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Mönchengladbach
Gastbeitrag eines Flüchtlings: Seid freundlich!

Mönchengladbach: Gastbeitrag eines Flüchtlings: Seid freundlich!
Efe Efehosa berichtet über seine Erfahrungen als Flüchtling in Mönchengladbach. FOTO: Ilgner Detlef
Mönchengladbach. Bei meiner Ankunft in Mönchengladbach hatte ich gemischte Gefühle. Die Stimmung uns gegenüber war wie in einer verkorksten Liebesbeziehung: Einerseits behauptet man, verliebt zu sein, andererseits investiert man aber nichts in die Beziehung.

Ich habe mich lange gefragt, ob ich dem System trauen kann. Und ich traue ihm immer noch nicht so richtig. Irgendwann habe ich beschlossen, mich auf meinen Weg zu konzentrieren und nicht länger an die Versprechungen der Behörden zu glauben. Ich bin nun seit über zwei Jahren hier, und die Situation hat sich leicht verändert. Ich habe viele nette Menschen getroffen, die bereit sind, innerhalb ihrer bescheidenen Möglichkeiten mit viel Einsatz zu helfen. Doch die Behörden, die die Situation maßgeblich beeinflussen könnten, tun weiterhin viel zu wenig.

Mönchengladbach: Flüchtlingsunterkunft in Sporthalle FOTO: Dieter Weber

Es nervt, immer nur als "Flüchtling" oder "Asylbewerber" bezeichnet zu werden. Diese Begriffe beschreiben doch nur unseren Status. Aber wir sind doch Menschen mit Namen und Persönlichkeiten. Ein Kind würde doch auch niemand als "Idiot" bezeichnen, auch wenn es sich manchmal dumm verhält. Wir möchten wie Menschen behandelt werden, nicht wie ein Status.

Viele von uns bekommen nur sechsmonatige Aufenthaltsgenehmigungen, die immer und immer wieder verlängert werden. Ich frage Sie, liebe Leser, wie soll man seine Zukunft planen, wenn man nur sechs Monate hat? Ich bin eine starke Persönlichkeit. Ich weiß, was ich will. Ich habe Träume. Die Frage ist nur: Interessiert sich irgendjemand "da oben" dafür? Warum und wie ich nach Deutschland gekommen bin, möchte ich hier nicht ausbreiten. Die Frage ist doch viel mehr: Bin ich am falschen Ort gelandet?

Das JHQ wird zur Flüchtlingsunterkunft FOTO: Dieter Weber

Ich hatte zwischenzeitlich zwei gute, kleine Jobs. Doch die deutsche Bürokratie legt mir immer wieder Steine in den Weg. Den einen Job habe ich schon verloren, den anderen verliere ich vielleicht auch noch. Wir brauchen dringend einen Kurswechsel. Ich brauche ihn. Gladbach braucht ihn. In der Zwischenzeit kann ich nur an alle appellieren: Seid freundlich. Legt Vorurteile ab. Hautfarbe oder Herkunft sagt nichts über einen Menschen aus.

EFE EFEHOSA IST GHANAER UND LEBT ALS FLÜCHTLING IN GLADBACH.

Quelle: RP
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