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Mönchengladbach
Eine Wand aus 1000 Gesichtern

Mönchengladbach: Eine Wand aus 1000 Gesichtern
Kunsthistorikerin Elke Backes, Künstler Carsten Sander mit dem Porträt von Heinz-Dietrich Genscher, Ulrich Bücker (Geschäftsführer des St.-Kamillus-Kolumbariums) und die Geschäftsführerin von bdmp-Architekten & Stadtplaner, Katja Mehring (v. li.), im Kolumbarium. Hinter ihnen die 1000 Porträts. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Ein Fotograf hat junge, alte, reiche, arme und berühmte Menschen abgelichtet. Die Bilder sind im St.-Kamillus-Kolumbarium zu sehen. Von Saskia Nothofer

So sehr man den Kopf auch in den Nacken legt - alle 1000 Gesichter, die derzeit im St.-Kamillus-Kolumbarium an der Wand hängen, sind nicht zu erkennen. Blickt man längere Zeit auf die Fotos, springen immer wieder Prominente ins Auge: die Schauspielerinnen Hannelore Elsner und Veronica Ferres, Fußballer wie Lukas Podolski und Roman Weidenfeller, Politiker wie Frank-Walter Steinmeier und Gregor Gysi. "Etwa 100 Prominente habe ich fotografiert", sagt der Künstler Carsten Sander. Sie alle hängen zwischen Gesichtern von unbekannten, ganz normalen Menschen: mal mit, mal ohne Brille, einige mit Hut, Kinder, Greise, Frauen mit Kopftuch, Ärzte in ihrer OP-Kleidung.

Die Ausstellung "Heimat. Deutschland - deine Gesichter" des Fotografen Carsten Sander, die ab heute im St.-Kamillus-Kolumbarium zu sehen ist, ist eine Premiere. Denn zum ersten Mal hat der Künstler seine 1000 Porträts in ihrer Gesamtheit aufgehängt. Zwar hingen einige seiner Werke auch schon in Berlin und Bonn an der Wand, dort waren es aber nur bis zu 650 Bilder, in anderen Formaten.

Mit der Idee, seine Fotos in einer ehemaligen Kirche und einer jetzigen Urnengrabstätte auszustellen, musste sich der Künstler erst einmal anfreunden. "Zunächst konnte ich nichts damit anfangen", so Sander. Doch je weiter das Projekt voranschritt, desto mehr begeisterte er sich für St. Kamillus. "Es ist der perfekte Ort", sagt der in Neuss geborene Fotograf. Normalerweise gucke er seine Bilder nicht mehr an, er kenne sie schließlich und nehme sie kaum mehr wahr. Im Kolumbarium an der Kamillianerstraße 40 sei das anders: "Der Ort ist wie magnetisch. Ich entdecke neue Dinge in meinen Arbeiten, betrachte sie intensiver. Das muss der spirituelle Raum sein."

Eine besondere Anordnung hat der Künstler für seine Fotos an der Wand des Kolumbariums nicht vorgesehen. "Das konnten die Handwerker entscheiden, die sie aufgehängt haben", so Sander. Eine Woche haben sie dafür gebraucht.

Katja Mehring, Geschäftsführerin von bdmp-Architekten & Stadtplaner, die für den Umbau der Kirche zum Kolumbarium verantwortlich ist, ist bei einer Ausstellung in Bonn auf Sander aufmerksam geworden. "Als ich seine Bilder gesehen habe, konnte ich mir direkt vorstellen, wie intensiv die Wirkung seiner Fotos im Kolumbarium sein würde", so Mehring. Denn die Architektur der Kirche und die Kunst Sanders hätten einige Gestaltunsmerkmale gemein. So falle etwa das Ordnungsraster ins Auge: "Das Gebäude und die Bilder haben beide eine ganz klare Symmetrie." Zudem spiele sowohl in der Architektur der Kirche als auch bei den Aufnahmen das Licht eine wichtige Rolle.

Fünf Jahre hat Sander benötigt, um die 1000 Fotos zu schießen. Auch den erst am 31. März verstorbenen Heinz-Dietrich Genscher konnte der Fotograf vor seine Linse locken. "Das Foto zu machen war eine Sache von nur fünf Minuten", so der Fotograf. "Dafür bin ich aber extra von Berlin nach Garmisch-Partenkirchen gereist", lacht er. Schwierigkeiten, Menschen für das Projekt zu gewinnen, habe er nie gehabt - auch nicht unter den Prominenten. Mit einer Ausnahme: Angela Merkel. "Die Bundeskanzlerin ist die Einzige, von der ich eine Absage bekommen habe", sagt Sander.

Zur Vernissage gestern Abend wurden auch einige der abgelichteten bekannten Gesichter, wie Hannelore Elsner, Christoph Metzelder oder Dorkas Kiefer erwartet. Die Ausstellung ist von heute bis zum 26. Juni zu sehen. Geöffnet ist sie täglich von 10 bis 17 Uhr.

Quelle: RP
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