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Mönchengladbach
Foodsharing: "FairTeilen" statt wegschmeißen

"Hässliches" Obst und Gemüse gegen Lebensmittelverschwendung
"Hässliches" Obst und Gemüse gegen Lebensmittelverschwendung FOTO: dpa, rje nic
Mönchengladbach. Nina Trenner macht sich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln stark. Gemeinsam rettete sie mit Hilfe des Internets bereits über eine Tonne Essen vor dem Müll. Von Leonie Hartmann

Sonntags morgens - der Frühstückstisch ist gedeckt und der Kaffee frisch aufgebrüht. Doch der Gang zum Kühlschrank ist ernüchternd: Die Marmelade ist schon wieder angeschimmelt, der Schinken glänzt im sanften Grün und auch der Käse hat seine besten Tage schon hinter sich. Also ab in den Müll mit damit. Natürlich ist das ärgerlich, aber es handelt sich dabei ja nur um ein paar Euro.

Aber von wegen: "Pro Bundesbürger landen jährlich etwa 81 Kilogramm an Lebensmitteln in der Tonne", sagt Nina Trenner, Botschafterin der Foodsharing-Organisation für den Raum Mönchengladbach. "Das entspricht etwa 235 Euro", sagt Trenner.

Was das Mindesthaltbarkeitsdatum bedeutet FOTO: dpa, Tim Brakemeier
So funktioniert ein Supermarkt ohne Verpackungen FOTO: Screenshot Startnext/Original Unverpackt

Die Daten beziehen ausschließlich auf Privathaushalte. Laut Trenner werden in Deutschland insgesamt jedes Jahr elf Millionen Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen. Mit dem Ziel der Lebensmittel-Verschwendung entgegen zu wirken, wurde 2012 der gemeinnützige Verein "Foodsharing" gegründet. Das Prinzip des Lebensmittelteilens ist einfach: Registrierte Nutzer können digitale Essenskörbe unter www.foodsharing.de erstellen und damit zu verschenkende Lebensmittel anbieten.

Andere Mitglieder der Plattform können solche Essenskörbe auf einer Übersichtskarte für ihre Region sehen, bei Interesse anfragen und sich mit dem jeweiligen Anbieter zur Abholung der Lebensmittel verabreden. Wichtiger Grundsatz dabei: "es darf kein Geld fließen", sagt Trenner. Um auch Menschen zu erreichen, die keinen Internetzugang haben, gibt es immer mehr sogenannte "FairTeiler". Das sind öffentlich zugängliche Kühlschränke und Regale, in denen überschüssige Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden. Hier kann sich jeder kostenlos und unverbindlich Lebensmittel abholen. Seit etwa zwei Wochen gibt es einen solchen Raum auch in der Hochschule Niederrhein, in Kooperation mit dem Fachbereich Ökotrophologie.

Diese Lebensmittel stammen zum großen Teil aus Supermärkten in Mönchengladbach. Kooperationen gibt es unter anderem mit dem Super-Biomarkt und der Marmeladenmanufaktur Fruchtquelle auf der Lüpertzenderstraße. Abgeholt werden die Lebensmittel von den sogenannten "Lebensmittelrettern". Jeden ersten Donnerstag im Monat kommen einige der 24 aktiven "Essens-Retter" aus Mönchengladbach zusammen, um neue Kooperationen zu finden und gegenseitig Lebensmittel auszutauschen. Mit dabei ist auch Nina Trenner.

Ihr Engagement in dem Bereich hat schon einige Jahre vor Gründung des Vereins begonnen. "Vor allem nach Familienfeiern blieb immer viel Essen übrig", sagt Trenner. "Anstatt es wegzuwerfen, habe ich Pakete gepackt und an Obdachlose gegeben oder sogar auf Ebay-Kleinanzeigen zum Verschenken angeboten. Heute mache ich das immer über die Vereinsseite oder über die öffentliche Facebookgruppe, die ich gegründet habe", sagt sie. Aber nicht nur das Retten von Lebensmittel ist ihr wichtig. Nina Trenner wünscht sich von der Gesellschaft mehr Bewusstsein und Verantwortung im Umgang mit Nahrungsmitteln. "Gerade Kinder und Jugendliche wissen heutzutage nicht mehr, wann Lebensmittel noch verzehrbar sind und wann nicht. Anstatt sich auf die Nase oder den Geschmackssinn zu verlassen, wird aufs Mindesthaltbarkeitsdatum geschaut und dann voreilig weggeworfen", sagt Trenner. Regelmäßig schreibt sie daher an die Schulen in der Region und bietet für junge Menschen Kurse zum nachhaltigen Umgang mit Nahrungsmitteln an.

Den Schülern erzählt sie dann auch von den exakt 1024 Kilogramm Lebensmitteln, die die Mönchengladbacher "Foodsaver" in den vergangenen drei Monaten bereits vor dem Mülleimer gerettet haben. Eine Summe, auf die Nina Trenner sehr stolz ist: "Das Schöne an Foodsharing ist nicht nur das gute Gefühl, etwas gegen die Verschwendung zu tun. Sondern man lernt noch viele neue Menschen kennen und entdeckt dabei viele tolle Rezepte und Köstlichkeiten."

Quelle: RP
 
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