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Mönchengladbach
"Für mich war es Mord"

Mönchengladbach: "Für mich war es Mord"
Ein Holzkreuz am Unglücksort Gladbacher Straße erinnert an Bernd Seiffert, der im Alter von 26 Jahren starb. FOTO: Detlef ilgner .
Mönchengladbach. Der Prozess um den tödlichen Radfahrerunfall auf der Gladbacher Straße wird neu aufgerollt. Der Mann, der einen 26-Jährigen anfuhr und am Straßenrand liegen ließ, hofft auf Strafmilderung. Der Vater des Opfers ist entsetzt. Von Gabi Peters und Inge Schnettler

Bernd Seiffert starb am 28. April 2010. Er wurde 26 Jahre. Die tragischen Umstände seines Todes lassen seinen Vater nicht zur Ruhe kommen: Könnte Bernd noch leben, wenn ihm sofort geholfen worden wäre? Was geht im Kopf eines Mannes vor, der ungerührt einen lebensgefährlich Verletzten am Straßenrand liegen lässt?

Und sind neun Jahre Haft nicht zu wenig für jemanden, der einen Menschen tötet, seine Straftat vertuscht und der sich häufiger betrunken und ohne Fahrerlaubnis ans Steuer setzt? Diese und ähnliche Fragen gehen Rainer Seiffert immer wieder durch den Kopf. Im Moment ist es besonders schlimm. Denn der Prozess gegen den Mann, der Rainer Seifferts Sohn tötete, wird demnächst vor dem Mönchengladbacher Landgericht neu aufgerollt.

Innere Blutungen

Am 28. April 2010 ist Bernd Seiffert nach Mitternacht mit seinem Fahrrad auf der Gladbacher Straße unterwegs. Plötzlich wird er von einem Wagen angefahren. Der 26-Jährige stürzt und zieht sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Der Unfallfahrer, der von einer Party kam und getrunken hatte, lässt den jungen Mann am Straßenrand liegen. Bernd Seiffert wird erst zehn bis 20 Minuten später von Passanten gefunden. Obwohl er zunächst noch ansprechbar ist und die Ärzte sofort eine Notoperation einleiten, stirbt er wenige Stunden später.

Die Polizei ermittelt den Unfallfahrer. Der heute 29-Jährige wird am 3. Dezember unter anderem wegen versuchten Mordes zu neun Jahren verurteilt. Im Juni legte er Revision gegen das Urteil an. Der Bundesgerichtshof entschied nun, dass die Verurteilung wegen versuchten Mordes richtig ist. Allerdings ließ er zu, dass das Strafmaß neu überprüft wird. Will heißen: Es soll noch einmal darüber verhandelt werden, ob alle möglicherweise strafmildernden Umstände berücksichtigt wurden.

Das bedeutet, dass der Unfallfahrer in einer neuerlichen Verhandlung zu einer geringeren Haftstrafe verurteilt werden könnte. Für Rainer Seiffert wäre dies nur schwer zu ertragen. "Wir waren schon beim ersten Urteil enttäuscht", sagt er. Selbst der Verteidiger des Angeklagten sei damals von einer höheren Strafe ausgegangen. Der Vater hatte als Nebenkläger selber Revision gegen das Urteil eingelegt. "Meinem Sohn wurde eine Mitschuld an dem Unfall angelastet, weil er nicht den Radweg benutzte." Dass sich das strafmildernd auf das Urteil auswirkte, kann Rainer Seiffert nicht begreifen. Ebenso ist er davon überzeugt, dass man die inneren Blutungen seines Sohnes hätte stoppen können, wenn er sofort ins Krankenhaus gekommen wäre.

Für den Vater ist und bleibt der Unfallfahrer ein "Verbrecher". "Der Mann ist oft betrunken gefahren, auch nachdem ihm der Führerschein abgenommen wurde. Er hat Menschen mehrfach gefährdet und die Justiz an der Nase herumgeführt, weil er sich immer wieder ans Steuer setzte. Und jetzt hofft er auf weitere Strafmilderung. Ich kann das nicht verstehen. Für mich war das ein Mord", sagt Rainer Seiffert. Er will auf jeden Fall beim erneuten Prozess dabei sein. "Wir versuchen alles, damit der Tod unseres Sohnes nicht vergessen wird."

Dafür sorgt auch ein Holzkreuz, das am Unglücksort an Bernd Seiffert erinnert. Freunde, Familie und die Nachbarschaft aus Dorthausen und Kothausen sorgte monatelang für frischen Blumenschmuck. Ein Grablicht brannte Tag und Nacht. Seit einigen Tagen sind Blumen und Kerzen verschwunden. Auf Nachfrage bei der Stadt sagte Sprecher Dirk Rütten: "Unsere Mitarbeiter vom Grünflächenamt haben nichts damit zu tun."

Quelle: RP
 
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