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Mönchengladbach
Forschungsprojekt zur Situation von Reinigungskräften

Mönchengladbach. Das Institut A.U.G.E, der Hochschule Niederrhein analysiert Selbst- und Fremdgefährdungen im Krankenhaus.

Über die Situation von Reinigungskräften in Krankenhäusern gibt es bisher wenig verlässliche Daten. Dabei sind sie ein wichtiger Bestandteil eines jeden Krankenhauses. Gerade in diesem Arbeitsumfeld bestehen viele potenzielle Gefahrenquellen für die Mitarbeiter - sei es durch körperliche Überbelastung oder aber auch Infektionen. Das Institut A.U.G.E. (Arbeitsschutz, Umweltschutz, Gesundheitsförderung und Effizienz) der Hochschule Niederrhein untersucht nun die Arbeitsbedingungen von Reinigungskräften im Krankenhaus. Das einjährige Projekt wird von der Berufsgenossenschaft Wohlfahrt und Pflege (BGW) mit 47.000 Euro finanziert und von Professor Dr. Monika Eigenstetter geleitet.

"Das Projekt soll die möglichen Selbst- und Fremdgefährdungen der Reinigungskräfte im Arbeitsprozess analysieren. Über Reinigungskräfte gibt es wenig wissenschaftliche Arbeiten, obwohl sie eine sehr große Gruppe an Beschäftigten stellen. Wir sind dankbar, dass sich die BGW für diese Arbeit interessiert und uns finanziert, auch wenn Reinigungskräfte nicht zu ihrer Kernklientel gehören", sagt Eigenstetter, die auf eine eigene Krankenhaus-Vergangenheit zurückblicken kann. Zwischen 1987 und 1996 hat die Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie als Diplomkrankenschwester im Krankenhaus gearbeitet.

Nach einer Statistik des Bundesgesundheitsministeriums ziehen sich jährlich etwa 400.000 bis 600.000 Patienten während eines Krankenhausaufenthaltes Infektionen zu. Das bedeutet, sie ziehen sich Infektionen zu, die direkt mit dem Aufenthalt im Krankenhaus in Verbindung stehen. Die deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene geht davon aus, dass bis zu 30.000 Tote durch diese Infektionen verursacht sind. Die Zahl entspricht der Größe einer Kleinstadt.

Neben der Übertragung durch Pflegekräfte und Ärzte, zum Beispiel durch mangelnde Desinfektion der Hände und Arbeitsmittel, sind auch Mängel in der Reinigung ein möglicher Grund; denn dort geht es auch nicht nur um die einfache Entfernung von Schmutz sondern auch um die Beseitigung von potenziellen Krankheitserregern.

Während Pflegekräfte und Ärzte ein gutes Wissen über die vorhandenen Gefährdungen im Krankenhausumfeld haben und sich in der Regel gut davor schützen, ist es um die Reinigungskräfte häufig schlechter bestellt. Sie sind ungelernt, arbeiten häufig unter Zeitdruck und werden in ihrer Arbeit nicht ausreichend überwacht, was dazu führen kann, flüchtiger zu arbeiten und bestimmte Bereiche nicht ausreichend zu reinigen oder zu desinfizieren. Auch Sprachbarrieren durch den Migrationshintergrund sorgen möglicherweise für eine nicht optimale Reinigungsleistung in diesem sensiblen Arbeitsumfeld.

Voruntersuchungen von Studierenden aus den Jahren 2012, 2014 und 2016, betreut von Prof. Ohme (Reinigungstechnik und Objektreinigung) und Prof. Eigenstetter sowie aktuelle Studien von der deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene lassen vermuten, dass Handlungsbedarf besteht. "Die Ergebnisse unserer Arbeit werden dazu dienen, den Stellenwert der Reinigung in Krankenhäusern ernster zu nehmen", sagt Eigenstetter.

(lisch)
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