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Mönchengladbach
Ugur. S ist schon der dritte festgenommene Terror-Unterstützer

Erneut Islamist aus Rheydt festgenommen
Hier wohnte der Islamist Mustafa C., der von SEK-Beamten festgenommen wurde. Die Generalbundesanwaltschaft hält ihn für dringend verdächtig, eine Kampfausbildung für den militanten Dschihad durchlaufen zu haben. FOTO: Reichartz,Hans-Peter (hpr)
Mönchengladbach. Ugur S., ein Salafist aus Rheydt, wollte sich gerade in die Türkei absetzen, als die Einsatzkräfte zugriffen. Der 29-Jährige ist der dritte Mönchengladbacher, der festgenommen wurde, weil er im Verdacht steht, den militanten Dschihad zu unterstützen. Von Gabi Peters

Ugur S. (29), Mustafa C. (26) und Mohammad Sobhan A. (39) - sie alle kommen aus Mönchengladbach, alle gehören zur salafistischen Szene, und sie alle wurden festgenommen, weil sie eine Terrorgruppe in Syrien unterstützt haben sollen. Nicht ausgeschlossen ist, dass noch mehr mutmaßliche Dschihadisten in der Stadt leben. Die Polizei sagt nichts dazu. Staatsschützer ermitteln in der Regel verdeckt. Dennoch zeigt sich, dass die radikalen Salafisten nicht mit der Auflösung des islamistischen Vereins "Einladung zum Paradies" aus Mönchengladbach verschwunden sind.

Ugur S. ist der dritte Festgenommene. Wie jetzt bekannt gegeben wurde, sitzt er seit vergangenen Mittwoch in Untersuchungshaft. Der Zugriff auf den 29-Jährigen erfolgte am Düsseldorfer Flughafen. Der Mann wollte sich gerade in die Türkei absetzen. Gegen ihn läuft ein Ermittlungsverfahren wegen "Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat". Konkrete Hinweise auf die Vorbereitung eines Anschlags in Deutschland liegen laut Polizei derzeit zwar nicht vor, aber es gebe Hinweise, dass sich der Mann im Umgang mit Waffen schulen ließ.

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Die hiesigen Staatsschützer kennen Ugur S. schon aus den Zeiten, als der Verein "Einladung zum Paradies" aktiv war und in Eicken eine Islamschule errichten wollte. Der 29-Jährige gehörte zum engen Umfeld des damaligen Vorsitzenden Sven Lau (34).

Ugur S. stand seit Monaten unter Beobachtung der Staatsschützer. Er soll sich zwischen Juli 2014 und Ende September 2014 in Syrien an Kampfhandlungen beteiligt haben. Gegen Ugur S. wurde ein Ausreiseverbot verhängt. Dennoch plante er, in die Türkei zu fliegen. Laut Polizei wollte er sich dadurch dem Zugriff der Ermittlungsbehörden entziehen. Weil es zudem noch neue Beweismittel gab, die belegten, dass der 29-Jährige in Syrien eine Terrorgruppe unterstützte, wurde beim Amtsgericht Düsseldorf ein Haftbefehl beantragt. Wie die Ermittler mitteilten, ließ sich Ugur S. am vergangenen Mittwoch widerstandslos festnehmen.

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Ugur S. wohnte nicht weit entfernt von Mustafa C, der im Januar durch SEK-Kräfte in seiner Wohnung in Rheydt festgenommen wurde. Auch Mustafa C. soll sich an einer ausländischen terroristischen Vereinigung beteiligt und eine staatsgefährdende Gewalttat vorbereitet haben. Die Generalbundesanwaltschaft hält Mustafa C. für dringend verdächtig, eine Kampfausbildung für den militanten Dschihad durchlaufen und anschließend logistische Aufgaben, wie den Transport von Verpflegung an die Frontlinie, übernommen zu haben. Außerdem soll er für die Propaganda innerhalb seiner Kampfgruppe zuständig gewesen sein.

Mohammad Sobhan A. wurde im November 2013 auf einem Rasthof an der A 8 Richtung München festgenommen. Er wollte zusammen mit einem Salafisten aus Stuttgart nach Syrien ausreisen. Im Gepäck: Geräte zur Unterstützung von Terrorgruppen wie Nachtsichtgeräte, Tarnanzüge und Medikamente. Mohammad Sobhan A. ist mittlerweile verurteilt. Weil er eine IS-nahe Terrorgruppe in Syrien unterstützte, muss er für zwei Jahre und neun Monate in Haft.

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Auch Sven Lau saß wegen Terrorverdachts schon einmal in Untersuchungshaft. Seine Erfahrungen dort hat er in einem Buch verarbeitet. Der 34-Jährige wurde zwar wieder frei gelassen, aber ausreisen darf er nicht. Die Stadt Mönchengladbach behielt seinen Reisepass ein, beschränkte die Gültigkeit seines Personalausweises auf Deutschland. Sven Lau klagte dagegen, verlor aber vor dem Düsseldorfer Verwaltungsgericht. Begründung: Der Kläger bewege sich in einem Kreis gewaltbereiter Salafisten, und es bestehe die Gefahr, dass er sich im Ausland an Gewalttaten beteilige.

Quelle: RP