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Mönchengladbach
Galerie wird verlassenes Sanatorium

Mönchengladbach: Galerie wird verlassenes Sanatorium
Das Schaufenster ist nicht mehr zu sehen, der Raum im Erdgeschoss der Galerie ist zum Lazarett umgebaut. FOTO: d. Ilgner
Mönchengladbach. Paukenschlag Nummer 2 bei Jochen Börgmann: Der Ausstellungsraum im Erdgeschoss ist zum zweiten Mal maximal umgestaltet worden. Aus der altertümlichen Küche ist ein Krankenzimmer geworden. Und es gibt Bilder von Jan Martyn. Von Angela Wilms-Adrians

"Hospitality" heißt Gastfreundschaft, doch birgt das Wort auch den Begriff "Hospital". Und es begleitet titelgebend die aktuelle Ausstellung in der Galerie Börgmann an der Wallstraße. Die Eröffnung ist heute, Samstag, um 19 Uhr.

Jochen Börgmann gefällt das Wortspiel, denn es bringt auf den Punkt, was der Besucher sieht und der Galerist empfindet: Die Installation im Schaufenster zur Straße thematisiert die Atmosphäre eines alten OP-Saals, und so auch eines der über drei Etagen des Hauses präsentierten Bilder von Pieter Jan Martyn. Börgmann schätzt sich glücklich, Gastgeber für Arbeiten des 29-jährigen Belgiers zu sein. Das deckt sich mit seiner tief empfundenen Faszination für die Malerei im Nachbarland und insbesondere der Begeisterung für Martyns Schaffen. "Das ist eine echt heiße Ausstellung! Ich bin zu 150 Prozent zufrieden", schwärmt der Galerist euphorisch.

Tatsächlich erwartet die Besucher ein ungewöhnliches malerisches Werk, das mit Präsenz berührt und dabei doch oft wie unter einem Nebelschleier entrückt ist. Vertrautes, mit dem ausgeprägten Beigeschmack von Morbidität, birgt auch die Installation, deren Schöpfer übrigens noch geheim gehalten wird. Der ungenannte Künstler bestreitet damit in Folge seinen zweiten von geplanten zehn Auftritten an der Wallstraße. Er hat mit der aktuellen Station unmittelbar auf Martyns Bildwelt reagiert und zugleich atmosphärisch die Aura eines verlassenen Sanatoriums in Berlin eingefangen. Alles wirkt wie zufällig übriggeblieben, während sich die Natur über Erde und Pflanzen zwischen den Dielen den Raum zurückzuholen scheint. Martyns Diptychon einer OP-Szene stellt die Parallele zwischen den unterschiedlichen Ausdrucksformen beider Künstler her. Scheinbar verwaschene Töne assoziieren einen Schleier, der sich über die Szene legt, Wandel und Vergänglichkeit spürbar macht.

Ja, er sehe sich in der Tradition der Darstellungen zum Thema Vergänglichkeit von Meistern seiner Heimat, sagt der 29-Jährige. Unverkennbar ist der Bezug in der oberen Etage mit Totenkopfmotiven in zeitgenössischer Adaption. Seinen jungen Jahren zum Trotz wählte Martyn sogar die eigene Beerdigung als Bildmotiv. Wie so oft in seinem Schaffen hat er auch diese Szene zunächst arrangiert, fotografieren lassen, ins Malerische übersetzt und abstrahierend zurückgenommen. Das Ganze zielt nicht auf schaurige Effekte, sondern wirkt still, temporär, wie ein Moment, der sich mit dem sich auflösenden Nebel sofort verändern könnte.

In der Ausstellung gibt es einige Öl- und Acrylbilder mit dunkler Tönung, doch vorherrschend sind die diffusen, schwebenden Nuancen. Faszinierend ist das oft Zarte der Oberflächen, die in ihrer Zurückhaltung mal samtig, mal staubig oder wie feiner Marmor anmuten.

Für Bilder dieser Ausstrahlung hat der Künstler Leinwand oder Holzträger weiß grundiert, anschließend darauf gezeichnet, das Motiv mit Holzkohle gemalt, die Malerei mit durchsichtigem Acryl fixiert und schließlich die Oberfläche mit Schleifpapieren bearbeitet.

Quelle: RP
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