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Serie Denkanstoss
Einfach ein Kreuz machen

Serie Denkanstoss: Einfach ein Kreuz machen
FOTO: Shutterstock/ ShutterProductions
Mönchengladbach. Regionaldekan Ulrich Clancett ruft dazu auf, am 24. September den Bundestag zu wählen. Unter anderem deshalb, weil durch eine hohe Wahlbeteiligung extreme Parteien an den Rand gedrängt werden. Von Ulrich Clancett

Es ist schon ein Kreuz mit dem Kreuz... Dabei könnte es doch so einfach sein: Einfach ein Kreuz machen. Manche sprechen auch von einem "Kreuzchen" - so klein, wie es ist. Und trotzdem fällt es vielen Menschen in unserem Land schwer, eines zu machen. Sie wissen schon, worauf ich hinaus will? - Richtig: Der Countdown läuft, in zwei Wochen ist die Bundestagswahl. Manche können es kaum erwarten, vielen ist der Rummel um diesen Tag schon jetzt zuviel, manche machen schon jetzt ihrem Ärger Luft - weil das von ihnen gewünschte Ergebnis eh nicht zustande kommen wird. Obwohl - wer weiß das schon vor der Schließung der Wahllokale? Wählers Willen hat schon manchen Meinungsforscher kalt erwischt...

Was für uns oft genug lästig ist, darum haben Generationen vor uns gekämpft; Millionen Menschen (manche sprechen sogar von der Mehrzahl der Menschen auf diesem Globus) träumen von der Möglichkeit, in freier, gleicher und geheimer Wahl ihre Volksvertretung wählen zu können. Und schütteln um so unverständiger mit dem Kopf, wenn sie die Zahlen unserer Wahlbeteiligungen zur Kenntnis nehmen müssen. Dass hierzulande die Partei der Nicht-Wähler die größte Fraktion in fast allen Parlamenten stellt, können die Menschen einfach nicht verstehen, die von Diktatoren und antidemokratischen Despoten regiert werden. Und oft steckt dahinter eine pure Nachlässigkeit oder die angeblich gereifte Einsicht: Ich kann doch wählen, was ich will; die da oben tun ja doch, was sie wollen; darauf habe ich doch überhaupt keinen Einfluss. Mit meinem Kreuzchen schon gar nicht...

Deshalb möchte ich an dieser Stelle den Denkanstoß geben, es dennoch zu tun. Auch wenn dieses Gefühl der Ohnmacht zu regieren scheint, ist es wichtig, sich zumindest an diesen Wahlen zu beteiligen. Und wenn es nur darum geht, Extreme in unserer Volksvertretung zu verhindern. Das geht relativ einfach. Und auch wenn ich genau weiß, dass viele Menschen das kritisch sehen - ich möchte trotz allen Politik-Frustes dazu ermutigen, trotzdem zur Wahl zu gehen. Und wenn da nur ein leerer Zettel abgegeben wird oder einer mit einem ganz großen Kreuz über das ganze Blatt, so hilft das, die extremen Parteien an den Rändern weiter zurückzudrängen. Die Rechnung dahinter ist einfach: Durch meine Wahl-Teilnahme erhöhe ich die Wahlbeteiligung, während so der Anteil der extremen Parteien automatisch geringer wird.

Viel besser ist natürlich, sich für eine (demokratische) Partei zu entscheiden und deren Arbeit in Berlin so zu unterstützen. Das erfordert allerdings eine politische Meinungsbildung, zu der jetzt noch etwas Zeit ist, die es aber braucht. Das macht bisweilen etwas Mühe, lohnt sich aber. Jenseits allen Politik-Frustes einfach einmal auf Tuchfühlung mit den Kandidatinnen und Kandidaten gehen, die sich für die Wahlen zum Deutschen Bundestag zur Verfügung gestellt haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man mit denen alle reden kann. Ganz normal, von Mensch zu Mensch. Indem wir das tun, befolgen wir einen Tipp, den unter anderem der Apostel Paulus schon in seinen Briefen an die alten Christengemeinden gegeben hat indem er sinngemäß gesagt hat: Bleibt miteinander im Gespräch. Nehmt alles in den Blick - und dann entscheidet! Oder, wie es von ihm wörtlich im ersten Thessalonicherbrief heißt: Prüft alles - und behaltet das Gute!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen guten Endspurt für die letzten beiden Wahlkampfwochen. Und lassen Sie das Kreuz(chen) nicht zum Kreuz für sich und uns alle werden, indem Sie es nicht machen...

AUTOR ULRICH CLANCETT IST REGIONALDEKAN UND PFARRER IN JÜCHEN.

Quelle: RP
 
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