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Mönchengladbach
Fliegender Exot vor dem Comeback

Mönchengladbach: Fliegender Exot vor dem Comeback
Der "Fantrainer" wurde einst in Gladbach konstruiert. Nun soll es eine Neuauflage als "Fanjet" geben. FOTO: Frank Herzog
Mönchengladbach. Vor rund 40 Jahren sorgte der Erstflug des Flugzeugs "Fantrainer" in Mönchengladbach für bundesweites Aufsehen. 20 Jahre nach dem Ende von Rhein-Flugzeugbau gibt es nun Pläne, das Modell wieder zu bauen. Von Jürgen Schelling

Wenn der mattgrau lackierte Zweisitzer auf einem Flugplatz landet, wird er sofort von Zaungästen umringt. Kein Wunder, denn für die ungewöhnliche Maschine ist der Begriff "extrem selten" noch eine Untertreibung: Ganze zwei Exemplare des Fantrainer fliegen auf der Welt. Eines davon, das oft auf Flugplätzen im deutschsprachigen Raum startet oder landet, gehört dem Unternehmer Andreas Sattler aus Schorndorf bei Stuttgart und seiner Firma FanJet Aviation. Der Geschäftsmann fliegt mit seinem Fantrainer das wohl ungewöhnlichste Geschäftsreiseflugzeug in Europa. Entstanden ist es einst in Mönchengladbach.

Am 27. Oktober 1977 startete der Fantrainer bei Rhein-Flugzeugbau zum Erstflug. Dies bedeutetet gleichzeitig den Beginn der Serienfertigung in dem Mönchengladbacher Unternehmen. Ende der 1970er Jahre stieß dieser Prototyp zwar kurzzeitig auf Interesse bei den damaligen Verantwortlichen der Bundeswehr als mögliches Flugzeug für eine Jetpilotenausbildung. Die Luftwaffe entschied aber bald darauf, ihre Ausbildung auf Kampfflugzeugen komplett in die USA zu verlegen. Deshalb brauchte es kein spezielles Trainingsflugzeug mehr für Deutschland. Dennoch wurde bei Rhein-Flugzeugbau mit dem Serienbau begonnen, da unterdessen die thailändische Luftwaffe Bestellungen vornahm. 47 Fantrainer entstanden, die fast alle in das südostasiatische Land gingen, einige aber lediglich als Bausatz. Die erhofften Folgeaufträge durch andere Länder blieben allerdings aus, der Fantrainer konnte sich nicht dauerhaft am Markt durchsetzen.

Im Jahr 2010 kaufte der schwäbische Unternehmer Andreas Sattler die Dokumentation über Konstruktion, Flugerprobung und Zertifizierung des Fantrainers aus der einstigen Konkursmasse - Rhein-Flugzeugbau war bereits im Jahr 1997 zusammen mit seiner damaligen Muttergesellschaft ABS Pleite gegangen. Zu dem erworbenen Paket zählen technische Unterlagen, Werkzeuge zum Bau der Flugzeuge sowie eine Menge Ersatzteile. Warum also nicht den Fantrainer wieder in die Luft bringen? Denn die Luftfahrt-Zulassung der Maschine könnte bei einem Neustart wieder über die europäische Luftfahrtbehörde EASA aktiviert werden. Dadurch könnte das in den 1980er Jahren viele Millionen Mark teure und aufwändige Flugtestprogramm größtenteils entfallen, wodurch das Flugzeug billiger würde. Sogar die Turbine, die bereits in den 1980er Jahren die beiden Fantrainer-Typen 400 und 600 antrieb, ist bis heute lieferbar.

FOTO: Frank Herzog

Sattlers Fantrainer 600 ist wie eine Cessna oder Piper zivil registriert und darf so überall landen. Der Mantelschrauben-Sound ist zwar ungewöhnlich und hochfrequent, aber bestehende Lärmgrenzwerte werden eingehalten. Bei der Geräuschentwicklung gebe es auch noch durchaus Potenzial, um die Maschine leiser zu machen.

Die künftig "Fanjet" genannte Maschine könnte laut Sattler als militärisches oder ziviles Trainingsflugzeug auf den Markt kommen. Denn sie ist kunstflugtauglich, und zukünftige Airlinepiloten in Europa absolvieren mittlerweile ein so genanntes "Upset Prevention and Recovery Training". Dabei werden von den Berufs- und Verkehrsflugzeugführern normalerweise unübliche Fluglagen im echten Flugzeug geübt - und vor allem, wie man aus ihnen wieder herauskommt. Das ist für Airliner-Piloten deshalb wichtig, falls sie ungewollt in die extrem gefährlichen Wirbelschleppen einer vorausfliegenden oder kreuzenden Maschine geraten, wie es schon vorkam und zu Abstürzen führte.

Um derartige Manöver in der Luft zu üben wäre der "Fanjet" gut geeignet. Lediglich das Cockpit des Zweisitzers müsste dafür etwas modernisiert werden. Damals waren unzählige kleine Instrumente und Anzeigen auf zwei Instrumentenbrettern für den vorne sitzenden Pilotenschüler und den hinter ihm positionierten Fluglehrer untergebracht. Heute sind angehende Berufspiloten es aber natürlich gewöhnt, auf hochmoderne Displays zu schauen.

Der baden-württembergische Unternehmer sieht jedenfalls Chancen für eine mögliche Fantrainer-Neuauflage, vielleicht auch in einem asiatischen Land. Das könnte dem aus Mönchengladbach stammenden Flugzeug dann ein unverhofftes Comeback am Himmel bescheren.

Quelle: RP
 
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