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Mensch Gladbach
Eine Reise durch unsere Köpfe - ohne Busfahrer

Mönchengladbach. In Zeiten des Terrors helfen nur drastische Maßnahmen: Der erste Vollpfosten, der heute behauptet, er habe im Stadion eine Bombe deponiert, muss zur Strafe in einem Flüchtlingsbus mit holländischem Fahrer eine Stadtrundfahrt machen, eine Anstalt öffentlichen Rechts gründen, mit Karl Sasserath über die Energiewende diskutieren und mit einem Spitzenhäubchen unter unseren Straßen Arsen suchen. So!

Meine Terror-Erfahrung beschränkt sich im Wesentlichen auf manchen Leser-Kommentar im Internet. Darum habe ich lieber jemanden gefragt, der sich mit so was von Berufs wegen deutlich besser auskennt als ich. Wir haben gemeinsam überlegt: Was müssten IS-Terroristen in Deutschland tun, was ähnlich öffentlichkeitswirksam wäre wie die Anschläge in Paris? Ich kann sie beruhigen: Der Weihnachtsmarkt in Rheydt, die Prinzenpaar-Proklamation und nicht einmal das Bundesligaspiel Borussia gegen Hannover kam in unseren Top Ten vor. Provinz kann unheimlich beruhigend sein. Aber das Perfide ist ja: Der Terror wirkt am heftigsten, wenn das Blut längst weggewischt ist. In unseren Köpfen.

Was in denen so vorgeht, ist ja sowieso abenteuerlich. Was genau mag der holländische Busfahrer gedacht haben, der gestern Nacht eine Ladung voller Flüchtlinge abholte und zum Minto kutschierte: Schickes Rathaus, das die Gladbacher da haben? Oder: Ganz schön fleißig diese Deutschen, dass die schon morgens um halb sechs Asylanträge abarbeiten? Oder doch nur: Kommt man diese Einkaufsstraße eigentlich auch mit Anhänger hoch? Ich habe großes Verständnis für Fehler, allein schon, weil ich jeden Tag einige mache. Und ich habe Respekt vor Menschen, die unter Zeitdruck viel zu bewältigen haben. Doch bei aller Liebe: Mir kann doch kein Mensch erklären, dass wir Deutschen die Unterbringung der Flüchtlinge gerade gut im Griff haben. Da stimmt doch schlicht und ergreifend der Prozess nicht. Und zwar im ganz Großen und im ganz Kleinen.

Ich weiß jetzt nicht, wie ich halbwegs elegant von klein auf Bernd Kuckels komme, darum ganz überleitungslos: Dass große Koalitionen nicht nur für Bürger, sondern auch für Kämmerer teuer sind, ist ja eine Binse. Nun langen CDU und SPD bei den Steuern also richtig zu. Das Argument geht so: Alle Steuern, die wir bisher eingesackt haben, sind leider nicht für das verwendet worden, für das sie gedacht waren: nämlich dem Bürger eine funktionierende Stadt zu bieten. Diesmal machen wir das anders. Das wär ja mal was!

Wenn Sie mir zu Weihnachten eine echte Freude machen wollen, dann schenken Sie mir was, was ich wegpuffern kann. So was wie das Kraftwerk Gekko. Memo an mich: In meinem nächsten Leben werde ich Erfinder von Kraftwerksnamen. Die NEW hat gerade einen zweistelligen Millionenbetrag für die missglückte Beteiligung an einem Kraftwerk einfach mal so weggepuffert, sagt sie. Stark! Wobei ich noch beeindruckender finde, dass Karl Sasserath schon 2007, als es um die Entscheidung für die Beteiligung an Gekko ging, als einziger wusste, was passieren würde: Fukushima. Energiewende. Atomkraft aus. Preise runter. Die ganze Branche landauf landab inklusive Mutti lagen völlig falsch. Aber Karl Sasserath hat es gewusst.

Was mich auf einen Gedanken bringt: Müsste man sich diese seherische Kraft nicht auch an anderer Stelle zunutze machen? Sasserath konnte doch zum Beispiel in seiner Glaskugel sehen, unter welchen unserer Straßen noch Arsen liegt. Und dem Rechtsamt vorher sagen, welche Prozesse sie sowieso verlieren wird. Oder er könnte holländischen Busfahrern den Weg weisen.

Bleiben Sie auf dem rechten Weg! Wenigstens dieses Wochenende!

Quelle: RP
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