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Flexiblere Öffnungszeiten in Kitas geplant

Zahl der Kinder in Kitas nach Bundesländern
Zahl der Kinder in Kitas nach Bundesländern FOTO: dpa, Caroline Seidel
Mönchengladbach. Nachdem Familienministerin Manuela Schwesig vorgeschlagen hatte, 24-Stunden-Kitas einzuführen, wird das Thema auch in Gladbach diskutiert. Die Verwaltung will die Betreuungszeiten flexibler gestalten. Eine Kinderärztin äußert Bedenken. Von Laura Schameitat

Krankenschwestern, Kassierer, Busfahrer, Bäckermeister, Fabrikarbeiter - für viele Berufsgruppen ist Schichtarbeit an der Tagesordnung. Alleinerziehende, aber auch Paare mit Kindern kann das vor riesige logistische Herausforderungen stellen: Denn die meisten Kitas machen erst zwischen sieben und acht Uhr morgens auf und schließen gegen fünf oder sechs wieder. Also, was tun, wenn der Dienst schon um sechs Uhr beginnt und der Weg zur Arbeit noch eine Stunde in Anspruch nimmt?

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig hat sich daher in dieser Woche dafür ausgesprochen, mehr 24-Stunden-Kitas zu schaffen, in denen eine Betreuung rund um die Uhr gewährleistet ist. Die SPD in Mönchengladbach unterstützt diese Pläne. "Der Bedarf ist da. Viele Familien brauchen das zweite Einkommen", sagt der Fraktionsvorsitzende Felix Heinrichs. Auch Petra Heinen-Dauber, schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, begrüßt diese Überlegungen grundsätzlich, äußert aber auch Bedenken: "Die Randzeiten auszuweiten, wäre sicher möglich. Aber für 24 Stunden müssten wir auch die Finanzierung neu strukturieren. Außerdem weiß ich nicht, ob man den Kindern damit wirklich einen Gefallen tut."

Zurzeit findet laut Sozialdezernentin Dörte Schall eine Abfrage unter den Eltern statt, die ihre Kinder in diesem Jahr neu in einer Kita angemeldet haben. "Dort wird der Bedarf nach Öffnungszeiten in den Randzeiten morgens und abends abgefragt", sagt Schall. Grundsätzlich kann sie sich eine 24-Stunden-Betreuung gut vorstellen. "Wir haben bisher keine Betreuungsmöglichkeiten für Alleinerziehende, die beispielsweise im Krankenhaus liegen müssen oder auf eine Dienstreise fahren. Für diese Menschen wäre es sicher sinnvoll, ihr Kind auch nachts gut betreut zu wissen."

Fotos: Manuela Schwesig – SPD-Frau und Familienministerin FOTO: dpa, fga kde

Schall will allerdings zunächst über ein anderes Instrument versuchen, eine bessere Betreuung in der Stadt zu schaffen. "Bei den Betriebskindergärten sind wir noch nicht soweit, wie ich das gerne hätte. Wir müssen mehr Anreize für Unternehmen schaffen, solche Kindergärten zu gründen." Im Elisabeth-Krankenhaus gebe es beispielsweise bereits eine solche Kita, die schon um 5.45 Uhr öffnet. Auch SMS Meer habe ein solches Angebot.

Bedenken an der 24-Stunden-Betreuung äußert Kinderärztin Renate Harnacke. "Die Bedingungen in Gladbachs Kindergärten lassen ein solches Modell meines Erachtens nicht zu. Zumindest nicht für die unter Dreijährigen. Der Betreuungsschlüssel für diese Kinder sollte eigentlich maximal 1:5 betragen - also eine Erzieherin für maximal fünf Kinder", sagt Harnacke. In der Realität kämen aber weit mehr Kinder auf eine Erzieherin. Wenn die Kinder nachts in der Kita bleiben sollen, sei es wichtig, dass es eine absolute Vertrauensperson gibt, die die Kinder ins Bett bringt.

Carolin Hutsch, selbstständige Hebamme und Mutter von zwei Kindern, sieht das ähnlich: "Solange die Kinder Liebe und Fürsorge spüren, ist es meiner Meinung nach nicht so wichtig, ob sie zu Hause schlafen oder in der Kita." Allerdings müsse man auch an die Erzieherinnen denken. "Die müssen ihre Kinder ja auch irgendwo betreuen lassen", sagt Hutsch. Zustände wie in der DDR, in der einige Kolleginnen von Hutschs Mutter, die auch Erzieherin war, ihre Kinder für die ganze Woche weggeben mussten, um arbeiten zu können, müsse man vermeiden.

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Quelle: RP
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