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Mönchengladbach
Frühherbst im Spätsommer

Mönchengladbach: Frühherbst im Spätsommer
Kein Bild von Ende Oktober, sondern von gestern. Herbststimmung im Volksgarten. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Trotz Sommerwetters fällt von vielen Bäumen bereits das Laub. Den Grund dafür sehen Experten im außergewöhnlich trockenen August. Für den Stadtbetrieb Mags bedeuten die Blätter auf Straßen und Wege vor allem eines: Arbeit. Von Ludwig Krause

Eine alte Bauernregel besagt: "Im August, beim ersten Regen, pflegt die Hitze sich zu legen." Manch einer, der das vergangene Wochenende in T-Shirt und Shorts zur Gartenarbeit genutzt hat, dürfte sich aber gefragt haben, ob er im falschen Film gelandet ist: Laubkehren bei 25 Grad und mehr. Denn obwohl die Temperaturen noch immer sommerlich warm daherkommen, machen viele Bäume schon einen auf kalte Jahreszeit. Genauer: Sie werfen ihre braunen Blätter ab, als sei schon Mitte Oktober. Das kommt unerwartet früh. Auch für die Stadt?

"Im Moment gibt es für uns erhöhten Einsatzbedarf wegen des Laubes", sagt Hans-Jürgen Schnaß, Vorstandsvorsitzender des Stadtbetriebs Mags. Schließlich sind nicht nur Bäume in Gärten und Wäldern betroffen, sondern auch die im Straßenverkehr. Und wo unerwartet viel Laub herumliegt, gibt es eben auch Gefahrenpotenzial - vor allem, wenn das Sommerwetter dann auch wirklich dem Regen weicht. "Damit müssen wir aber klarkommen", sagt Schnaß. Genauso eben wie beim ersten Frost im Winter, wenn die Straßen mit Salz gestreut werden müssen. "Wir sind immer saisonal aufgestellt, daher bekommen wir das auch in den Griff", sagt Schnaß. Heißt: Wer bisher etwa im Rasenschnitt eingesetzt wird, ist jetzt also fürs Laub unterwegs.

Warum aber sind die Bäume in diesem Jahr so früh dran? Das könnte am vergangenen Monat liegen, wie Christel Jörg, beim BUND Mönchengladbach für Fragen zu Garten und Landschaftsbau zuständig, sagt. Denn obwohl es zunächst allen Anschein hatte, als würde der Sommer ins Wasser fallen, kam der August ungewöhnlich trocken daher. Laut Deutschem Wetterdienst betrug der deutschlandweite Niederschlag im Durchschnitt 45 Liter pro Quadratmeter. Normalerweise sind es um die 77 Liter. "Vor allen bei den Hainbuchen habe ich in diesem Jahr ungewöhnlich früh die braunen Stellen entdeckt", sagt Christel Jörg. Bucheckern liegen einen Monat zu früh auf den Bürgersteigen, bei Nussbäumen bietet sich ein ähnliches Bild. "Zunächst hatten wir extrem heftigen Niederschlag, dann kam nur noch sehr wenig."

Die Zahlen vom Deutschen Wetterdienst untermauern das: Der Juni ist in der Regen-Statistik der große Ausreißer: 118 statt der üblichen 85 Liter pro Quadratmeter kamen damals deutschlandweit vom Himmel. "Dann aber auch oft derart heftig, dass das Wasser gar nicht richtig versickern konnte und das meiste abgeflossen ist", sagt BUND-Expertin Jörg. Und so kommt es, dass die Fachfrau in diesem Jahr selbst bei alten Obstbäumen, die im Sommer normalerweise kaum bis gar nicht gewässert werden müssen, zum Wasserschlauch greift.

Muss uns das jetzt langfristig Sorgen bereiten? Eher nicht, sagt die Expertin. "Wenn wir einen normalen Winter mit Schnee und Regen erleben, können die Bäume auch wieder frisch austreiben", sagt sie. Anders sehe es aber aus, wenn der Winter genauso trocken ausfalle wie der August. Da glauben wir lieber einer anderen Bauernregel: "Septemberwetter warm und klar, verheißt ein gutes nächstes Jahr."

Quelle: RP
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