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Mönchengladbach
Flüchtlingsarbeit notwendiger denn je

Mönchengladbach. Beim Diakonischen Werk koordinieren Mitarbeiterinnen die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe und leisten Sozialarbeit in den Heimen. Auch wenn sich die Lage etwas entspannt hat, wird ihre Arbeit dringend benötigt. Von Angela Rietdorf

"Das Diakonische Werk hat einen offenen Blick für das, was gerade nötig ist", lobt Gabi Brülls ihren Arbeitgeber. Nötig war vor einem Jahr, den Kindern im Flüchtlingsheim Bockersend zu helfen, Angebote für sie zu machen, sie zur Schule zu bringen. So hat die Flüchtlingsarbeit des Diakonischen Werks begonnen. Heute arbeiten vier Sozialarbeiterinnen in der diakonischen Flüchtlingshilfe, begleiten, unterstützen, koordinieren. Es ist Alltag eingekehrt in der Flüchtlingsarbeit. Die Lage hat sich etwas entspannt, aber die Betreuung der Neuangekommenen ist nötiger denn je.

"Es bildet sich sofort eine Menschentraube, sobald man in eine Flüchtlingsunterkunft kommt", sagt Anne Zervos. Viele haben eine Frage, brauchen eine Auskunft, verstehen ein amtliches Schreiben nicht. Anne Zervos und ihre Kollegin Fazilet Gündogdu sind für aufsuchende Sozialarbeit zuständig. Sie begleiten zu Behörden, gehen mit zum Arzt, helfen bei der Schulanmeldung oder der Kita-Suche. Weil sie das nicht für jeden der rund 900 Flüchtlinge in ihrem Bezirk tun können, erfolgt die Zuweisung über die Stadt, die für diese Leistung auch zahlt. Zervos und Gündogdu tun all das, was nur mit Ehrenamtlern allein beim besten Willen nicht zu schaffen ist. Ohne sie allerdings auch kaum.

Für die Koordination der ehrenamtlichen Helfer, die sich in den Flüchtlingsunterkünften zum Beispiel an der Waldhausener Straße, der Breite Straße oder der Krallschen Wiese engagieren, ist Claudia Falz zuständig. "Wenn Ehrenamtler nicht mehr weiter wissen, können sie sich erst mal an mich wenden. Ich versuche, ihnen dann die nötigen Informationen zu beschaffen und Ansprechpartner zu nennen." Zum Beispiel zu Asylfragen. Für die Flüchtlingsunterbringung in der Breite Straße ist sie gerade dabei, weitere Helfer zu suchen, das Angebot zu strukturieren, zusammenzuführen und zu koordinieren.

Gabi Brülls kümmert sich heute um die neue Flüchtlingsunterkunft an der Eickener Straße, die die heruntergekommenen Container von Bockersend ersetzt. "Hier mussten wir einen neuen Anfang machen", erklärt sie, "erst einmal wieder Angebote für Kinder und Jugendliche schaffen." Die Bewohner, vor allem die Frauen, wünschen sich außerdem Deutschkurse vor Ort mit Kinderbetreuung, denn unter den mehr als 170 Bewohnern der neuen Unterkunft sind viele Familien mit Kindern.

Auch ein Ort für Kontakt und Begegnung ist notwendig, eine Art Café, in dem man sich treffen kann. "Wenn Flüchtlinge erst einmal in eine Wohnung ziehen, fallen sie schnell aus dem Unterstützungssystem heraus und sind isoliert", erklärt Gabi Brülls. Deswegen sind offene Begegnungsangebote wichtig. Insgesamt empfinden die Helferinnen die Stimmung in den Unterkünften als angespannt. "Viele, die aus den Balkanländern kommen, sind nervös. Es herrscht eine hohe Unsicherheit. Sie fürchten sich vor der Abschiebung", sagt die Sozialarbeiterin.

Andere allerdings, die als Flüchtlinge kamen und hier Fuß gefasst haben, machen Mut. Sie bieten ihre Hilfe zum Beispiel als Übersetzer an. "Sie möchten etwas tun, nicht nur nehmen, sondern auch geben", sagt die Sozialarbeiterin.

Quelle: RP
 
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