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Serie Genuss Aus Gladbach (3)
Esser kriegt es gebacken

Serie Genuss Aus Gladbach (3): Esser kriegt es gebacken
FOTO: Knappe Joerg
Mönchengladbach. Die Buchholzer Confiserie mit angegliedertem Café beliefert Hussel und die Rewe-Zentrale - aber auch nach wie vor viele Wochenmärkte. Mit Erfolg: Die Fertigung wird noch einmal ausgebaut. Von Jan Schnettler

Des einen Leid ist desselben Freud. Das Sprichwort kennen Sie anders? Dann waren Sie noch nie in Buchholz. Dort hat die Confiserie Esser vor ziemlich genau einem Jahr direkt neben der Produktion eine zuvor leerstehende Dorfgaststätte in ein schickes Café mit Fabrikverkauf verwandelt. "Das Gebäude gehörte mir, wir fanden aber keinen Pächter mehr", sagt Mitgesellschafterin Sabina Esser. "Und über ein Café hatten wir schon länger nachgedacht, hatten aber nie genug Platz." Also wurde aus der berühmten Not eine ziemlich duftende Tugend gemacht. "Das Café ist eine nette Begleiterscheinung für die Kunden", sagt Esser. Und die kämen dafür tatsächlich aus ganz Deutschland in die kleine Honschaft westlich von Wickrath. "Einige rufen jetzt schon an, wann wir vor Weihnachten wieder sonntags öffnen, und planen ihre Familienausflüge entsprechend." Besonders schön sei es, wenn "diejenigen, die früher als Kinder auf dem Markt ein Plätzchen bekommen haben, jetzt mit ihren eigenen Kindern kommen".

Das sagt ziemlich viel aus über das traditionsreiche Familienunternehmen, das vollständig unter "Esser Konfekt- und Feingebäckherstellung" firmiert. 1969, mit dem Kauf der alten Buchholzer Schule, begann Firmengründer Jürgen Esser, der auch heute mit 69 Jahren noch sein Know-how mit einbringt, mit der eigenen Produktion von Plätzchen und Pralinen. Angefangen hatte er als Marktbeschicker - und das hat das Unternehmen bis heute nicht drangegeben. Auch wenn es seit gut einem Jahr zum Beispiel auch einen Online-Shop gibt. "Noch sind die Umsätze nicht weiter erwähnenswert, aber sie wachsen stetig", sagt Essers Tochter Sabina. "Das Internet wird der Wochenmarkt von morgen sein."

Gefertigt wird noch immer nach den oft selbst entwickelten Originalrezepturen. Die Rohstoffe würden teilweise direkt vom Hersteller bezogen, beispielsweise die Haselnüsse aus der Türkei, sagt Sabina Esser. Was die einzelnen Produkte angeht, hätten sich die Geschmäcker in all den Jahren nicht groß verändert: Klassiker wie das S-Edelbutterspritzgebäck blieben immer en vogue. "Das müssen wir in der Vorweihnachtszeit auf drei Öfen herstellen - sonst kriegen wir es sprichwörtlich nicht gebacken." Aber das Drumherum, in Form von Verpackungen, Geschenkdosen und Aufbereitung, das sei einem stetigen Wandel unterzogen.

Im stetigen Wandel - und Wachstum - ist auch die Fertigung. 1997 wurde neu gebaut, 2003 folgte ein Anbau, 2009 wurden die Produktionsflächen fast verdoppelt. In Kürze steht ein weiterer Ausbau von 2900 auf dann 3600 Quadratmeter bevor. Dann ist aber auch sprichwörtlich "Ende im Gelände". Schon heute werden Esser-Produkte über Einzelhändler, Handelsketten und Versandhäuser in alle Welt geschickt - an die Rewe-Zentrale etwa, ebenso an die Confiserie Hussel. Der Umsatz ist auf 4,5 Millionen Euro gewachsen ("Wir hoffen, dieses Jahr die fünf Millionen zu knacken", sagt Sabina Esser), die Zahl der Mitarbeiter saisonbedingt auf bis zu 50. In der Hauptsaison - von August bis Mitte Dezember - verlassen täglich bis zu sechs Tonnen Gebäck das Werk an der Laurentiusstraße.

Produziert wird nur auftragsbezogen, ein nennenswertes Lager gibt es nicht. Sollte das Geschäft weiter anziehen, müsste irgendwann eine Dependance dazukommen. Man habe ein Gewerbegrundstück in Rath-Anhoven, "wir wollen aber unbedingt hierbleiben. Wir sind sehr ortsgebunden, und wir hängen an Buchholz", sagt Sabina Esser. Und stellt im selben Atemzug klar: Seine Wurzeln werde das Unternehmen nie vergessen. "Wir bleiben ein Nischenlieferant." Die große Konkurrenz rechne hauptsächlich in Paletten oder Tonnen - "wir auch künftig in Kartons oder Kilos".

www.esser-feingebaeck.de, Laurentiusstraße 55-57, Telefon: 02166 54389

Quelle: RP
 
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