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Porträt Phoniater Dr. Wolfgang Lambeck
Experte für Stimmlippen und Stimmbänder

Porträt Phoniater Dr. Wolfgang Lambeck: Experte für Stimmlippen und Stimmbänder
Phoniater Dr. Wolfgang Lambeck vor einem Monitor, der den Blick auf den Kehlkopf eines neunjährigen Jungen ermöglicht. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Dr. Wolfgang Lambeck ist einer von wenigen Fachärzten für Phoniatrie. Er behandelt heisere, näselnde oder knödelige Stimmen. Von Dirk Richerdt

Opernsänger, Schauspieler, Hörfunksprecher, Moderatoren, Lehrer - Menschen, die von Berufs wegen auf eine intakte, klangvolle, stabil tragende Stimme angewiesen sind, machen eine wichtige Gruppe seiner Patienten aus. "Manchmal sind Adenoide, also Polypen im Rachen, oder geschwollene Schleimhaut im Nasenraum ursächlich für eine gestörte stimmliche Harmonie", sagt Dr. Wolfgang Lambeck. Und zeigt am Praxis-Monitor ein Video, in dem er winzige "Schreiknötchen" an den Stimmlippen eines neunjährigen Jungen dokumentiert. Der 52-jährige HNO-Arzt mit Spezialausbildung zum Phoniater berät auch junge Lehramtskandidaten, wenn diese über eine rasch überlastete Stimme klagen. "Dann mache ich eine Stimmfeldanalyse, wobei ich die Proportionen von Sprech-, Ruf- und Singstimme des Patienten untersuche", nennt Lambeck ein Beispiel. Die "Fortekurve" der Singstimme sollte mit der entsprechenden Kurve der Rufstimme übereinstimmen. "Wenn jemand eine physiologisch zu kleine Stimme hat, muss man therapeutisch eingreifen", sagt er. Das kann zum Beispiel durch Übungen geschehen, die Lambeck auch im kollegialen Austausch mit Logopäden oder Stimmbildnern durchführen lässt.

Der Spezialist studierte an Universitätskliniken in Witten-Herdecke, Gießen und Datteln, bevor er seine Dissertation an der Uniklinik Tübingen über Hörstörungen verfasste. An der Uniklinik Regensburg hat Lambeck später Vorträge über Schluck- und Stimmstörungen gehalten und darüber Studien veröffentlicht. Manchmal muss er in seiner Gladbacher Praxis auch ambulant operieren. Aber oft geht es auch ohne OP. Ein Beispiel: "Ein Tenor, sogar im Heldentenorfach zu Hause, hatte die physiologische Besonderheit, dass seine beiden Stimmlippen nicht gleich lang waren, das ergab als Symptom Heiserkeit. Glücklicherweise konnte dem Künstler durch spezielle Übungen geholfen werden", berichtet Lambeck. Wobei der Phoniater sogleich anfügt: "Es kann bei einem Sänger ratsam sein, ihm nicht immer alle Details des Untersuchungsbefundes mitzuteilen. Denn die Stimmqualität ist stark abhängig von psychischen Komponenten. Nicht ohne Grund haben Stimme und Stimmung den gleichen Wortstamm." So verändere sich bei Menschen, die an einer Depression leiden, dadurch auch der Stimmklang, die Stimme werde brüchig, unstet, freudlos. Lambeck: "Eine Stimme wird von Anderen unschwer als euphorisch, fröhlich, traurig oder auch verbittert wahrgenommen."

Wichtig ist dem Arzt, die von Laien gern ausschließlich auf die Stimmbänder gerichtete Aufmerksamkeit umzulenken. "Stimmbänder werden oft mit Stimmlippen verwechselt. Das Stimmband ist ein rein mechanisches, eher starres Schwingelement, es sitzt auf einem Muskel in der Stimmlippe. Wenn dieser Muskel seine Funktion verliert oder gar gelähmt ist, kann das Stimmband dagegen nichts ausrichten." Dann muss möglicherweise die Stimmlippe mit Hyaluronsäure unterspritzt werden.

Ein Phoniater muss sich auch noch ernsthafteren Beschwerden widmen. So leiden Menschen nach einem Schlaganfall nicht selten unter Schluckstörungen. Da muss mit einem Endoskop genauestens der Zustand des Kehlkopfes, der Stimmritze und der Stimmlippen untersucht werden. Manchmal hat ein bestimmter Nerv ursächlich bewirkt, dass der Schluckreflex verlorengegangen ist. Auch in solchen Fällen müsse nicht immer operiert werden, betont Dr. Lambeck. Ein Logopäde könne in vielen Fällen dem Patienten helfen, das richtige Schlucken wieder neu zu lernen.

Der Phoniater Lambeck ist zugleich Pädaudiologe. "Dabei rückt der ganze Bereich des kindlichen Hörens, aber auch die Sprachentwicklung bei Kindern in den Fokus", sagt der Arzt. Ungünstige Veränderungen könnten etwa die Mundmotorik betreffen, wenn ein Kind sehr lange gewohnheitsmäßig Daumen gelutscht hat.

Quelle: RP
 
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