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Mönchengladbach
Ferien auf der Wache

Mönchengladbach: Ferien auf der Wache
Zwei Wochen lang dauert der Ferienspaß der Polizei Mönchengladbach. 26 Kinder nehmen in diesem Jahr teil, auf dem Programm stehen Aktionen wie Kajak-Fahren oder Schwimmen. Gestern ging es aber erst einmal zum gemeinsamen Müll-Sammeln. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Die Polizei macht ihren Mitarbeitern ein ganz besonderes Angebot: Zwei Wochen lang können Kinder den Ferienspaß der Behörde nutzen. Das Programm reicht vom Paddeln auf der Niers bis zum Besuch der Fliegerstaffel. Von Ludwig Krause

Im Gänsemarsch geht es über den Bürgersteig der Straße Am Geerstacker. Eigentlich sollten die Nachwuchs-Müllsammler bis zu einem stillgelegten Bahngelände kommen, jetzt schwärmen sie aber schon auf dem Gehweg aus, um Zigarettenstummel, Papierschnipsel und Plastiktüten in die mitgebrachten Müllsäcke zu stopfen. Hochkonzentriert, natürlich: So einfach ist es schließlich nicht, die Schnipsel mit dem Greifarm vom Boden aufzuheben. Da geraten die Anweisungen der Betreuer schon mal in den Hintergrund. Die haben unterdessen alle Hände voll zu tun, die wuselige Gruppe zum Ziel des Ausflugs zu lotsen. Kurzum: Ein kleines buntes Chaos, das sich am Polizeipräsidium von Mönchengladbach abspielt. Eines, für das 26 Elternpaare im Dienst in diesen Wochen wohl ziemlich dankbar sind.

Der Polizeialltag ist nicht immer b angenehm. Das endet bei Einsätzen, die kein anderer machen möchte, beginnt aber schon bei alltäglichen Problemen wie Arbeitszeiten fernab jeder Öffnungs- und Betreuungszeiten von Kinder-Angeboten. "Wenn ein Ferienspaß um 9 Uhr beginnt, der Frühdienst aber schon um 6.30 Uhr, dann muss man sich etwas für die Zeit dazwischen einfallen lassen", sagt Ingrid Oellers, Gleichstellungsbeauftragte der Polizei Mönchengladbach. Bürger in Uniform haben natürlich auch Kinder - und die wollen gerade in den Sommerferien unterhalten werden. "Darum haben wir unser Projekt im Jahr 2009 ins Leben gerufen", sagt Oellers. Zwei Wochen lang kann der Nachwuchs am Ferienspaß der Polizei teilnehmen. "Am Anfang war nur rund ein Dutzend Kinder dabei. Mittlerweile müssen wir Obergrenzen ziehen, weil wir so viele Anfragen bekommen", sagt die Organisatorin. Im vergangenen Jahr waren alle Plätze belegt, da war die Ausschreibung gerade mal zehn Minuten im Polizei-Intranet veröffentlicht.

In diesem Jahr nehmen 26 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren teil, sieben davon zum ersten Mal. Es sind Kinder wie Lars Ole. Sein Vater ist bei der Polizei, für ihn ist es schon das dritte Mal beim Ferienspaß. Wer sich das Freizeitprogramm auf der Wache so langweilig vorstellt, wie den Besuch bei den Eltern einen Tag lang im Büro, der kennt die Polizei schlecht. Morgens wird zusammen gefrühstückt, dann beginnt das Programm. So oft wie möglich draußen. "Anders als bei anderen Betreuungen machen wir fast jeden Tag einen Ausflug", sagt der Elfjährige. Auch weil jedes Jahr ein anderes Thema gewählt wird, wie Yvonne Ewelt, die den Ferienspaß gemeinsam mit Ingrid Oellers organisiert, sagt. Im vergangenen Jahr haben sie die Stadt Mönchengladbach in den Mittelpunkt gerückt. Dann ging es ins Theater, zur Stadtführung oder Wasserschutzpolizei. "Wir versuchen auch immer eine Station mit Kollegen einzubauen", sagt Ewelt. In diesem Jahr steht alles unter dem Motto "Wasser". Die Gruppe geht dafür zum Schwimmen oder Kajak-Fahren auf der Niers. Bei einem Ausflug werden zumindest Jan Oles Augen besonders groß. "Morgen geht es zur Fliegerstaffel nach Düsseldorf", sagt er. "Da freue ich mich am meisten drauf."

Jetzt hat er aber erst einmal etwas anderes vor: Seine etwas zu großen Handschuhe und die Zange in der Hand verraten es: Die GEM ist zu Besuch am Präsidium, hat den Kindern etwas über Müllvermeidung und Müllsammeln erzählt, dem Grundwasser zuliebe. Nun geht es gemeinsam über die Straßen. Und weil aus dem öffentlichen Aufräumen ganz schnell ein Spiel wird, sind alle im Pulk dabei. Zwar nicht ganz ein Besuch bei der Fliegerstaffel - aber der steht ja auch noch an.

Quelle: RP
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