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Mönchengladbach
Einen Dostojewski am Finger

Mönchengladbach: Einen Dostojewski am Finger
Die 84-jährige Bildhauerin Ewa Korpak-Olszewska stellt Krippenfiguren aus Keramik her. Seit zwölf Jahren verkauft sie diese auf dem Kunst- und Handwerkermarkt im Schloss Rheydt. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Das Dutzend ist voll: Zum zwölften Mal lockte der Kunst- und Handwerkermarkt ins Schloss Rheydt. Ausschließlich Handgefertigtes wurde von 72 Ausstellern angeboten. Nach Angaben der Museumsleitung besuchten fast 10.000 Menschen den adventlichen Markt. Von Garnet Manecke

Rheydt Ewa Korpak-Olszewska freut sich jedes Jahr auf den Nikolausmarkt "Kunst und Handwerk im Advent" auf Schloss Rheydt. Im zwölften Jahr ist die 84-Jährige nun dabei und gehört damit zu den wenigen der 72 Aussteller, die fast von Anfang an teilnehmen. "Es ist hier immer so eine nette Atmosphäre und alle lächeln, die hier hinkommen", fasst die Bildhauerin die Vorzüge des Weihnachtsmarkts zusammen.

An dem Lächeln der Besucher aber hat Ewa Korpak-Olszewska selbst großen Anteil. Mit ihren Krippenfiguren aus Keramik, die mit ihren Knopfaugen, Stupsnasen und offenem Lachen kindliche Züge haben, hat sie eine kleine Weihnachtswelt aufgebaut. "Dass ich solche Figuren mache, liegt an meiner Tochter", sagt die Künstlerin. "Seit 70 Jahren arbeite ich als Bildhauerin. Nach dem Krieg aber habe ich die schrecklichen Erlebnisse in meinen Arbeiten verarbeitet. Und als ich einmal so eine kleine Figur machte, sagte meine Tochter, ich solle weiter fröhliche Sachen herstellen."

"Der Besucherzuspruch war am Samstag etwas verhalten, aber am Sonntag strömten die Besucher nur so", freut sich Museumspädagoge Dr. Klaus Möhlenkamp angesichts der vollen Räume am zweiten Tag, durch die zwischenzeitlich kaum ein Durchkommen war. Zwischen 9000 und 10 000 Besuchern schätzt Möhlenkamp die Zahl. Auch die kleinen Veränderungen, die beim 13. Handwerkermarkt eingeführt wurden, seien positiv angenommen worden. "Wir haben uns wieder auf unsere ursprünglichen Wurzeln besonnen und mehr Wert auf das Handwerkliche als auf das Weihnachtliche gelegt", sagt Möhlenkamp. Nikolaus und Engel waren in diesem Jahr nicht mit von der Partie. Kulinarische Genüsse und außergewöhnliche Mode bildeten die beiden thematischen Schwerpunkte.

Mit Schmuck aus Buchseiten gibt Christine Rozina ihr Debüt. Ringe aus Mini-Seiten mit rotem Lesebändchen, Ketten aus in Lack laminierten Seiten, die aussehen wie Kieselsteine, Ohrringe und Armbänder präsentiert die Aachenerin. "Dafür nehme ich Bücher, die sonst entsorgt werden würden", erzählt Rozina. Von der Liebesschmonzette über Fachbücher bis hin zur Weltliteratur wird alles zu Schmuck gemacht. "Es kann durchaus sein, dass jemand dann einen Dostojewski am Finger trägt", sagt Rozina schmunzelnd.

Dass sie hier nichts verkaufen würde, hat Carmen Comanns gewusst, als sie den Weihnachtsbaum mit Anhängern in Form eines kleinen Knopfstiefels schmückte. "Ich brauche eine Woche, um so einen Maßschuh anzufertigen", sagt die Orthopädie-Schuhmachermeisterin, die ihr Label La Cordonnière präsentierte. "So ein Schuh ist eine Investition, für die ich Zeit mit dem Kunden haben muss." Aber in der gläsernen Vitrine zeigt Comanns, was machbar ist. Ihre Stiefel und Pumps fallen auf und lassen neue Schuh-Träume entstehen.

Quelle: RP
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