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Mönchengladbach
Eingepflanzt per Baukran

Olivenbaum in luftiger Höhe eingepflanzt
Mönchengladbach. Seit gestern steht ein 3400 Kilogramm schwerer Olivenbaum auf dem Dach des Quartiers B. Kühlen. Ein 40 Tonnen schwerer Kran war nötig, um den 750 Jahre alten Baum dort zu platzieren. Eine logistische Meisterleistung in drei Akten. Von Tim Specks

Mit Baustellen ist es manchmal wie mit Orchester-Konzerten. Damit das Ergebnis stimmt, muss alles passen: jeder Protagonist muss sein Instrument beherrschen, jeder Einsatz muss zur rechten Zeit kommen und am Ende gibt es einen, der alle Einzelteile zu einem perfekten Gesamtkunstwerk zusammenfügt.

Was beim Orchester der Dirigent ist, das war gestern auf dem Gelände des Quartier B. Kühlen Stefan Tolksdorf. Der Garten- und Landschaftsbauer platzierte einen 3400 Kilogramm schweren Olivenbaum auf dem Dach des Gebäudes. Eine Baustellen-Sinfonie in drei Akten.

Erster Akt

Auf dem Dach der dritten Etage des Quartiers steht Stefan Tolksdorf, am Boden ein 40 Tonnen schwerer Baukran. Baustellen-Dirigent Tolksdorf gibt dem Kranführer, sozusagen seinem Konzertmeister, per Funkgerät präzise Anweisungen. Bevor der rund 750 Jahre alte Olivenbaum auf dem Dach eingepflanzt werden kann, müssen per Kran drei schwere Stahlplatten als Fundament gelegt werden, um die Last des Baums zu verteilen.

Es ist kalt dort oben auf dem Dach, es weht ein zugiger Wind. Im Hintergrund fressen sich Betonsägen durch Steine. Stefan Tolksdorf bleibt davon unbeeindruckt. Behutsam greift er mit einer Hand nach der ersten vom Kran hinab hängenden Platte, lenkt den Arm des Baukrans per Funkspruch und platziert die Platte auf dem Boden. Zwei weitere folgen. Klemmende Scharniere oder das ständige Auf und Ab vom Eingang bis in den dritten Stock können Dirigent Tolksdorf nicht aus der Ruhe bringen. Der Mann weiß genau, was er tut. Der erste Akt der Dachbepflanzung ist gelungen.

Zweiter Akt

Nachdem das Fundament liegt, hievt der Baukran große, weiße Behälter in die Luft. Sie sind gefüllt mit Lavasubstrat und Säcken voller Mutterboden. Als der erste Behälter knapp zwei Meter über dem Dach hängt, schlitzt Stefan Tolksdorf ihn auf. Das Substrat rieselt auf den Boden, der Landschaftsbauer vermischt es mit dem Mutterboden und verteilt das Gemisch gleichmäßig auf dem Dach. In den Lavamulch soll später die restliche Begrünung des Dachs eingepflanzt werden. Dazu kommen anderthalb Tonnen Schieferplatten als Verzierung. "Es wird dann aussehen, als stünde der Baum an einem Hang im Süden", erklärt Stefan Tolksdorf.

Dritter Akt

Der Baustellen-Dirigent ist bereit für das große Finale. Um den Olivenbaum ist eine blaue Schlinge gelegt, der Kran hebt ihn in die Höhe, lässt ihn über dem Dach schweben. "Ich habe den Baum selbst in Spanien ausgesucht und verladen lassen", sagt Stefan Tolksdorf. Vor drei Wochen wurde er mit rund 25 weiteren, kleineren Exemplaren angeliefert. Quartier-Bauherr Stefan Hamacher hat italienische Vorfahren, er will ein südliches Ambiente auf dem Quartierdach schaffen.

Tolksdorf gibt dem Kranführer erneut Anweisungen, Schritt für Schritt wird der Baum abgelassen. Später wird noch eine Heizung für den Baum eingebaut. "Das ist ein flexibles Kabel mit 150 Watt Heizleistung", sagt Tolksdorf. Ab minus vier Grad Celsius schaltet sich die Heizung ein. "Das Lavasubstrat hilft dann durch die Lufteinschlüsse bei der Isolierung." Insgesamt 4500 Kilogramm des Lavamulchs werden um den Baum verteilt. Kurz bevor der Baum seine endgültige Position erreicht hat, wird deutlich: Es hängen sogar noch Oliven in der Krone. Da der Baum später von kleineren, rund 150 Jahre alten Exemplaren umgeben sein wird, wird er auch dann Früchte tragen.

Tolksdorf gibt letzte Anweisungen, bis der Baum steht. Zufall oder nicht - in diesem Moment reißt der Himmel auf und die Sonne kommt zum Vorschein. Die Sinfonie ist vollendet.

Quelle: RP
 
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