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Mönchengladbach
Erfahrungen mit Schock-Bildern

Mönchengladbach: Erfahrungen mit Schock-Bildern
Bilder wie dieses erinnern auf grausame Weise an die tödlichen Gefahren im Straßenverkehr. Hier starb Mitte Oktober ein 38-Jähriger an der Peter-Krall-Straße. FOTO: Theo Titz
Mönchengladbach. Seit fünf Jahren werden Schüler in Mönchengladbach mit grausamen Unfall-Aufnahmen konfrontiert, um sie für den Verkehr zu sensibilisieren. Auch bei Polizisten, Seelsorgern, Rettern und Lehrern erzielen die Szenen Wirkung. Von Julia Zuew

Die Stille ist beklemmend, als das Licht angeht. Die Bilder von zertrümmertem Blech, verdrehten Gliedmaßen und Blut haben Spuren in den Köpfen der Betrachter hinterlassen. Auch wenn nicht die eigentliche Zielgruppe des Crash-Kurs NRW im Raum am Mönchengladbacher Flughafen sitzt - seine Wirkung hat das gezeigte Video mit Unfallszenen nicht verfehlt. "Man kann auch in den Veranstaltungen mit den Jugendlichen nach dem Film eine Stecknadel fallen hören", sagt Achim Hendrix. Er ist Polizei-Hauptkommissar und moderiert das Treffen, an dem Mitwirkende aus Feuerwehr und Rettungsdienst, Seelsorge, Schulen und Polizei zusammenkommen. Sie sprechen über das Projekt, tauschen ihre Erfahrungen aus.

Seit 2011 findet der Crash-Kurs in Mönchengladbach statt. Das NRW-Verkehrsministerium und die Polizei sensibilisieren seit einigen Jahren landesweit junge Fahranfänger mit dieser Präventionskampagne. Dabei werden Teilnehmer mit schockierenden Unfallszenen konfrontiert "Die Risikogruppe, die wir ansprechen, sind junge Fahrer im Alter von 16 bis 24 Jahren", sagt Polizeioberrat Dirk Hoff. Er ist als Leiter der Direktion Verkehr beteiligt an der Aktionsreihe, die Jugendliche zu mehr Achtsamkeit und Rücksicht am Steuer bewegen soll. "Wir sind im Straßenverkehr keine besonders unsichere Stadt - aber auch nicht sonderlich sicher, es gibt genug Luft nach oben", betont Hoff. Im vergangenen Jahr wurden 9599 Verkehrsunfälle von der Polizei aufgenommen. 201 davon mit Schwerstverletzten, in den vergangenen drei Monaten vier davon tödlich.

Das Crash-Kurs-Team mit Polizeipräsident Mathis Wiesselmann (4.v.r.) im Mönchengladbacher Flughafen. FOTO: Jörg Knappe

Viele Schüler steigen bereits früh in den motorisierten Verkehr ein. Nicht nur als Fahrer eines Rollers oder Autos, sondern auch als Beifahrer. Aus diesem Grund richtet die Polizei mittlerweile ihre Veranstaltungen auch an zehnte und elfte Klassen, nicht nur Abiturjahrgänge: "So können Schüler dann auch als Beifahrer 'lass das sein' sagen, oder 'ich fahre nicht mit', wenn sich der Fahrer nicht richtig verhält", sagt Hauptkommissar Bernard Cremer.

Die Bilder gehen in der Regel nicht spurlos an den jugendlichen Teilnehmern vorbei, sagt Hendrix. Zumal die Bilder aus Mönchengladbach stammen - aus bekannter Umgebung, nicht von weit weg auf fremden Straßen. Meistens sind Gleichaltrige zu sehen, die leblos auf der Fahrbahn liegen. Manchmal mit einem Tuch abgedeckt, auf anderen Fotos aber nur mit unkenntlich gemachtem Gesicht. Die vom Unfall gezeichneten Körper bleiben anonym, bieten aber trotzdem ein schockierendes Bild. Deshalb gebe es bei jeder Veranstaltung einen Raum, wo Seelsorger mit den Schülern das Gesehene besprechen.

"Die Schüler sollen nicht nur geschockt werden", sagt Anke Hollkott vom Berufskolleg am Platz der Republik. "Es ist wichtig, dass sie es verarbeiten können und aus den Bildern lernen." Am Berufskolleg habe sie "überwiegend mit Jungs zu tun", sagt Hollkott. Sie ist an der Schule zuständig für Crash-Kurs NRW. "Da haben wir zu Beginn oft mit einer ablehnenden Haltung gegenüber der Veranstaltung zu tun." Doch dies ändere sich bei anwesenden Schülern schnell: "Auch diese Schüler trifft der Anblick der Bilder dann." In den Schulen berichten außerdem Unfallopfer und Angehörige von ihren Erfahrungen.

Es wird darauf geachtet, dass keine Schüler in die Veranstaltung kommen, die Vorbelastet sind: "Manche haben im persönlichen Umfeld Unfälle erlebt, auch Todesfälle in der Familie", sagt Sabine Lowis von der Maria-Lenssen-Schule. Per Elternschreiben soll sichergestellt werden, dass niemand mit den Bildern konfrontiert wird, dem es nicht zumutbar ist.

Quelle: RP
 
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