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Mönchengladbach
Feine Herbe - frech, witzig, überraschend

Mönchengladbach: Feine Herbe - frech, witzig, überraschend
Die sieben Jungs sind die Feinen Herben. Die Männergruppe tritt nicht nur in Gottesdiensten auf, sie singt auch ein eigenes "Glaubensbekenntnis", undogmatisch und nachdenklich. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Die siebenköpfige Männergruppe hat sich mit ihren Liedern einen Namen in der Stadt gemacht. Derzeit arbeitet die Band an einem bösen Lied. Es geht um das Thema Gendern. Am 14. April geben die Feinen Herben ein Benefizkonzert. Von Angela Rietdorf

"Wir müssen uns das noch stärker zum eigenen Lied machen", sagt Christian Bauer selbstkritisch nach der ersten Probe des Chansons "Lenartowice". "Ich habe es bestimmt siebenundsiebzig Mal auf dem Weg zur Arbeit gehört", sagt Waldemar Glomb, der mit seinem Einsatz noch nicht so ganz zufrieden ist. Die Feinen Herben stellen hohe Ansprüche an sich selbst und ihren Auftritt. Die Zuhörerin, die bei der Welturaufführung von "Lenartowice" dabei ist, ist von der Performance der siebenköpfigen Gruppe schon sehr angetan. "Lenartowice" ist ein wunderschönes, ein wenig trauriges Lied, das von Heimat und Heimatverlust erzählt. Ein Song aus der Feder von Christian Bauer, der alle Lieder der Gruppe Feine Herbe geschrieben hat.

Die Feinen Herben gibt es seit gut vierzehn Jahren. Entstanden ist die Gesangsgruppe aus einem Freundeskreis, der sich regelmäßig einmal im Monat zum "Essen, Trinken und Quatschen" trifft, wie es Hans Oehmen formuliert. Irgendwann hat man begonnen, auch miteinander zu singen, ist dann vom Covern existierender Songs abgerückt und hat inzwischen ein Repertoire von fünfzig eigenen Liedern entwickelt. Der Name Feine Herbe ist Programm, aber es waren auch andere Bezeichnungen angedacht. "Wir haben auch über ,Feinripp' diskutiert", sagt Mike Fasolo lachend. "Aber das hätte andere Assoziationen ausgelöst."

Die sieben Mitglieder haben sich mit ihren Auftritten - ausschließlich bei Benefizkonzerten oder auch in der "Männer-Messe" - einen Namen in der Stadt ersungen. Ihre Lieder sind frech, nachdenklich, witzig, überraschend, frisch. Auch persönlich? "Nein, sie sind nie persönlich", sagt Christian Bauer, kreativer Kopf der Gruppe. "Sie gehen von persönlichen Erfahrungen aus, weiten sich aber ins Allgemeine." So wie bei "Lenartowice". Das Lied handelt vom polnischen Heimatdorf des Feinen Herben Waldemar Glomb. Aber es handelt eben auch vom Verlust der Heimat. "Das Gefühl kennt eigentlich jeder, selbst der, der nie weggegangen ist, begreift den Verlust", sagt Bauer. Genauso wenig muss man den konkreten Anlass von "Manchmal könnte ich dich" ("Spannungen in der Männergruppe", meint der Texter grinsend) kennen, um sich vom Text angesprochen zu fühlen. Die Männergruppe tritt nicht nur in Gottesdiensten auf, sie singt auch ein eigenes "Glaubensbekenntnis", undogmatisch und nachdenklich. Dazu stehen sie alle, aber über einen neuen Song wird noch diskutiert. "Jugend musiziert" beschäftigt sich kritisch mit dem gleichnamigen Wettbewerb und ist noch etwas umstritten. Andere Themen wiederum liegen in der Luft und man spürt, dass hier eine ausgeuferte Debatte gewaltig an den Nerven gezerrt hat. "Das ist ein böses Lied", kündigt Bauer den Beitrag zum Thema Gendern an. "Ihr müsst singen wie ein Knabenchor mit Unschuldsblick und zarten Stimmchen." Und dann singen sieben Männerstimmen: "Ich hab meinen Penis gegendert. Mein Penis ist jetzt eine Penisin."

Die Feinen Herben treten am Samstag, 14. April, um 20 Uhr im Carl-Orff-Saal der Musikschule an der Lüpertzender Straße auf. Es ist ein Benefizkonzert zugunsten von Amnesty International und der Aktion Friedensdorf, bei dem der Eintritt frei ist und um Spenden gebeten wird. Deswegen gibt es auch keine Karten im Vorverkauf. Nur frühes Erscheinen sichert gute Plätze, von denen 199 zur Verfügung stehen.

Quelle: RP
 
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