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Mönchengladbach
Enttäuschung und Glück, nah beieinander

Mönchengladbach: Enttäuschung und Glück, nah beieinander
Auch Harfenistin Sophia Hanne spielte am Sonntag im Carl-Orff-Saal der Mönchengladbacher Musikschule vor. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Zwölf junge Musiker bewarben sich in der entscheidenden Runde von "Bühne frei" um das Privileg, im Städtischen Sinfoniekonzert zu spielen. Erstmals waren Angehörige und Zuhörer zugelassen. Von Heide Oehmen

Auch in dieser Konzertsaison - und inzwischen zum fünften Mal - hatte Generalmusikdirektor (GMD) Mihkel Kütson junge Musiker eingeladen, sich in Wertungsspielen zu qualifizieren, um im letzten Sinfoniekonzert Anfang Juli mit den Niederrheinischen Sinfonikern zu musizieren. Diesmal waren Streicher im Alter von acht bis 14 Jahren (solistisch oder im Ensemble) und Harfenisten von acht bis 16 Jahren angesprochen.

Zum ersten Mal waren Angehörige und weitere Zuhörer zum Wertungsspiel zugelassen, und dieses fand nicht wie sonst im Konzertsaal des Theaters statt, sondern in der angenehmen Atmosphäre des Carl-Orff-Saales der Musikschule. Angesichts des recht frühen Beginns am Sonntagmorgen um 10.15 Uhr fanden jedoch nur wenige Interessierte den Weg zur Musikschule - weitgehend bestand das Auditorium aus Eltern, Lehrern und Angehörigen.

Mihkel Kütson stand der Jury vor, der vier Mitglieder der "Niederrheiner" angehörten: die Geigerin Ingrid Popp, der Bratschist Richard Weitz, die Cellistin Kathleen Chase-Roberts und die Harfenistin Stella Farina. Ohne Ausnahme wirkten die jungen Nachwuchskünstler ruhig und gelöst, auch die Eltern wirkten recht gelassen und schienen ihre Sprösslinge nicht unter Druck zu setzen - das sah in den vergangenen Jahren auch schon mal anders aus. So breitete sich insgesamt eine angenehme Atmosphäre aus, was den Wettbewerbsteilnehmern zu Gute kam und durch die ruhige Art Kütsons noch unterstrichen wurde.

Die Leistungen der einzigen Harfenistin, die es in die zweite Runde geschafft hatte, und der elf Geigerinnen und Geiger, von denen fünf solistisch und die Übrigen im Ensemble spielten, waren allesamt sehr gut bis ausgezeichnet, so dass die Jury nicht zu beneiden war.

Schließlich wurden drei Solisten und ein Trio von der Jury ausgewählt. Großer Jubel und Tränen der Enttäuschung lagen da nahe beieinander.

Einer der Gewinner ist der achtjährige Raphael Gisbertz aus Niederkrüchten, der mit einer technisch erstklassigen und musikalisch ausgereiften Wiedergabe des "Frühlings" aus Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" begeisterte. Raphael, der seit gut zwei Jahren Geige spielt und als Hobby Fußballspielen angibt, ist seit anderthalb Jahren Schüler von Ernest Frissen an der Kreismusikschule Heinsberg und besucht die dritte Klasse der Ganztagsschule in Wassenberg. "Ab sechs Uhr morgens übt er freiwillig, nicht nur die vom Lehrer vorgegebenen Werke, sondern auch Improvisatorisches", erzählt seine Mutter. "Wenn wir ihn nicht drängen würden aufzuhören, käme er stets zu spät in die Schule."

Neben Raphael Gisbertz, der sein "Lieblingsstück", den "Frühling" von Vivaldi, auch im Konzert spielen wird, werden am Donnerstag, 6. Juli, in der Kaiser-Friedrich-Halle und am Freitag, 7. Juli, im Seidenweberhaus in Krefeld zu hören sein: die 14-jährige Eva Otto - Schülerin von Emir Imerov, dem Stimmführer der zweiten Geigen bei den "Niederrheinern" - mit den halsbrecherisch schweren "Zigeunerweisen" von Pablo de Sarasate sowie der aus Aachen stammende Till Stümke. Auch er erst acht Jahre jung, wagt sich bereits an die anspruchsvolle Rhapsodie Nr.1 von Béla Bartók.

Außerdem erleben die Konzertbesucher ein Geigentrio, das den ersten Satz des Konzertes für drei Violinen D-Dur von Johann Sebastian Bach interpretieren wird: Die zwölfjährige Susanna Marski aus Rees, Oskar Iseke (10) und Paula Wilkes (9) - letztere sind Schüler an der Mönchengladbacher Musikschule bei Michalina Knull-Mausen.

Quelle: RP
 
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