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Mönchengladbach
"Frauen müssen sich mehr engagieren"

Mönchengladbach: "Frauen müssen sich mehr engagieren"
Sie wollen noch einiges von der Welt sehen: Beate und Jürgen Fränken im vergangenen Jahr auf Nordland-Tour "Hurtigruten". FOTO: Bewi (2), Berger (2) Raupold (1), KN (5)
Mönchengladbach. Beate Fränken hat einen Großteil ihres Lebens der Sportjugend gewidmet - ehrenamtlich, 38 Jahre an führender Stelle im Stadtsportbund. Auch jetzt kann sie es noch nicht ganz lassen. Für ihren Einsatz "Frauen in der Führung im Sport" erhielt sie 2009 den NRW-Preis. Von O. E. Schütz

Sie weiß, was sie will. Und bekommt es. Nicht immer, aber oft - weil sie nicht locker lässt, unermüdlich für ihre Ziele kämpft. Nicht als "Emanze", sondern mit Charme und Sinn für Gemeinsamkeit, ob in der Familie oder im Sport.

Wenn eine Frau gesucht wurde, die Stellung beziehen konnte, landeten die Medien in Mönchengladbach sehr oft bei Beate Fränken, Vorsitzende der Sportjugend im Stadtsportbund und zuletzt Ehrenpräsidentin der Dachorganisation von mehr als 200 Sportvereinen der Stadt. Stolz macht sie diese Stellung aber keineswegs: "Es wäre mir lieber, es gäbe mehr Frauen, die einem da spontan einfallen, ob im Sport oder in der Politik."

Weggefährten: Achim Leisewitz und Werner Grüters. FOTO: Herbert Berger

Es ist ein Problem, das die diplomierte Sozialarbeiterin Beate Fränken (59) seit Jahrzehnten umtreibt: "Frauen tun sich schwer, solche Aufgaben zu übernehmen. Sie haben es aber auch alles andere als einfach, in die Netzwerke der Männer zu kommen. Mehr als Schriftführerinnen, Jugend- oder Kassenwartinnen gibt es selten. Da hat sich in den letzten Jahrzehnten nicht viel verändert. Es muss in den Köpfen der Verantwortlichen noch einiges passieren", hat sie gesagt, als sie sich 2013 auch als Ehrenpräsidentin des Stadtsportbundes zurückzog. Nach 38 Jahren in und an der Spitze der Mönchengladbacher Sportjugend.

"Mädchen und Frauen im Sport" heißt der 6. Preis des Landes NRW, den Innenminister Ingo Wolf 2009 den ersten Platz in der Kategorie "Frauen in der Führung im Sport" an Beate Fränken verlieh. Ihr Einsatz beim mit dem Landessportbund entwickelten Pilotprojekt "Mädchen und Frauen im Sport" stand da im Vordergrund. Doch das ist längst nicht alles, was sie getan hat - als Ehrenamtlerin.

Beate Scholz mit Bettina Schmidt (links) und Jens Keil. FOTO: NN

Beate Scholz, wie sie damals hieß, war 18 und aktives Mitglied im Mönchengladbacher Schwimmverein, als sie sich 1975 nach einer Ferienfreizeit des Stadtsportbundes in Lloret de Mar wohlerzogen bei Franz Kühlen, Jugendwart des Stadtsportbundes, mit ein paar netten Worten und Zeilen bedankte. Die Reaktion: "Du kannst ja schreiben, dann werde doch unsere Schriftführerin", sagte Kuhlen - und fand Gehör. Es wurde ein Glücksgriff für den Stadtsportbund und eine Beziehung über mehr als vier Jahrzehnte, die bis heute hält, auch wenn Beate Fränken nun seit zweieinhalb Jahren kein offizielles Amt mehr hat.

