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Mönchengladbach
Ettls Reiterstandbild als Mahnmal

Mönchengladbach: Ettls Reiterstandbild als Mahnmal
Die Plastik nach einem Entwurf Georg Ettls ist ein Mahnmal in Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Nicht weit von einem Gräberfeld auf dem Hauptfriedhof, das an getötete Zwangsarbeiter erinnert, ragt ein Stahlpferd als Plastik in den Himmel. Es ist ein Mahnmal für die Opfer der NS-Justiz. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Legionen von Reiterstandbildern stehen in den Städten und auf den Plätzen dieser Welt. Sie erinnern heroisch, unübersehbar und allzu oft unreflektiert an geschlagene Schlachten und denkwürdige Anführer. Am Samstag wurde nun ein "Reiterstandbild" der besonderen Art in einer festlichen und emotionalen Zeremonie vor großem Publikum der Öffentlichkeit übergeben. Es steht auf dem städtischen Hauptfriedhof - ein Reiterstandbild ohne Reiter und massivem Sockel. Ein Mahnmal. Gefertigt nach einem Entwurf des Künstlers Georg Ettl.

Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners dankte dem in Viersen lebenden Architekten Professor Heinz Döhmen, 1927 geboren, der der Stadt Mönchengladbach das Denkmal geschenkt hat. Dieses Mahnmal, so erläuterte Reiners, sei den Opfern der nationalsozialistischen Militärjustiz gewidmet, einer Justiz, die diejenigen verfolgte, die sich dem Wahnsinn des Krieges widersetzten. Diese Opfergruppe ins Bewusstsein zu holen, sei Idee des Mahnmals. Auch Mönchengladbacher Bürger seien Opfer der Justiz geworden, so Reiners.

Weit spannte er den Bogen des Gedenkens von den Opfern aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges zu den Flüchtlingen unserer Zeit. Das Mahnmal sei eine symbolische Rehabilitierung der NS-Opfer, deren Verurteilungen erst vor 15 Jahren rechtlich aufgehoben wurde - eine unfassbare Vorstellung. Reiners drückte die Hoffnung aus, dass das Mahnmal von Ettl eine Diskussion über die Opfer und ihre Bedeutung für uns heute in Gang setzen könne und den Wunsch, dass Schüler es besuchen werden. Der Erinnerungskultur werde in Mönchengladbach eine neue Facette hinzugefügt.

Nicht weit vom Gräberfeld in Erinnerung an 90 getötete Zwangsarbeiter auf dem Hauptfriedhof ragt hoch in den Himmel ein Stahlpferd, ein rötliches, flächiges Pferd - mehr als eine dreidimensionale Plastik. Ohne Reiter scheint es über den Wipfeln der Bäume in Richtung Ausgang zu fliehen. Das Pferd ist in Ettls typischem Stil gearbeitet: sehr minimalistisch, zurückgenommen auf wesentliche Merkmale.

Unter ihm ein goldenes, vegetabiles Kapitell und weit unter ihm am Boden: ein Steinhaufen als eine besondere Form des Sockels. Und davor: eine Platte mit Worten von Bertolt Brecht aus der "Deutschen Kriegsfibel": "So haben wir ihn an die Wand gestellt, Mensch unsresgleichen, einer Mutter Sohn. Ihn umzubringen und damit die Welt es wisse, machten wir ein Bild danach."

Heinz Döhmen erinnerte in einer bewegenden Ansprache an eigene Kriegserlebnisse, an erlittenes Unrecht, er berichtete von seiner Flucht und der ständigen Angst vor Entdeckung und Verhaftung. Er erlebte zwar nicht die eigene Verurteilung, aber die seines Schuldirektors, des Kaplans, von Freunden. Er erlebte den Brand der Synagoge in Mönchengladbach. Seine Vergangenheit, so Döhmen, finde ihren Sinn darin, das, was ihm möglich sei, zu tun, um an das Unrecht zu erinnern. Das Pferd, so Döhmen, sei auch Symbol für die in sinnlosen Kriegen abgeschlachteten Tiere, der Steinhaufen lasse an das Grab für den Ungeist der Richter der nationalsozialistischen Zeit denken.

Die Plastik ist nach einem Entwurf seines Freundes, des 2014 verstorbenen Künstlers Georg Ettl gearbeitet worden (Ausführung durch Arpad Safranek, Viersen). Dieser wird sowohl als Mönchengladbacher Künstler (er war einer der ersten, die ein Atelier im Künstlerhaus Steinmetzstraße bezogen) als auch als Viersener Künstler betrachtet, wo er Jahrzehnte als Lehrer und Künstler tätig war und lebte. In beiden Städten hat er deutliche Spuren seiner Kunst in Form von Plastiken und Wandgemälden hinterlassen.

Quelle: RP
 
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