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Mönchengladbach
Geflochtene Korbwaren für die ganze Welt

Mönchengladbach: Geflochtene Korbwaren für die ganze Welt
Thorsten Burkhardt (44) in seinem Korbwaren-Paradies am Mönchengladbacher Tippweg. FOTO: Bettina Zimmermann
Mönchengladbach. Die Korb- und Stuhlflechterei Burkhardt ist seit über 20 Jahren am Tippweg in Mönchengladbach ansässig. Verkauft wird am Düsseldorfer Carlsplatz - und zunehmend über das Internet. Ab Mai soll es zusätzlich einen Lagerverkauf geben. Von Bettina Zimmermann

Hinter dem Fenster, im Innenhof, streicht der Wind sanft über Wanderdünen aus Weidenkörben. In der Küche, Eiche-rustikal im Landhausstil, deutet, außer dem lautlosen Flimmern eines Macintosh-Computer-Bildschirms, nichts darauf hin, dass wir das Jahr 2015, nicht 1985 schreiben. Hier, vom heimischen Küchentisch aus, verkauft Thorsten Burkhardt (44) Korbwaren in alle Welt. "Das Internet ist für Nischenhändler wie uns eine super zusätzliche Plattform", sagt der Korbhändler, der aus einer alten Marktbeschicker-Familie aus Düsseldorf stammt.

An fünf Wochentagen ist Burkhardt dort mit seinem angestammten Marktstand am Carlsplatz präsent. Es gibt Waschkörbe aus heller Weide, Einkaufskörbe aus Franken, mit Wasserfarben in Blautönen eingefärbt. Marokkanische Taschen, aus Palmblatt geflochten. Kenianische Korbtaschen, aus Sisal gewebt, mit den charakteristischen Streifen in Erdtönen, und kleine Möbel aus Rattan. Früher bediente die Familie auch andere Märkte in der Region, etwa in Hilden und Solingen, doch die anderen Familienmitglieder sind zu alt, die Kinder noch zu jung, um einen Stand zu betreuen - und so vertreibt Burkhardt seine Waren inzwischen auch online, über Amazon.

Bestseller ist ein Korbtablett mit zwei Griffen, das mit gemustertem Stoff und abwaschbarer Folie ausgeschlagen ist. Auch die Puppenwagen sind sehr gefragt. "Ich habe letztes Jahr 100 Stück verkauft, 15 auf dem Markt und 85 übers Internet, zwei davon bis nach Australien." Für den Klassiker hat der Kunde 47 Euro Porto gezahlt. An der Bauweise der Puppenwagen hat sich in den letzten 30 Jahren nichts verändert: "Nur: Dieses Jahr machen wir die Wagen ein bisschen größer, damit die Baby-Born-Puppen rein passen, die sind nämlich etwas dicker geworden", sagt Burkhardt.

FOTO: Bettina Zimmermann

Neben dem Verkauf repariert der Handwerker auch Korbmöbel und erneuert Bespannungen, etwa von Thonet-Stühlen. Die schicken Bauhaus-Stühle aus dem Unterfränkischen kosten 800 Euro und mehr. 15 Jahre hält die Bespannung, dann können, je nach Abnutzungsgrad, Reparaturen oder eine Erneuerung fällig werden. Es gibt nur noch wenige Betriebe, die solche Arbeiten fachgerecht ausführen. "Neulich brachte mir ein Kunde Stühle aus seinem Ferienhaus in Mallorca, weil er vor Ort niemanden fand, der noch so arbeitet. So einen teuren Stuhl kann man nicht irgend jemandem mitgeben, der an der Tür klingelt", sagt Burkhardt.

Gutes Rattan, die Schale der Manau-Palme, kommt aus Indonesien: "Das ist das beste Material, das wir zum Flechten kriegen können", weiß der Spezialist. Eben diese Fachauskunft schätzen seine Kunden. "Ein guter Korb ist echtes Handwerk. Da steckt ganz viel Arbeit drin. Bei der gewohnten Qualität kann der dann aber auch nicht 15 Euro kosten", erklärt der Einzelhandelskaufmann, der nach einer fundierten Ausbildung beim Hertie-Konzern den väterlichen Betrieb übernahm, in dem er seit seinem elften Lebensjahr mitgearbeitet und sein Handwerk lieben gelernt hatte.

Vor über zwei Jahrzehnten zog der Vater von vier Kindern nach Mönchengladbach, in die Heimatstadt seiner Frau Agnes, wo sich seitdem am Tippweg seine Werkstatt befindet. Nächsten Monat eröffnet er zwei Häuser weiter, in einer alten Schnürsenkelfabrik, einen Lagerverkauf. "Das Bewusstsein für gut gemachte Korbwaren ist fast verschwunden", sagt Burkhardt. Nicht zuletzt, weil der Markt von billigen Importen aus Asien überschwemmt worden sei. "Die halten von zwölf Uhr bis Mittag", sagt Burkhardt.

Dennoch bleibt er optimistisch. "Ich mache mir gar keine Sorgen für die Zukunft. Ich habe viele Aufträge und kriege positives Feedback von den Kunden," sagt er mit einem Blick durchs Fenster, auf die Korbberge in der Sonne. Und auf der anderen Seite der Welt, irgendwo am australischen Strand, schieben zwei kleine Hände energisch einen Weiden-Puppenwagen durch den nassen Sand.

Quelle: RP
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