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Mönchengladbach
Erlebe es mit Kinderaugen

Mönchengladbach: Erlebe es mit Kinderaugen
Die Studentinnen Maureen Bünger, Jasmin Pischke, Hanna Zenke und Dilan Boybay präsentierten zusammen mit Polizeihauptkommissar Erwin Hansch-mann das Auto, das Erwachsene zu Kindern werden lässt. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Im Straßenverkehr werden täglich mehr Menschen verletzt als durch Gewalttaten. Deshalb versucht die Polizei, das Thema durch Präventionsprojekte mehr ins Blickfeld zu rücken. Die neueste Aktion macht Erwachsene ganz klein. Von Gabi Peters

Erwin Hanschmann, Verkehrssicherheitsberater bei der Mönchengladbacher Polizei, ist 1,75 Meter groß und damit Prototyp für das neue Projekt. Seine Nasenspitze reicht gerade einmal an die Motorhaube des neuen Polizei-Vorführ-Autos. Stünde das Fahrzeug am Straßenrand könnte Hanschmann den fließenden Verkehr nicht oder nur eingeschränkt sehen. Genau so erleben es Kinder mit einer Größe von einem Meter.

Studentinnen der Hochschule Niederrhein vom Fachbereich Textil- und Bekleidungswesen haben zusammen mit der Polizei ein neues Verkehrssicherheitskonzept erarbeitet. Es trägt den Namen: "Erlebe es mit Kinderaugen". Gestern wurde es im städtischen Familienzentrum an der Mühlenstraße in Rheydt zusammen mit Polizeipräsident Mathis Wiesselmann vorgestellt. Hier informiert Polizeihauptkommissar Erwin Hanschmann bereits seit Jahrzehnten interessierte Eltern, wie man Kinder an den Straßenverkehr heranführt. Mit dem neuen feuerroten Polizei-Vorführ-Auto im XXL-Format werden Erwachsene ganz klein und bekommen ein Gefühl dafür, wie ihre Kinder den Straßenverkehr erleben. Genau das war die Aufgabe der Studentinnen, die für ihre Arbeit von ihrer Dozentin Prof. Ute Detering-Koll eine glatte 1,0 bekamen. Sie kreierten ein großes Auto, das noch eine weitere Anforderung als Großformat erfüllen musste: "Es musste leicht handhabbar und gut zu verstauen sein", wie Polizeioberrat Dirk Hoff berichtete. Denn das Auto wird ab sofort zu Anschauungszwecken in Schulen und Kindergärten transportiert, um Eltern ein Gefühl für die Sichtweise ihrer Kinder zu geben. "Wir haben schon ganz viele Anfragen", sagt Hanschmann, der auch die Idee zu dem Projekt hatte. Er erklärt: "Da wir immer mehr mit Eltern zu tun haben, die kein oder nur wenig Deutsch können, hilft uns das Auto uns sehr."

Vier Monate haben die Studentinnen an dem Projekt gearbeitet. Das von ihnen entworfene Auto ist 2,80 Meter hoch, 2,50 Meter lang und 1,50 Meter breit. Die Außenhaut besteht aus wasserabweisendem Wachstuch, damit das Auto auch auf Schulhöfen "geparkt" werden kann. Und aufgebaut wird das faltbare Fahrzeug auf zeltähnlichen Stangen.

Es ist bereits das dritte Projekt in Zusammenarbeit von Polizei und Hochschule. 2012 wurde der "Alternator" entwickelt, ein Anzug, der junge Menschen in 60 Sekunden auf 80 Jahre altern lässt, weil der die Bewegung, das Seh- und Hörvermögen einschränkt. 2014 kreierten Studentinnen tragbare Warnkleidung für modebewusste Senioren. Bisher, so Dirk Hoff, haben alle Mönchengladbacher Projekte auch über die Stadtgrenzen hinaus viel Anerkennung gefunden. Der "Alternator", ein einmaliger Anzug, werde oft von anderen Behörden zu Anschauungszwecken ausgeliehen. Und auch die reflektierende Modekollektion aus Mönchengladbach wird 2016 unter anderem in Münster bei einer Veranstaltung mit dem Verkehrsminister präsentiert.

Quelle: RP
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