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Mönchengladbach
Gedenken an einen Widerstandskämpfer

Mönchengladbach: Gedenken an einen Widerstandskämpfer
Dirk Hespers gestern früh bei dem Stolperstein, der an seinen ermordeten Vater, den Widerstandskämpfer Theo Hespers, erinnert. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. Theo Hespers wurde am 9. September 1943 in der Hinrichtungsstätten Plötzensee gehängt. Sein Sohn Dirk hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Erinnerung an den Gladbacher Widerstand wachzuhalten. Von Angela Rietdorf

Vor dem Haus Am Kämpchen 1 am Fuß des Fliescherbergs mitten im Zentrum von Mönchengladbach ist ein Stolperstein in den Boden eingelassen. Ungefähr an dieser Stelle stand das Elternhaus des Mannes, der als Widerstandskämpfer gegen die Nazis vor genau 73 Jahren in der Hinrichtungsstätte Plötzensee in Berlin gehängt wurde. Sein Sohn Dirk Hespers steht am Jahrestag vor dem Haus und erinnert sich an seine letzte Begegnung mit seinem Vater.

"Ich durfte ihn einmal im Gefängnis besuchen", erzählt der heute 85-Jährige. "Er war eisgrau geworden und sehr mager. Zwei Gestapo-Leute führten ihn herein. Er rief mir etwas auf Niederländisch zu, wurde aber direkt angebrüllt. Später bat er mich, seinen Freunden zu sagen, dass er niemanden verraten habe."

Theo Hespers war 39 Jahre alt, als er hingerichtet wurde. Geboren worden war er 1903 in Mönchengladbach. Hier wuchs er auf, wurde kaisertreu erzogen, besuchte das Stiftische Humanistische Gymnasium unweit seines Elternhauses. Er wurde von der katholisch-progressiven Jugendbewegung Quickborn geprägt, machte eine kaufmännische Ausbildung und wurde später Werkmeister. Aber es hielt ihn nicht zuhause, er machte sich mit einem Freund auf die Wanderschaft und kam bis Marokko. Nach seiner Rückkehr heiratete er, zog in die Brunnenstraße nach Dahl zu den Schwiegereltern. Er war und blieb ein politischer Mensch und in der Arbeiterbewegung aktiv. "Er ging zu vielen politischen Versammlungen, auch zu den Nazis. Er kam oft blutig geschlagen nach Hause, weil er widersprach", berichtet Dirk Hespers.

Damit machte sein Vater sich bei den Nazis sehr unbeliebt - eine aufrechte Haltung und Überzeugung kann schließlich ansteckend sein. 1933 nach der Machtübernahme sah er eines Abends, als er von der Arbeit zurückkehrte, sein Haus hell angeleuchtet. Er wurde schon erwartet, sollte festgenommen werden. Er drehte auf der Stelle um, holte seinen Pass bei seinen Eltern und flüchtete über die Grenze nach Venlo. Später kam die Familie nach. Die Niederländer lehnten eine Auslieferung ab, er zog mit der Familie nach Eindhoven. Nach dem Überfall auf die Niederlande im Mai 1940 tauchte er in der Nähe von Antwerpen unter. "Er hat während der ganzen Zeit immer politisch gearbeitet, es kamen Freunde zu Besuch, Flugblätter wurden gedruckt", erzählt der Sohn, der sich an die Zeit gut erinnern kann. Eine ganze Organisation entstand, es gab Kontakt nach England und Irland. Hespers senior hätte 1940 nach England flüchten können, wollte aber die Familie nicht allein zurücklassen. 1942 wurde er in Antwerpen von der Feldgendamerie verhaftet. Etwas später wurde auch seine Frau ins Frauengefängnis nach Vechta gebracht. Der Sohn kam zu den Großeltern mütterlicherseits nach Dahl. Die Mutter wurde nach Monaten wieder freigelassen, Theo Hespers aber bezahlte seinen Widerstand und seine aufrechte Haltung mit dem Leben.

Sein Sohn hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, die Erinnerung an den Widerstand in Mönchengladbach wachzuhalten. Die Theo-Hespers-Stiftung engagiert sich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus und will das Leben und Wirken von Theo Hespers vor dem Vergessen bewahren - mit Erfolg. Die Gesamtschule Stadtmitte soll nach dem Widerstandskämpfer umbenannt werden. Rund 60 Schüler legten gestern Vormittag Blumen am Hespers-Stolperstein ab.

Quelle: RP
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