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Gedanken zum Ewigkeitssonntag

Gedanken zum Ewigkeitssonntag
Am kommenden Ewigkeitssonntag machen sich evangelische Christen auf zu den Gräbern ihrer Lieben - wie hier auf dem Ev. Friedhof Rheydt. FOTO: Olaf Nöller
Mönchengladbach. Wir können es getrost wagen, Verantwortung für uns und andere zu übernehmen, weil wir unserem Schöpfer wichtig sind, findet unser Autor. Von Olaf Nöller

Wann haben Sie zum letzten Mal bewusst zum Sternenhimmel aufgeschaut? Bei mir war's im Griechenlandurlaub. Das ist schon wieder zu lange her. Es tut gut, nachts den Blick "nach oben" zu richten und dabei für einen Moment alles aus den Augen zu verlieren, was uns sonst beschäftigt. Der Aufblick zu den Sternen, er weitet unseren oft sehr beschränkten Denkhorizont und hilft zu erkennen, wer wir sind.

Vor sehr langer Zeit schaute auch ein Mensch hinauf zum nächtlichen Himmel. Es war der Beter des 8. Psalms im alten Israel. Auch ihm kommen dabei neue Gedanken und Einsichten, die nicht um's Alltägliche kreisen. Angesichts jener unermesslichen Dimensionen, die sich im weiten Universum über ihm auftun, fragt er tief bewegt: "Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?" (Psalm 8,5).

Merkwürdig, nicht wahr? Indem er sich diese philosophischste aller philosophischen Fragen stellt: "Was ist der Mensch?", gibt er sich, indem er auf Gott hin weiterdenkt, schon selbst die Antwort auf die größte Sinnfrage des Lebens, nämlich wer wir sind. Die Antwort, die dieser Mensch für sich findet, sie lautet: "...dass DU, Gott, seiner gedenkst!" Das also ist der Mensch vor allem - ein Gedanke Gottes!

Und genau das macht beim näheren Betrachten ja auch den Wert und die Würde des Menschen aus. Was wären wir, wenn wir das nicht mehr wären? Wir hätten keinen Ursprung und auch kein Ziel. Ausgerechnet wir flüchtigen und zerbrechlichen Wesen sind von Gott gewürdigt, seine Gedanken zu sein - gedacht vielleicht schon im Augenblick der Schöpfung, Wirklichkeit geworden in Raum und Zeit, aber eben auch unvergessen in alle Ewigkeit!

Spielen wir einmal durch, was geschähe, wenn Gott nicht unserer gedenken würde. Wir wären nicht mal Staubkörner im Weltall, die sich zudem noch laufend lächerlich machten, weil sie sich so schrecklich wichtig nehmen und immer wieder als die Allergrößten aufspielen. "Hunde, wollt ihr ewig leben?", pflegte der "alte Fritz" als Zyniker seinen Soldaten zuzurufen. "Nun aber hast DU, Gott, unserer gedacht und lässt uns sogar mehr als unsere geliebten Hunde sein!"

Denn: "Du hast den Menschen wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt. Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk; alles hast du unter seine Füße getan: Schafe und Rinder allzumal, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer... Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen!" So platzt es noch aus dem Psalmisten heraus.

Das ist ein Wort! Damit können wir getrost wagen, Verantwortung für uns und andere zu übernehmen, weil wir unserem Schöpfer wichtig sind! Und damit können wir es auch wagen, diesem irdischen Leben irgendwann "Adieu!" zu sagen. "A dieu" - wörtlich übersetzt: "zu Gott". Wir haben allen Grund zu solcher Kühnheit, weil wir um Jesu Christi willen Liebesgedanken Gottes sind und es auch bleiben. Ich wünsche Ihnen und mir frostklare Nächte mit gesegneten Aufblicken und Einblicken.

DER AUTOR IST EVANGELISCHER PFARRER IN RHEYDT.

Quelle: RP
 
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