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Hohe Belastung und unbesetzte Stellen
Mönchengladbacher Feuerwehr in Not

Feuerwehr in Mönchengladbach findet keinen Nachwuchs
Sie gehen für viele durchs Feuer, doch jetzt fühlen sich viele selber in Not. Feuerwehrleute klagen über Personalmangel und hohe Arbeitsbelastung. FOTO: Theo Titz
Mönchengladbach. Unbesetzte Stellen, überarbeitete Kräfte, hoher Krankenstand. Feuerwehrleute in Mönchengladbach schlagen Alarm, weil die Belastung zu hoch ist. Viele schieben bis zu 900 Überstunden vor sich her. Von Gabi Peters

Die Kräfte der Feuerwehr müssen immer häufiger ausrücken - alleine im vergangenen Jahr rund 50.000-mal. Zum Vergleich: Vor vier Jahren waren es noch 20 Prozent weniger Einsätze. Um der immensen Steigerung des Arbeitsaufkommens Rechnung zu tragen, wurden von der Stadt zwar neue Stellen bei der Berufsfeuerwehr eingerichtet, die konnten aber bislang zum großen Teil noch nicht besetzt werden. Die Folge: In der Berufsfeuerwehr wächst der Unmut. Viele fühlen sich überarbeitet und im Stich gelassen. "Vor allem die Kräfte im mittleren Dienst schieben enorm viele Überstunden vor sich her. Manche haben bis zu 900 auf ihrem Konto", sagt ein Feuerwehrmann, der anonym bleiben will. Durch die Dauerbelastung seien schon viele Kollegen krank geworden. "Manchmal stehen morgens nur wenige Leute in der Reihe, und ein ganzes Löschfahrzeug kann nicht mehr besetzt werden."

Kräfte, die eigentlich für den Löschdienst eingeteilt wären, würden oft auf den Rettungswagen verschlissen, berichtet der Feuerwehrmann. Dort fahre man innerhalb der 24-Stunden-Schicht etwa 15 bis 19 Einsätze. Wenn man bedenke, dass jeder dieser Einsätze im Schnitt eine Stunde dauere, dann werde schnell klar, dass Pausen, Essen oder eine Ruhezeit am Abend kaum noch möglich seien. Die Stimmung sei mittlerweile so schlecht, dass sich schon mehr als 30 Kräfte wegbewerben möchten. Zumal auch die Bezahlung in anderen Städten oft besser sei.

Stadt will Problem lösen

In der Mönchengladbacher Verwaltung ist das Problem der personellen Unterbesetzung bekannt. Und man setze alles daran, dies zu beheben, sagt Stadtsprecher Wolfgang Speen.

Mehr Einsätze, erhöhter Qualifizierungsbedarf und eine Umstellung des Schichtsystems - all das hatte dazu geführt, dass rund 40 neue Stellen geschaffen wurden. Doch mit deren Besetzung sieht es bislang nicht besonders gut aus. Es gibt noch 30 Vakanzen. Einige Nachwuchskräfte werden erst zum 1. Juli, andere erst zum 1. Oktober dieses Jahres eingestellt. Für 13,5 Stellen sind noch gar keine Bewerber in Sicht. Feuerwehrleute zu finden, scheint nicht einfach zu sein. Das liegt auch an den Anforderungen. Die Bewerber müssen nicht nur körperlich fit sein und den Führerschein Klasse B besitzen. Bis vor Kurzem mussten sie auch eine handwerkliche Berufsausbildung vorweisen können. "Der Mangel im Handwerk macht sich hier auch bemerkbar", sagt der Leiter der städtischen Pressestelle. Außerdem: Da Berufsfeuerwehrleute nicht nur Brände löschen, sondern in Mönchengladbach auch die komplette Notfallrettung übernehmen, brauchen sie eine Zusatzausbildung. Aus Rettungsassistenten sollen nun Notfallsanitäter werden. Und die Ausbildung dazu ist viel aufwendiger.

Mönchengladbach bietet deshalb parallel zur klassischen Brandmeister-Ausbildung "112 Direkt" zum 1. September erstmalig eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin oder zum Notfallsanitäter an. Im Anschluss an diese dreijährige Ausbildung folgt direkt die 15-monatige Ausbildung zur Brandmeisterin oder zum Brandmeister. Die kombinierte Feuerwehr-Ausbildung zum Notfallsanitäter und Brandmeister in einem läuft unter der Bezeichnung "112 Medic". Aber bis die so neu Ausgebildeten eingesetzt werden können, dauert es noch.

Hoher Krankenstand

Zu den derzeit unbesetzten Stellen kommt der hohe Krankenstand unter den 330 Mitarbeitern der Berufsfeuerwehr. Nach Angaben der Stadt liegt er in der Feuerwache I bei 6,3 Prozent, in der Feuerwache II bei 6,6 und in der Feuerwache III sogar bei 8,1 Prozent.

Bei der Stadt weiß man, dass die derzeitige Situation steigender Einsatzzahlen im Rettungsdienst bei den Feuerwehrleuten oftmals die Grenze der möglichen persönlichen Belastung überschreitet. Eine Analyse der Inanspruchnahmen habe dies bestätigt, heißt es.

Dass die Retter bei Notrufen den Einsatzort in weniger als acht Minuten erreichen, könne beim Personalmangel bald nicht mehr eingehalten werden, sagt ein Feuerwehrmann. Und bei der immens hohen Arbeitsbelastung fragt er sich auch, was alles passieren kann, wenn total überarbeitete Rettungskräfte in der 80. Wochenstunde auf schwer kranke Patienten treffen, die sofort erstversorgt werden müssen.

Quelle: RP
 
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