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Mönchengladbach
Flüchtlinge frühstücken bei der Awo

Mönchengladbach: Flüchtlinge frühstücken bei der Awo
Emiliyan und seine Familie freuen sich über die Einladung in die Awo-Begegnungsstätte an der Brandenberger Straße. Anschließend bekam der Junge noch Süßigkeiten und einen Malblock mit auf den Weg. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Zum Internationalen Tag gegen Rassismus hatte sich der Kreisverband der Awo eine besondere Aktion ausgedacht. Von Thomas Grulke

Emiliyan greift kräftig zu. Ein Brötchen mit Wurst, ein wenig Gurke und Tomate nimmt der Achtjährige. Noch mehr freut er sich jedoch im Anschluss über den Malblock und die Süßigkeiten, die er sich mitnehmen darf. Emiliyan ist mit seinen Eltern und zwei weiteren bulgarischen Familien auf Einladung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zum Frühstück in die Begegnungsstätte Awo-Eck an der Brandenberger Straße gekommen. Für den Gladbacher Kreisverband der Awo ist es eine Aktion zum Internationalen Tag gegen Rassismus.

"In den vergangenen Jahren haben wir mit Teilnahmen an Demonstrationen ein Zeichen gegen Rassismus gesetzt. Doch durch die jüngste Entwicklung fanden wir eine solche Aktion nun passender", sagt die Awo-Geschäftsbereichsleiterin Nicole Wilms. Unter dem Motto "Awo gegen Rassismus - Awo für Vielfalt!" hat der Kreisverband in sechs Begegnungsstätten, dem Familienzentrum Eicken und dem Internationalen Zentrum Oberheydener Straße ein Frühstück für Flüchtlinge organisiert.

"Es ist ein unverbindliches Angebot. Es geht nicht darum, nur Essen auszuteilen oder sich in das Leben der Menschen einzumischen. Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe bieten und Wege aufzeigen, wie die Familien ihren Weg in der neuen Umgebung finden können", erklärt Nicole Wilms. Durch ihre engagierten, mehrsprachig begabten Mitarbeiter und die Einbindung in die Flüchtlingsarbeit der Stadt hat die Awo in den vergangenen Monaten viele Kontakte geknüpft. So nutzen vor allem an der Oberheydener Straße sehr viele Flüchtlinge aus Syrien das Angebot und kommen zum Frühstück. "Wenn die Menschen bei uns Gutes erfahren und es weitergeben, sind sie wichtige Multiplikatoren für uns", sagt die Migrationsberaterin Maria Weihrauch. Allerdings hat der Kreisverband die Einladung nicht auf Flüchtlinge beschränkt.

Die bulgarischen Familien sind vor einem Jahr zur Arbeitssuche nach Deutschland gekommen, wurden aber von ihrem Arbeitgeber ausgenutzt und haben zunächst unter menschenunwürdigen Bedingungen gelebt. "Ich möchte daran nicht mehr zurückdenken. Doch jetzt sehen wir Licht am Horizont", sagt Krasimir Nenov (37). Maria Weihrauch hat die Familien bei den Behördengängen begleitet und geholfen, bessere Wohnungen zu finden. Zudem haben alle mit dem Deutsch-Unterricht begonnen.

"Wir sind dafür sehr dankbar und beherrschen schon ein paar wichtige Wörter", sagt Nenov, der das Frühstücksangebot mit den übrigen Familien gerne angenommen hat: "Wir haben sonst noch keine Freunde hier." Zudem schmecke es sehr gut, lautet das einhellige Urteil, während Emiliyan bereits den neuen Malblock inspiziert. Seine Familie hat die ersten Schritte zur Eingliederung in die Gesellschaft erfolgreich hinter sich gebracht. "Es kann sein, dass wir ein solches Frühstücksangebot wiederholen werden. Wichtig ist vor allem, dass bei all dem der Mensch im Mittelpunkt steht", sagt Maria Weihrauch.

Quelle: RP
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