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Mensch Gladbach
Einfach mal ein bisschen happy sein

Mönchengladbach. Einbrecher, Sexualmörder, Raser - es passiert viel Schlechtes in dieser Stadt. Manchmal regnet es auch noch zu allem Übel! Mönchengladbach hat Dynamik, Kreativität, viele engagierte und erfolgreiche Menschen hervorgebracht. Ein Glas kann also halbleer, aber auch halbvoll sein. Von Denisa Richters

Vor einigen Tagen gab es vor einem Rotarier-Club in dieser Stadt (der einzige, der auch Frauen aufnimmt) einen Vortrag zu Hubertus Joseph Pilates. Es ist jener Mann, nach dessen Übungen sich weltweit Hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen dehnen, strecken und fit halten. Was die meisten nicht wissen: Pilates wurde in Mönchengladbach geboren, als kränklicher Sohn eines Schlossergesellen, arbeitete als Brauereigehilfe und entwickelte bereits als Jugendlicher Übungen, die noch zu seinen Lebzeiten - er starb mit 83 Jahren in New York - um die Welt gingen.

Warum, so fragte die Referentin, werde er in seiner Geburtsstadt nicht gewürdigt, weshalb werde nicht über solche Menschen berichtet, sondern bevorzugt über Negatives. Nun, selbstverständlich war Pilates schon oft Thema - in großen Artikeln, bei international besetzten Konferenzen, am Dicken Turm an der Waldhausener Straße erinnert sogar eine Gedenkplatte an den Mann. Interessant aber ist doch, dass sich offenbar niemand so richtig daran erinnert.

Das Negative bleibt eben leichter im Gedächtnis. Einbrecher, Raser, Sexualmörder, Dauerregen - es gibt viele Dinge, über die man sich aufregen kann, die in schlechter Erinnerung bleiben und ein düsteres Bild von dieser Stadt zeichnen. Mindestens so oft kann man über engagierte Bürger, erfolgreiche Persönlichkeiten und Unternehmer lesen und hören, über die Kreativität und Dynamik, die seit einiger Zeit sehr deutlich in Mönchengladbach zu spüren ist, über den Zusammenhalt in den Stadtteilen und Honschaften, über Helfer und Retter, die Initiativen für mehr Sauberkeit, das ausgezeichnete und so besondere Museum am Abteiberg, über die Erfolge der Borussia, die alten und sehr besonderen Bäume im Bunten Garten und den besonderen Geist, der durch die Straßen und Gassen weht.

Das Glas ist eben halbvoll oder halbleer - alles eine Frage der Perspektive. Also, lassen Sie uns einfach gemeinsam ein bisschen happy sein: Die Tour de France war mit rund 500.000 Euro teuer, aber im Vergleich zu den Kosten in Düsseldorf (bis zu 17 Millionen Euro), ein Schnäppchen mit doch recht ansehnlichem Marketingwert. Es gibt viele Leerstände an manchen Ecken der Stadt - die geben aber auch Raum für Kreativität und Experimente.

Die Schere zwischen Arm und Reich klafft auseinander - aber beides ist in fast jedem Stadtteil zu finden. Man lebt zusammen, nicht separiert wie in anderen Städte, und das ist gesund für eine Gesellschaft. Ja, viele Einbrüche gibt es - das aber vor allem wegen der vielen Autobahnen. Doch die vernetzen Mönchengladbach auch so gut mit dem Rest der Welt. Mörder, Straftäter, Perverse, Raser und andere Menschen, die nichts Gutes im Schild führen, finden Sie in der ganzen Welt. Und ja: Wir werden auch darüber weiter berichten. Die Borussia spielt in der kommenden Saison nicht mehr europäisch, vielleicht hat sie dadurch aber die Kraft, wieder höhere Ränge in der Bundesliga zu erklimmen.

Außerdem hat Gladbach wunderbare Schlösser, viel Natur und Grün, tolle Freiluft-Konzerte, ein kreatives Theater und viele tolle Menschen. Und wenn Sie sich das nächste Mal über den Regen aufregen: In Mönchengladbach scheint viel öfter die Sonne als zum Beispiel in Düsseldorf, das haben wir selbst empirisch beobachtet. In diesem Sinne: Ein rosarotes Wochenende!

Quelle: RP
 
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