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Mönchengladbach
Galerie Börgmann erinnert an Geburtsstunde des Dadaismus

Mönchengladbach. Vor 100 Jahren eröffnete Hugo Ball in Zürich das Cabaret Voltaire, den Geburtsort des Dadaismus. In der Galerie Börgmann wird das Jubiläum im gelungenen Brückenschlag gefeiert. Sechs Künstler reflektieren in ihren Arbeiten den Geist der revolutionären Bewegung von damals. Das Ergebnis ist in der Vielfalt anregend witzig, hintergründig und lustvoll gespickt mit unerwartet zurückhaltenden Momenten. Von Angela Wilms-Adrians

Für den Künstler Fritz Bornstück ist die Ausstellung der erste Auftritt an der Wallstraße. Seine Malerei ist klar figürlich, doch er baut regelrecht aus verschiedenen Motiven Figuren, die es so nicht gibt und die doch oft witzig und spielerisch eine Haltung und ein Wesen ausstrahlen. Bornstücks fünf Mitstreiter werden seit Jahren durch die Galerie vertreten. Gemeinsam ist ihnen eine schon länger währende Beschäftigung mit Dada.

"Das sind wahnsinnige Sachen", schwärmt Galerist Jochen Börgmann von den Arbeiten des in Berlin lebenden Österreichers Manfred Peckl. Der hat Papier zu Streifen geschreddert und auf Holz geklebt, um zu einer "verlangsamten Malerei" zu finden. Der ihm gewidmete Raum mit Schaufenster zur Straße zeigt erstaunliche Großformate wie auch kleinere Arbeiten. Peckl verwandelte das Plakat einer Business-Frau zum verzerrten Gesicht mit verwirrender Aura. Das Inkarnat einer ähnlich entstandenen männlichen Figur lässt an Holzmaserungen denken, während in Bahnen angelegte Bildfragmente zur dynamisch wuchernden Palmenlandschaft werden.

Der Belgier Pieter Jan Martyn gestaltet das Thema in klassischer Öl-Malerei mit Einsichten in die Dada-Welt. Er ist mitverantwortlich für die ruhigeren Pole in der Präsentation. In absolut verhaltener Farbgebung und berückend feiner Lichtwirkung zeigt er das Café Voltaire, sanft nuanciert das Fahrrad-Rad als Duchamps bekanntes Objet trouvé (gefundener Gegenstand). In großformatigen Selbstporträts versetzt sich Martyn in die Rolle der Personen, die dieses Objekt in Händen hielten. Jan Koch erschafft in seiner abstrakten, assoziationsreichen Malerei fragile Wahrheiten. Kurios verwertet Jan Muche in Anlehnung an Duchamps Ready Made (Gebrauchsfertiger Gegenstand) alte Bilder, um malerisch einzugreifen. Da taucht im klassischen Blumenbild unvermutet ein typisches Startzeichen der Computerwelt auf und an anderer Stelle wird eine Brust zum Auge.

Die Österreicherin Alexandra Baumgartner, mit Wohnsitz in Berlin und Wien, hat alte Fotos oft nur minimal und technisch perfekt verändert. Sie erschafft so stille, zurückhaltende Arbeiten, die irgendwie verstören.

Eröffnung ist heute um 19 Uhr in der Galerie Börgmann, Wallstraße 7. Die Ausstellung ist bis zum 21. Mai nach Terminabsprache zu sehen. Kontakt unter 0160 3600957 oder info@galerie-boergmann.com.

Quelle: RP
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