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Mönchengladbach
Fall Daniel D.: Klärt sich das Motiv?

Chronik: Der Fall Daniel D.
Chronik: Der Fall Daniel D.
Mönchengladbach. Der wegen Totschlags zu zehn Jahren Haft verurteilte Ex-Sportlehrer steht heute in Wuppertal wegen gefälschter Studienbescheinigungen vor Gericht. Von Julia Hagenacker

Vielleicht kommt die Wahrheit heute doch noch ans Licht, beim Prozess vor dem Wuppertaler Landgericht. Die Familie des vor zwei Jahren getöteten Daniel D. hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. "Auf juristische Gerechtigkeit warten wir nicht mehr", sagt Klaus D. "Daniel ist tot, den bringt uns kein Prozess der Welt zurück. Aber das Wissen, dass der Täter schweigen darf und bis heute im Gefängnis sitzt, ohne sich mit dem, was er getan hat, ernsthaft auseinanderzusetzen, ist unerträglich."

Ein Brief, den sein Neffe im September 2015 aus der Haft an seine Ex-Freundin geschrieben hat, beweise, wie "dieser Mensch" ticke, sagt Klaus D. und zitiert: "Unter anderem heißt es hier: ,Wenn das nicht passiert wäre, hätte ich mich wohl selbst umgebracht, ich war wirklich am Tiefpunkt. Ich dachte, ich bin 28, habe das mit dem Studium nicht geschafft und dass mein Leben vorbei wäre'." Klaus D. sagt, für ihn klinge das wie ein fehlendes Puzzleteil: "Daniel ist hinter die Studienlüge seines Cousins gekommen." Die Familie D. glaubt, dass ihr Sohn und Neffe starke Komplexe hatte, dass er befürchtete, seine damalige Freundin zu verlieren und dass Daniel D. deshalb sterben musste. Beweisen lies sich das bislang nicht. Vor dem Landgericht Düsseldorf, das den 29-Jährigen zu zehn Jahren Haft verurteilt hat, gab der Korschenbroicher lediglich zu, für den Tod seines Cousins "verantwortlich zu sein".

Fall Daniel D.: das Urteil FOTO: dpa, mbk cul

Heute geht es in Wuppertal vor Gericht um gefälschte Studienbescheinigungen. Der 29-Jährige, der als Aushilfslehrer am Willicher St.-Bernhard-Gymnasium arbeitete, studierte Sport und Geschichte auf Lehramt. Letzteres allerdings nicht erfolgreich. Er soll sich gefälschte Studienbescheinigungen erschlichen haben. Eine Dozentin der Universität Wuppertal hatte sie ihm gegen Sex beschafft. Dabei, so der Wuppertaler Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert, sei die Initiative eindeutig vom Angeklagten ausgegangen. Die Dozentin, sagt der Staatsanwalt, habe sich von ihrem Studenten umgarnen lassen, Bescheinigungen ausgestellt und dann an das zuständige Landesprüfungsamt übersandt. Der Angeklagte soll vorgehabt haben, sich auf diesem Weg seine Zulassung zum Examen zu erschleichen. Offenbar war er auch in den Besitz intimer Fotos gelangt. Für Klaus D. ist das keine Überraschung: ",Lug und Betrug haben mein Leben geprägt, und ich hab alles anderes einfach ausgeblendet'", zitiert er einen weiteren Teil aus dem Brief seines Neffen. Im Falle einer Verurteilung wegen Anstiftung zur Falschbeurkundung im Amt drohen dem 29-Jährigen bis zu fünf Jahre Haft.

Quelle: RP
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