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Mönchengladbach
Eine Stunksitzung im Frühsommer

Mönchengladbach: Eine Stunksitzung im Frühsommer
Bei dieser Nummer ("Holländer-Chor") erinnerte das Dreckelije Dutzend von Stunk-Unplugged in Regenkleidung an die drohende Überschwemmung des niederländischen Tieflandes. FOTO: Katharina Kugelmeier
Mönchengladbach. Mit Ovationen werden das Dreckelije Dutzend und Juffes Pig Band von Stunk-Unplugged im Wickrather Kunstwerk gefeiert. Die Sketche und musikalischen Darbietungen aus dem Programm "Best of 2017" haben hohes Qualitätsniveau. Von Katharina Kugelmeier

Nicht für Ärger, sondern für richtig gute Stimmung sorgte am Wochenende das "Dreckelije Dutzend" von Stunk-Unplugged im Kunstwerk Wickrath. Mit ihrem Programm Best of 2017 sorgte die Truppe dafür, dass die über 500 Besucher drei Stunden lang immer wieder in tosendes Gelächter ausbrachen. Neben politischem Kabarett und gekonnt verabreichten Sticheleien begeisterte wieder einmal auch die Livemusik, diesmal beigesteuert von "Juffes Pig Band".

Die Themen, welche die zwölf "amtierenden" und ehemaligen Stunker auf die Bühne brachten, waren ein Sammelsurium der letzen Jahrzehnte und hätten doch nicht aktueller sein können. Neben immer noch treffenden alten Schätzen blieb auch kein derzeit weltpolitisches oder gesellschaftliches Thema unangetastet. Durch den Abend führte gewohnt nüchtern, aber dafür umso schärfer auf den Punkt zielend der Kabarettist und ehemalige Präsident der Stunksitzung, Reiner Rübhausen.

Die Stunker selbst beschreiben ihr Kabarett als dreckig, vor allem in der Vergangenheit war es in der Tat oftmals grenzwertig und fernab des guten Geschmacks. Was die Stunker dieses Jahr auf die Bühne bringen, ist allerdings wieder hervorragend. Die Bundeswehr mit ihrer aktuellen "Rechts-Problematik", der Bio-Hype, Religionsirrsinn im Alltag, die Weltpolitik mit Trump, Putin und Erdogan als Hänneschen-Theater-Figuren, der Zusatzstoff-Wahnsinn in Lebensmitteln, Inklusion in Form von Dobrindt in der Politik, eine Prunksitzung in sechs Minuten und noch vieles mehr - es blieben einfach keine Lachwünsche offen.

Highlights waren ein Sketch im Bereich Bildung und ein Kölsch-Kurs für Anfänger. Der Sketch klärte über eine längst ausgestorben geglaubte und nun erschreckenderweise wieder verstärkt auftretende Spezies auf. Vorgestellt wurden hier unter anderem die "gemeine braune Dumpfbacke" und die "vulgäre, haarlose Pimmelbirne". Auch eine Lösung des Problems Rechtsextremismus wurde in den Raum gestellt - aber wir wollen hier doch nicht alles ausplaudern.

In einem Kölsch-Kurs für Anfänger war dann auch das Publikum gefragt, welches keinen Moment zögerte und sofort mitmachte. Mit einfachen, auf der englischen Sprache aufgebauten Sätzen wie "You ten more yen!" begonnen, steigerte man sich schnell zu einem gemeinsam geschmetterten Karnevals-Klassiker.

Vor allem die musikalische Leistung ist immer wieder aufs Neue eine absolute Sensation. Schon beim rockigen Intro weiß man sofort, da kommt Stunk. Die Musiker performen, ganz in ihren jeweiligen Rollen aufgehend, abgewandelte bekannte Songs wie "Zombie" von den "Cranberries" mit stunkigem Text zur Reichensteuer oder treten alle gemeinsam als Holländer-Chor auf. Das ganze Ensemble ist musikalisch absolut begnadet - in einem Sketch zum Thema "Oper to go" legte Martina Klinke die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts Zauberflöte in einer Qualität hin, die in mancher Opernaufführung ihresgleichen sucht.

Kurz überschattet wurde der Abend von einem Zwischenfall. Als nach der ersten halben Stunde eine Dame im Publikum mit Kreislaufproblemen und Schwindel zusammenbrach, wurde das Programm sofort unterbrochen, um der Hilfeleistung und Erstversorgung volle Aufmerksamkeit widmen zu können. Erst als die Kollabierte, mittlerweile wieder bei Bewusstsein und noch einen schönen Abend wünschend, mit dem Rettungswagen auf dem Weg ins Krankenhaus war, wurde das Programm fortgesetzt.

Krönender Abschluss eines rundum gelungenen Abends waren die verdienten Standing Ovations des gesamten Publikums mit tosendem Applaus. Es gab zwei musikalische Zugaben, bei denen einmal mehr das Publikum voll eingebunden wurde, welches sich gern beteiligte.

Quelle: RP
 
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