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Mönchengladbach
Fußball zwischen Atlantik und Felswand

Mönchengladbach: Fußball zwischen Atlantik und Felswand
Die E1 trifft die portugiesische Stürmerlegende Pauleta vor dem Turnierstart in Sao Vicente. FOTO: René Neuss
Mönchengladbach. Die E1 des 1. FC Mönchengladbach nimmt über Ostern an einem Jugendfußball-Turnier auf Madeira teil. Der São Vicente Cup ist jedoch nur die eine Hälfte einer unvergesslichen Reise - auch wenn es kein Treffen mit Superstar Cristiano Ronaldo gibt. Von Thomas Gruhlke Berichtet Aus São Vicente

Cristiano Ronaldo schaut entschlossen, ohne jeden Selbstzweifel. Als wolle er gleich wieder zum Freistoß antreten. Sein Blick ist geradeaus gerichtet, nichts kann daran etwas ändern - auch wenn ihn ständig jemand berührt, mit ihm fotografiert werden will oder vor ihm posiert. So ist das eben mit Wachsfiguren berühmter Persönlichkeiten. Da macht das Ebenbild des dreimaligen Weltfußballers CR7 in dessen eigenen Museum in Funchal, jener noblen, in Weiß und Schwarz gehaltenen Schatzkammer voller Bilder und Pokale, keinen Unterschied.

"Am besten gefallen mir die Wachsfigur und die Bilder, die man hier machen kann. Eigentlich gefällt mir hier alles", sagt Cristiano. Cristiano Miguel. Der Zehnjährige trägt nicht von ungefähr denselben Vornamen wie der Superstar Real Madrids. Cristiano Miguel hat portugiesische Wurzeln, Ronaldo ist sein Idol. Vor allem aber ist er E1-Spieler des 1. FC Mönchengladbach, der nicht nur zu einem Museumsbesuch nach Madeira geflogen ist. Vielmehr ist es eine sechstägige Reise mit einer solchen Fülle großartiger Eindrücke, dass es letztlich gar nicht ins Gewicht fällt, dem echten Ronaldo in den Tagen auf der portugiesischen Insel nicht zu begegnen.

FC-Trainer Carlos Miguel im Fernseh-Interview. FOTO: Thomas Gruhlke

"Die Kinder werden wohl eine Zeit brauchen, bis sie alle Erlebnisse verarbeitet haben", sagt Carlos Miguel, Cristianos Vater und zugleich Trainer der E1. Sein Team nimmt am São Vicente Cup teil, der unter anderem von Ronaldo maßgeblich unterstützt wird. "Es ist alles topp organisiert und absolut beeindruckend", sagt Miguel, der dank seiner guten Kontakte im portugiesischen Fußball die Einladung zum U10-Turnier erhalten hat. Dass der FC wiederum kein Gast wie jeder andere ist, wird gleich bei der Ankunft im sonnigen Funchal auf Madeira am Dienstagabend um 18.30 Uhr Ortszeit deutlich. Der ehemalige portugiesische Spitzenschiedsrichter Marco Ferreira ist zum Flughafen gekommen, ebenso das grüne, nicht näher definierbare Turnier-Maskottchen Vicente sowie ein lokales Fernsehteam. Auch wenn der FC kein berühmter Profiklub ist, für die Madeirer ist er trotzdem eine Attraktion. Denn noch nie hat eine Mannschaft eine solch weite Anreise für den São Vicente Cup in Kauf genommen.

"Erstmals nehmen an dem Turnier nicht nur portugiesische Vereine teil. Wir wollen es etwas vergrößern, damit es sich auch außerhalb Portugals herumspricht", sagt Lucas Kusch. Der 17-Jährige gehört auch zum Empfangskomitee am Flughafen, er begleitet in den kommenden Tagen die 30-köpfige Reisegruppe aus Mönchengladbach. Lukas spricht sehr gut deutsch, obwohl er in Madeira geboren und aufgewachsen ist. Seine Eltern stammen jedoch aus Gelsenkirchen. Bereits vor 28 Jahren sind sie ausgewandert. "Ich versuche, den deutschen Gästen so viel wie möglich von der Insel zu zeigen. Natürlich erhoffen wir uns davon auch etwas für unseren Tourismus", sagt Kusch. Und dementsprechend legt sich der Ausrichter mächtig ins Zeug.

