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Olympische Spiele Und Mönchengladbach
Erfüllte Hoffnungen und geplatzte Träume

Olympische Spiele Und Mönchengladbach: Erfüllte Hoffnungen und geplatzte Träume
Großer Bahnhof für die Olympiasieger Wolfgang Strödter und Uli Vos (rechts) 1972 beim Gladbacher HTC. FOTO: Werner Tressat
Mönchengladbach. Olympia - das große Ziel. 35 Sportler, die aus Mönchengladbach stammen, für einen Verein angetreten sind oder heute hier wohnen, haben es erreicht, dazu vier als Trainer. Fünf Gladbacher sind nun in Rio dabei. Geplatzt ist der große Traum der Stadt, Hockey-Spielort 2012 zu werden. Von O. E. Schütz

Vier Goldmedaillen, sechsmal Silber, fünfmal Bronze: Das haben Mönchengladbacher bei Olympischen Spielen geholt. Sportler, die hier leben, gelebt haben oder für einen Verein der Stadt angetreten sind. 35 waren bisher dabei, fünf weitere sind jetzt in Rio de Janeiro.

Die erste Medaille gab es vor 80 Jahren: 1936 in Berlin, Silber für Carl Menke - ein Mann aus der Sportart, in der es alle vier Goldmedaillen für Mönchengladbach gab: Hockey. Jan-Marco Montag gewann 2008 die bislang letzte. Dazu gab es in Peking noch Bronze für die Fußballerin Lira Bajramaj und den Judoka Andreas Tölzer. Uli Vos, Wolfgang Strödter und Micky Hilgers waren die drei Gladbacher, die vor Jan-Marco Montag "Gold" geholt haben.

Vier Zentimeter fehlten Renate Junker 1960 zur Bronzemedaille. FOTO: homü

"Olympische Spiele - das ist das Größte", sagt Borussias Fußballprofi Uwe Kamps, der 1988 in Seoul mit dem Nationaltem Bronze gewonnen hat. Hockeyspieler Uli Vos hat für Olympia 1968 sogar ein Vertragsangebot als Fußballer bei Borussia sausenlassen: Die Spiele waren ihm damals wichtiger. Dreimal war er bei "Olympia" dabei, 1972 gewann er die Goldmedaille.

Fast alle Sportler träumen von olympischem Ruhm. Heinz Busche hat sogar vier Anläufe unternommen, bis er seinen Traum endlich verwirklichte. In München 1972 war der Venner als Stabhochspringer nicht dabei - ein Muskelfaserriss. 1976 hatte er als 100-Meter-Läufer die Qualifikation für Montreal gewonnen - und wurde dennoch nicht mitgenommen. "Bundestrainer Klamma setzte auf seine Leute aus Wattenscheid. Jahre später hat er zugegeben, dass das nicht in Ordnung war", sagt Busche. Ähnliches hatte er 1976 schon einmal erlebt - nach einem radikalen Wechsel der Sportart, von der Leichtathletik zum Bobfahren: Zu den Winterspielen in Innsbruck setzte man statt auf Manfred Schumann und Heinz Busche ("Wir waren weltweit die Schnellsten") auf die Ohlstädter um den späteren Bundestrainer Wolfgang Zimmer. Aber dann klappte es doch noch: 1980 war Heinz Busche bei den Winterspielen in Lake Placid dabei. Dort platzte aber sein Medaillentraum: Der Königsseer Peter Hell und Busche waren Favoriten auf olympisches Gold. "Doch dann gingen Peter im Rennen die Nerven durch", erzählt Busche. "Platz acht statt Gold - eine einzige Enttäuschung."

Als Leichtathlet wurde Heinz Busche übergangen, im Bob war er dabei - und hatte Pech. FOTO: Imago

Talent, jahrelanges hartes Training, eisernen Willen: Dies braucht ein Sportler, um das Ziel Olympische Spiele zu erreichen. Manchmal aber langt es doch nicht, obwohl alles zu stimmen scheint, wie einige Mönchengladbacher erlebten. Stefan Korsten und Ute Neubert von der SSV Rheydt zum Beispiel. Der Kunstspringer wurde 1976, obwohl er beide Qualifikationen gewonnen hatte, nicht nach Montreal geschickt. 1980 kamen der Afghanistan-Krieg und in der Folge der Boykott der Spiele in Moskau. Wieder hatte Stefan Korsten Pech. Wie die Schwimmerin Ute Neubert, die 1980 in Moskau fünfmal hätte starten sollen. "Sie waren schon komplett eingekleidet, da haben sie im Fernsehen von der Abstimmung erfahren", sagt Inge Neubert, Mutter der im 2015 im Alter von nur 54 Jahren gestorbenen ehemaligen Spitzensportlerin.

Herbert Barendt, ein weiterer Aktiver der "Rheydter Springerschule", hatte Pech. 1957 aus Leipzig in den Westen gekommen, wurde er bei den Ausscheidungen mit der DDR für die gesamtdeutsche Mannschaft von den Ost-Funktionären ausgebremst. 1968 schaffte er es aber doch- als Trainer des Düsseldorfers Bernd Wucherpfennig.

Auch die Stadt Mönchengladbach hatte einen ganz großen Traum von Olympia: 2012 sollte hier das olympische Hockeyturnier der Spiele sein - wenn die Bewerbung der Region Düsseldorf-Rhein-Ruhr vm Nationalen (NOK) und letztlich dann auch vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) angenommen würde. Düsseldorfs Oberbürgermeister Joachim Erwin hatte 2000 die Idee gehabt, die Spiele zu holen. Hockey-Olympiasieger Micky Hilgers und Stadtdirektor Wolfgang Rombey brachten das - noch in der Planung befindliche - Hockeystadion ins Spiel, das für Europa einen neuen Maßstab setzen würde. Und die Stadt schaffte es, Mönchengladbach als olympische Hockey-Spielstätte für die Bewerbung der Region durchzusetzen.

Die Bewerbung kam, doch der Traum platzte: Im April 2003 entschied sich das NOK, mit Leipzig ins Rennen beim IOC zu gehen, statt Hamburg, Düsseldorf-Rhein-Ruhr, Stuttgart oder Frankfurt-Rhein-Main. Und am Ende fiel beim IOC dann Leipzig grandios durch - die Spiele 2012 gingen nach London.

Mönchengladbachs Traum war aus. Was blieb, war die Unterstützung Michael Vespers (damals NRW-"Sportminister", heute Vorstands-Vorsitzender des Deutschen Olympischen Sport-Bundes) für den Bau der Gladbacher Hockey-Arena mit einem Landeszuschuss von mehr als fünf Millionen Euro. Es kamen eine großartige Hockey-WM 2006 im neuen Stadion mit Deutschland als Weltmeister, Champions-Trophy-Endrunden und die Hockey-Europameisterschaft für Männer und Frauen 2011. Der Deutsche Hockey-Bund hat seinen Sitz seither in Mönchengladbach. Hockey wird allerdings nur noch selten im einstigen Hockey-Park gespielt, der stattdessen als "Sparkassen-Park" mit Konzerten namhafter Musiker im vergangenen Jahr 130.000 Besucher anlockte. 2015 wurde der einmillionste begrüßt - Tendenz weiter steigend.

Quelle: RP
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