und wurde zugleich zum Vorläufer der Ju 52.

"Wir haben jetzt so lange daran gearbeitet, ich bin einfach stolz, dass wir heute so weit sind, dass wir damit fliegen können", sagte Dieter Morszeck. Für die Original-Konstruktionspläne war länderübergreifend mehrere Archive durchforstet worden. Sieben Jahre vergingen von der ersten Idee - die übrigens Bernd Huckenbeck, Vorsitzender des in Mönchengladbach ansässigen Vereins der Freunde historischer Luftfahrzeuge (VfL), hatte - bis zum Erstflug. Die Zulassung ist noch für 2016 geplant, die Maschine soll in Serienfertigung gehen. Als Kostenpunkt wurden einmal 2,2 Millionen Euro genannt.

Fotos und Zitate entstammen Filmmaterial der Korschenbroicher Produktionsfirma AH-TV, die eine Langzeit-Dokumentation über den F 13-Nachbau erstellt.

Quelle: RP
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