Fotos mit der Wachsfigur Cristiano Ronaldo waren bei den jungen Fußballern beliebt. Schöner war vielleicht nur der 4:1-Sieg gegen den FC Porto. FOTO: Thomas Gruhlke

Dem FC steht nicht nur Lucas Kusch als Dolmetscher und Reiseleiter sowie ein eigener Bus über die gesamte Zeit zur Verfügung, die Tage auf Madeira sind zudem vollgepackt mit Ausflügen. Der Besuch des CR7-Museums in Funchal, die Fahrt über die spektakuläre Küstenstraße im Norden der Insel, der Gang durch die Grotten São Vicentes und der Abstecher zur Steilklippe am 580 Meter hohen Cabo Girão: Vor lauter touristischen Sehenswürdigkeiten rückt der São Vicente Cup beinahe in den Hintergrund. Jedoch nur beinahe.

Schließlich ist das Turnier im Estádio dos Juncos São Vicente eine Attraktion für sich. Den kleinen Streifen Land, den der Atlantik auf der einen und die steilen Bergwände auf der anderen Seite den Menschen im Norden der Insel gewähren, nimmt ein kurzes Stück östlich von São Vicente fast nur der örtliche Fußballplatz ein. Gleich daneben liegt das Hotel, in dem der 1. FC einquartiert ist. Zudem sind täglich mehrere hundert Zuschauer im Stadion des FC São Vicente, am heutigen Finaltag werden es knapp 1000 Zuschauer sein. "Das Stadion ist richtig cool mit den Bergen. Auf so einem schönen Platz haben wir noch nicht gespielt", sagen Elias Hirt (9) und Matthias Schiffer (10) einstimmig. Nur der Rasen sei etwas hügelig. Das hindert das Team aber nicht daran, mit drei Siegen in das Turnier zu starten. Lucas Kusch gefallen die Darbietungen derart, dass er sogleich mit dem FC-Virus infiziert ist. "Gebt mir eine Eins, gebt mir ein F, gebt mir ein C", skandiert er den Schlachtruf der Mannschaft fortan auf jeder Busfahrt. Doch nicht nur der Reiseleiter freut sich über den Auftritt der Gäste vom Niederrhein.

Links: Belohnung nach dem dritten Sieg im dritten Spiel: ein Sprung im FC-Trikot in den Hotelpool am Atlantik. Rechts: Besuch der Grotten São Vicentes. FOTO: Thomas Gruhlke

"Es ist toll, eine deutsche Mannschaft zu Besuch zu haben. Ich bin beeindruckt, wie gut die Gruppe organisiert ist", sagt Humberto Drumond. Der Turnierleiter betont, dass der São Vicente Cup für die Fußballtalente auf Madeira der Saisonhöhepunkt schlechthin ist - nicht nur aufgrund der Teilnahme der Nachwuchsmannschaften mehrerer Profivereine, sondern auch aufgrund der portugiesischen Fußball-Prominenz vor Ort. So hält sich über die Tage hartnäckig das Gerücht, das der ehemalige Superstar Luis Fígo noch in São Vicente zu Gast sein wird. Zudem ist der Ex-Nationalspieler Pauleta Schirmherr des Turniers. "Es ist ein toller Wettbewerb, der für Madeiras Kinder auch sehr wichtig ist. Denn sonst kennen sie solche Vereine wie Porto oder Sevilla nur aus dem Fernsehen", sagt der zweitbeste Torschütze der portugiesischen Nationalmannschafts-Historie. Dass Pauleta die Gladbacher am Abend vor dem Turnierstart begrüßt, entschädigt bereits für den geplatzten Traum, tatsächlich Cristiano Ronaldo auf Madeira zu treffen. Der Terminplan hat einen Heimatbesuch diesmal nicht zugelassen.

"Jeder auf der Insel spricht über ihn, jeder liebt ihn. Und es ist immer ein Thema, wenn Ronaldo auf Madeira ist", sagt Lucas Kusch. Diesmal schafft es der Star nicht, beim Turnier vorbeizuschauen. Im Fokus der FC-Kicker steht er trotzdem - während des Besuchs in Funchal. Zunächst geht es zur 3,40 Meter hohen Bronze-Statur an der Promenade, dann im vor zwei Jahren neu eröffneten Museum oberhalb des Hafens. "Ich habe mir das Museum noch größer vorgestellt. Aber ich kann eigentlich nicht meckern", sagt Cristiano Miguel.

Was er und seine Teamkameraden auf Madeira erleben, reicht eigentlich für drei Wochen Osterferien. "Wir haben bereits an vielen hochkarätigen Turnieren teilgenommen. Doch diese Reise ist der bisherige Höhepunkt", sagt Trainer Carlos Miguel. Bis zum kommenden Jahr sollten die Nachwuchskicker aber alles verarbeitet haben. Denn dann könnte die nächste Traumtour anstehen: Pauleta hat die E1 des FC schon eingeladen - zu seinem Oster-Turnier 2016 auf den Azoren.

Quelle: RP
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