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Mönchengladbach
Früh übt sich, wer ein Meister werden will

Mönchengladbach: Früh übt sich, wer ein Meister werden will
Aus diesem Brett soll einmal ein toller Spielzeug-Lastwagen werden? Noch sind die Kinder skeptisch - später richtig glücklich. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Eine Kindergruppe des Pro-Multis-Kindergartens vom Metzenweg besucht die Kreishandwerkerschaft. Von Angela Rietdorf

Batuhan möchte die bunte Folie allein aufkleben. Aber so ganz exakt gelingt es ihm nicht, sie auf den Lkw aus Holz aufzubringen. Dominik Bergmann hilft ihm. Der Maler richtet die Folie aus, Batuhan streicht sie glatt. Xenia und Daniela sind schon fertig und bewundern ihre Lastwagen. Ahmad lässt sich von Nico Bröske beim Aufkleben helfen.

Eine Gruppe von zwölf Kindern und ihren Erzieherinnen aus dem Pro-Multis-Kindergarten Metzenweg ist zu Besuch in den Lehrwerkstätten der Kreishandwerkerschaft Mönchengladbach. Es sind die "Großen", Fünf- und Sechsjährige, die nach den Sommerferien in die Schule wechseln. Und weil es für Berufsorientierung nie zu früh ist, erleben die Kinder an einem Vormittag, was es mit den Handwerksberufen auf sich hat. Sie besuchen die Tischlerwerkstatt, die Maler und Lackierer und die Kfz-Werkstatt. Bei den Tischlern haben sie gesehen, wie aus einem rechteckigen Brett ein Holzrohling mit den Umrissen eines Lastwagens wurde. Mit Ohrenschützern und -stöpseln ausgerüstet verfolgen sie gespannt, wie die große Maschine, gesteuert von einem Auszubildenden, arbeitet und die Konturen eines Lastwagens ausfräst. Dann bekommt jeder seinen Lkw-Rohling in die Hand und weiter geht es zu den Malern. Kreishandwerksmeister Frank Mund führt die Gruppe selbst durch die Lehrwerkstätten und weist auf Besonderheiten hin.

"Seht mal, diesen Kicker haben die Tischler selbst gebaut", sagt er und zeigt auf einen großen Tischkicker. Bei den Malern werden die Folien aufgeklebt, und der Beruf wird erklärt. "Die Maler machen die Wände schön", beschreibt der Kreishandwerksmeister die Aufgaben. Dann kommt die Kfz-Werkstatt an die Reihe. Hier zeigt ihnen Frank Mund einen Motor, der auf einem Gestell montiert ist. Die große Absauganlage beginnt zu brummen, dann dürfen die Kinder Gas geben. Ben fängt an, drückt auf das Gaspedal und guckt etwas erschreckt, als der Motor aufheult. Nachdem alle einmal das Gaspedal bedient haben, dürfen die kleinen Besucher noch in einen riesigen Lkw klettern, versinken fast hinter dem gewaltigen Steuer und ziehen schließlich mit ihren selbstgebauten Holz-Lastwagen und vielen neuen Eindrücken wieder Richtung Kindergarten.

"Wir möchten die Kinder früh positiv für das Handwerk begeistern", erklärt der Kreishandwerksmeister. Er hat gemeinsam mit der Pro-Multis-Gebietsleiterin Heike Coentges das Ganze ausgeheckt und gleichzeitig einem Wunsch der Kinder entsprochen. "In ihren letzten Kindergartenmonaten machen die Kinder viele Ausflüge", erklärt Heike Coentges. "Sie können natürlich sagen, was sie interessiert, und sie wollten gern Berufe kennenlernen." Beim Thema Holz kannten sie sich schon ein bisschen aus, denn auch im Kindergarten gibt es die Möglichkeit, mit Holz zu arbeiten und sogar einen Werkstattpass zu machen.

Jetzt haben sie gesehen, wie man professionell damit umgeht und gleichzeitig im wahrsten Sinne des Wortes begriffen, was Handwerk ist. Und vielleicht fällt es ihnen deshalb in zehn oder zwölf Jahren leichter, sich für einen Beruf zu entscheiden, auch für einen, bei dem man mit den Händen, aber auch mit Köpfchen arbeitet.

Quelle: RP
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