Völlig loslassen kann sie mit 59 noch nicht. Da ist vor allem "Kids aktiv", eine 2001 von einer Arbeitsgruppe aus Schulamt, Stadtsportbund, AOK und Kinderarzt Jörg Hornivius gegründet, um Haltungsschäden, Übergewicht und Konzentrationsschwächen bei Grundschulkindern entgegenzuwirken, die weiter auf die Mitarbeit Beate Fränkens setzen kann. Ehrenamtliche versteht sich. "Im Krankenhaus haben sie mal gesagt, dass ich neben meinem Einkommen als Sozialarbeiterin und als vom Amtsgericht eingesetzter Betreuer eine weitere bezahlte Nebentätigkeit, nämlich die beim Stadtsportbund, genehmigen lassen müsse", erzählt sie. "Sie wollten kaum glauben, dass ich all das mache, ohne Geld zu bekommen." An die zehn Stunden in der Woche kamen da locker zusammen. Manchmal hat sie bei großen Ereignissen sogar eigens Urlaub genommen. Ihr Einsatz ging auch über Mönchengladbach hinaus: Sie war in vielen Gremien des Landessportbundes vertreten, wie in der Arbeitsgemeinschaft "Frauen in Führung". Dort hat sie an Konzepten gearbeitet, zum Beispiel an den Handlungsempfehlungen "Partizipation von Kindern und Jugendlichen im Sport" und "Mentoring im Sport".

Sieben von neun Titeln für Beate Fränken (r.) bei der Stadtmeisterschaft 1974. Julius Schöner ehrte sie. FOTO: Heinz-Josef Bender

"Meine Frau setzt das um, was sie beruflich gelernt hat und macht Sozialarbeit", sagt Jürgen Fränken. "Und sie kommt auch heute noch nicht ganz los vom Ehrenamt." Wobei der Ehemann stets sein Teil zum Engagement seiner Frau beigetragen hat. Sie hat damals, solange die beiden heute 29 und 27 Jahre alten Kinder noch nicht im Kindergarten waren, zwar mit der Arbeit im Krankenhaus aufgehört, nicht aber mit dem "Sport", soll heißen: den Aufgaben im Stadtsportbund. "Jürgen war wie ich im Jugendausschuss, als wir uns kennengelernt haben. So hatte er immer Verständnis und hat mich stets unterstützt. Sonst wäre all das Engagement nicht möglich gewesen", sagt sie.

Beispiele: Beate Fränken hat sich um die Integration junger Menschen ("Gewalt schießt dich ins Abseits") und eine Imagekampagne ("Im Sport ist mehr drin!") gekümmert, eine große Streetball-Aktion angestoßen, die große alljährliche Jugendsportlerehrung bei der Stadtsparkasse koordiniert, Nachwuchsführungskräfte gefördert, eine Fachtagung des Landessportbundes in der Stadt organisiert, vor der Kommunalwahl 2009 eine Veranstaltung für Erstwähler durchgeführt. Hat es Spaß gemacht? "Ja, sehr. Es war viel Arbeit, aber es ist schön, wenn man etwas auf den Weg gebracht hat und am Ende sagen kann: Ohne mich wäre es nicht so gegangen."

Es hat sich viel verändert in Beate Fränkens Zeit beim Stadtsportbund. "Als ich 1975 begann, war der Sport ganz überwiegend ehrenamtlich geprägt und fand eher regional statt. Die Kontakte zu den Vereinen wurden über unsere Ferienmaßnahmen und Jugendleiterausbildungen hergestellt. Erst im Laufe der Jahre wurde die projektbezogene Unterstützung durch den Landessportbund größer. Auch der Bildungsaspekt des Sports für unsere Kinder und Jugendlichen bekam durch entsprechende Untersuchungen einen großen Stellenwert", erzählt sie. "Ehrenamtlich geht das alles längst nicht mehr." Sie hat erreicht, das 2008 eine halbe Stelle für die Jugendarbeit eingerichtet wurde. Doch ihr großes Anliegen, Frauen zu mehr Engagement zu ermuntern, das ist eher schwieriger geworden: "Heute müssen in den meisten Familien beide Elternteile arbeiten, die Jugend ist ganz anders geworden. Da kann Jugendarbeit nicht mehr so zum Tragen kommen."

Quelle: RP
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